12. Juni 2008 In Goch erzählt man sich, dass in der Endphase des Zweiten Weltkriegs von den Flugzeugen der Alliierten nach ihren Einsätzen über Deutschland jeweils alles abgeworfen wurde, was an Bomben noch an Bord vorhanden war - um sicher hinter der nahen niederländischen Grenze landen zu können. Aber vor allem in einer Nacht, vom 6. zum 7. Februar des Jahres 1945, wurde die Stadt bombardiert, danach war von Goch nichts mehr vorhanden: Vierundachtzig Prozent aller Gebäude wurden zerstört. Es spricht für Heimatliebe, wenn Maria Luft dennoch mehr als einmal die Vokabel "Idyll" benutzt. Denn es mangelt im Ort und in seiner Umgebung nicht gerade an gesichtslosen Bauten und Straßenzügen. Dort aber, wo kleine Pretiosen erhalten blieben, kommt man aus dem Staunen tatsächlich nicht heraus; etwa vor dem "Haus zu den fünf Ringen" aus dem frühen sechzehnten Jahrhundert, dessen spätgotische Fassade der Autorin so gut gefällt, dass sie sich ihr gleich zweimal mit dem identischen Text widmet - bei zwei verschiedenen Spaziergängen durch die Stadt: einem Kurzrundgang und einer Zeitreise. Damit tut man Goch freilich des Guten zu viel, denn so groß ist die Stadt auch wieder nicht. Plausibel ist hingegen die dritte Tour: auf den Spuren des Priesters Arnold Janssen, der vor fünf Jahren heiliggesprochen wurde. Schon immer war diese Region reich an Wallfahrtsorten, nun haben sie ein Zentrum erhalten. Nicht zuletzt an die vielen Gläubigen, die dorthin reisen, richtet sich das Büchlein.
F.L.
"Unterwegs in Goch - Stadtführer für Goch und Umgebung" von Maria Luft. Verlag Völcker Druck, Goch 2007. 132 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Pläne. Broschiert, 11,90 Euro.
Buchtitel: Unterwegs in Goch - Stadtführer für Goch und Umgebung
Buchautor: Luft, Maria
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2008, Nr. 135 / Seite R4