25. Juni 2009 "Der heutige Garten stellt abgesehen von Groschenheftromanzen den letzten verbleibenden Hort der Romantik dar", wetterte der Stadtplaner und Gartendesigner Christopher Tunnard, als er im Jahr 1938 Bentley Wood im minimalistischen, funktionalen Stil gestaltete: Betonplatten, spärlich begrünte Mauern, weite Ausblicke. Es war einer der wenigen Aufträge, die Christopher Tunnard in England ausgeführt hat, und warum das so ist, sieht man auf der nächsten Seite: ebenfalls ein Garten, der 1938 gepflanzt wurde: Vita Sackville-Wests Sissinghurst - überquellend von Rosen und Stauden und für Tunnard vermutlich der Inbegriff groschenheftgesteuerter Überschwänglichkeit, der sich die Engländer Ende des neunzehnten Jahrhunderts ergeben hatten. Bunte Blumenfülle war jedoch nicht immer Mode, wie dieses kompetente, chronologisch geordnete Buch mit hundert berühmten Gärten Großbritanniens zeigt, und da Gärtner vor den Fotografen tätig waren, enthält es auch gemalte und gestochene Bildbeispiele von Tudor- und Barockgärten. Fast alle formalen Anlagen fielen Mitte des achtzehnten Jahrhunderts dem Vandalismus zum Opfer, den die große Geste der Landschaftsgärtner forderte, aber ihre Inspiration wirkt fort, ebenso wie die "Arts and Crafts"-Bewegung, die neue Sachlichkeit, der Wildwuchs aus Kletterpflanzen und Feldblumen ("Farmer's Nightmare"), den Miriam Rothschild in Ashton Wold losließ, bis zu Derek Yarmans Kiesfleck voll Treibgut und leuchtender Blumen an der Küste bei Dungeness. Englische Gartenkunst und Gartenlust äußern sich in vielen Spielarten, und jede Scholle ist ein Hort ganz persönlicher Befindlichkeit. Romantik würde es auch treffen.
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"Englische Gärten" herausgegeben von den Phaidon-Lektoren. Phaidon Verlag, London und Berlin 2008. 112 Seiten, 81 Farbfotos, 19 Schwarzweißabbildungen. Gebunden, 19,95 Euro.
Buchtitel: Englische Gärten
Buchautor: Phaidon Verlag
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2009, Nr. 144 / Seite R4