12. November 2009 Das Schönbrunner Gelb in Wien ist die Farbe der Habsburger. Darin steckt das Gold der Kronen und Zepter, der weithin glänzenden Kuppeln von Secession und Otto-Wagner-Kirche - den goldgelben Erdäpfelsalat nicht zu vergessen: Er räkelt sich in einer Marinade aus Rindssuppe, Essig und Öl, Pfeffer und Salz und wartet auf seine liebste Begleiterin, das kross gebackene Schnitzel mit dem Zitronenschnitz. In Schönbrunner Gelb kommt denn auch Julia Kospachs Buch daher. "Wien - Eine Melange" nennt sie ihre Tour durch die Stadt und ihre Farben. Die Autorin flaniert durch die Kaffeehäuser und probiert dort Einspänner, Schale Gold oder Kapuziner in allen Braun- und Cremetönen, sie wandert vom Ziegelrot der legendären Gemeindebauten hinaus ins Grün des Wienerwaldes und zum Blau der Donau, um zuletzt noch ins Schwarze zu treffen: "Der Tod, das muss ein Wiener sein", heißt es bei Georg Kreisler in einem seiner Chansons, "genau wie die Lieb' a Französin." Diesem ganz besonderen Bewohner der Stadt begegnet man auch am Friedhof der Namenlosen: Hier hat die Donau dereinst die Wasserleichen angeschwemmt, hierher pilgern die Wiener, um im nahe gelegenen Gasthaus aufs Leben anzustoßen und es sich bei Zanderfilet mit Letscho wohl sein zu lassen. Julia Kospachs Buch wird zu einem leichtfüßigen Spaziergang durch die lichten und auch dunkleren Seiten der Donau-Metropole, durch die Speisekarten des ehemaligen k.u.k. Reichs und durch das eigene Familienalbum mit seinen Bildern und Anekdoten. Ein beschwingtes Buch. Es macht Beine.
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"Wien - Eine Melange" von Julia Kospach. Sanssouci im Carl Hanser Verlag, München 2009. 128 Seiten. Gebunden, 14,90 Euro.
Buchtitel: Wien - Eine Melange
Buchautor: Kospach, Julia
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2009, Nr. 263 / Seite R4