Alles nicht wahr

05. Juni 2008 Es gibt mehr als fünfhundert Haiarten. Das weiß man erst seit kurzem. Dass sie allesamt gruselige Tiere sind, ist hingegen Allgemeinwissen: Bestien, die alles angreifen, was sich bewegt, und die, was sie einmal zwischen die Kiefer kriegen, in tausend Teile zerfetzen. Haien möchte niemand begegnen. Es sei denn in der Sicherheit des Kinosessels. Steven Spielberg sei Dank. Und Peter Benchley, der mit seinem Roman "Jaws" die Vorlage für den Gruselschocker geliefert hat. Später tat Benchley leid, dass er dem Tier zu einem solchen Ruf verholfen hat, und er schrieb eine Art Wiedergutmachung für den Hai. Ein populärwissenschaftliches Sachbuch. Nicht ohne Reiz, aber festlesen konnte man sich darin nicht.

Das ist bei dem Band "Räuber, Monster, Menschenfresser" anders. Drei Wissenschaftler gehen darin "99 Unwahrheiten über Haie" nach, den hinlänglich bekannten Klischees, etwa dass Haie keine natürlichen Feinde und auch keine Augenlider haben, dass sie dumm seien und sie durch menschliches Blut angelockt würden und dass das Umkreisen durch einen Hai immer die Vorstufe einer Attacke sei - aber auch dem Irrglauben, dass Haiflossen nachwüchsen; was gerne von jener Industrie verbreitet wird, für die Haifischflossensuppe ein Millionengeschäft ist.

Haie sind eine gefährdete Spezies. Und es wurde Zeit für ein solches Buch, das den Mythen und Legenden wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüberstellt. Unterhaltsam formuliert und mit Entschuldigungen dort versehen, wo die Autoren etwas weiter ausholen müssen und etwa detailliert die Anatomie des Tiers beschreiben, damit man versteht, wie dessen Kiefer funktioniert. Nicht nur Tauchern möchte man das wunderbare Buch als Strandlektüre empfehlen. (F.L.)

"Räuber, Monster, Menschenfresser" von Gerhard Wegner, Robert Hofrichter und Franziska Anderle. Kosmos Verlag, Stuttgart 2007. 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 16,95 Euro.



Buchtitel: Räuber, Monster, Menschenfresser
Buchautor: Wegner, Gerhard

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2008, Nr. 129 / Seite R4

 
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