Zum Leben erweckt: Fotos von Dodos

24. Februar 2005 Der Dodo, wissenschaftlich Raphus cucullatus und auf deutsch Dronte genannt, Mitglied der Familie der Rallen, war etwas größer als ein Truthahn, hatte kurze Beine, einen dicken Körper und auf einem langen Hals einen runden Kopf mit federlosem Gesicht und Hakenschnabel. Anstelle von Flügeln wuchsen ihm kurze Stummel, und statt eines Schwanzes hatte er einen dünnen Busch Federn in der Mitte des Rückens. Fliegen konnte er nicht. Das wurde ihm zum Verhängnis. Obwohl das Fleisch nicht sonderlich schmackhaft gewesen sein soll, schätzten schon früh holländische Seefahrer, die im Indischen Ozean kreuzten, den Vogel als Abwechslung auf ihrer eintönigen Speisekarte. Es ist aber auch überliefert, daß Matrosen das Tier mit dem etwas dümmlichen Gesichtsausdruck aus purem Übermut erschlugen - den letzten gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts. "Dead as a Dodo" ist seither im Englischen eine stehende Redewendung. Nun hat der finnische Konzeptkünstler und Fotograf Harri Kallio für ein wunderbares Buch den Vogel zum Leben erweckt. Auf Mauritius, wo der Dodo als endemische Art zu Hause war, inszenierte er mit Modellen aufwendig und liebevoll Idyllen einer paradiesischen Vogelwelt: fröhlich anzuschauen und doch unterlegt von einem Moment des Schauderns. Kurze Kapitel widmen sich der Rekonstruktion des Tiers, aber auch der Rolle des Dodos in der Kunst - etwa in "Alice im Wunderland".

F.L.

"Das Dodo auf Mauritius" von Harri Kallio. Edition Braus im Wachter Verlag, Heidelberg 2004. 104 Seiten, zahlreiche Fotos. Gebunden, 39,90 Euro. ISBN 3-89904-118-6.

Buchtitel: Das Dodo auf Mauritius
Buchautor: Kallio, Harri

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2005, Nr. 46 / Seite R4

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