Wie viele Schriftzeichen kennt der Chinese?

17. Juli 2008 Es ist schon erstaunlich, wie treffsicher der Münchner Sinologe Hans van Ess all jene Fragen beanwortet, die wir uns immer schon zu China stellten. Und wie er dabei keineswegs kritische Punkte umgeht, etwa zu Tibet, Taiwan oder dem Menschenrechtsdiskurs. Anschaulich erklärt er, welche historischen Entwicklungen und Ereignisse (etwa die beiden Opiumkriege Mitte des neunzehnten Jahrhunderts) für China prägend waren und sind. Vor allem aber beschreibt er, welche Besonderheiten heute den chinesischen Alltag charakterisieren. Thematisch geordnet ist zu erfahren, was in Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Medizin oder Ernährung für uns bis heute exotisch wirkt: bis hin zu den ungefähr fünfzigtausend Schriftzeichen. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der nationalen und kulturellen Identität und bilden das einigende Band in einem Land, in dem solch unterschiedliche Dialekte gesprochen werden, dass selbst Menschen aus Peking, Schanghai oder oder Hongkong bei einer gemeinsamen Unterhaltung relativ große Verständigungsprobleme haben. Zeichnen sie allerdings beim Gespräch mit dem Finger die von allen erlernten Schriftzeichen auf ihre Handfläche, klappt die Kommunikation wieder. Mit diesem Band haben wir eine Art literarischen Kompass vor uns, der zu Hause die Planung einer China-Reise erleichtert und unterwegs zuverlässig den Weg weist durch Chinas schillernde Gegenwart oder gar zur fünften Himmelsrichtung, zur Mitte / zhong, ausgesprochen: dschung.

-ung

"Die 101 wichtigsten Fragen - China" von

Hans van Ess. Verlag C. H. Beck, München 2008.

160 Seiten. Broschiert, 9,95 Euro.



Buchtitel: Die 101 wichtigsten Fragen - China
Buchautor: Ess, Hans van

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2008, Nr. 165 / Seite R4

 
Mehr als 30.000 Rezensionen
Buchtitel Buchautor Im Beitrag
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche