26. November 2009 Es ist ein fürstliches Anwesen, in das sich Rainer Maria Rilke im Oktober des Jahres 1911 zurückzieht. Er ist zu Gast in einem "immens ans Meer hingetürmten Schloss, das wie ein Vorgebirg menschlichen Daseins mit manchen seiner Fenster (darunter mit einem meinigen) in den offensten Meerraum hinaussieht, unmittelbar ins All, möchte man sagen". Aus diesem All, so Rilke weiter, fliegen ihm wenige Wochen später die "Duineser Elegien" zu. Schloss Duino bei Triest geht in die Weltliteratur ein - und dessen Besitzerin, Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe, mit ihm. Die Familien Thurn und Taxis, Colloredo oder Strassoldo haben das Friaul und seine Architektur über Jahrhunderte hinweg geprägt. Von ihren Burgen und Schlössern aus überblickten sie das Land, dem Kaiser und ihrer früheren Heimat jenseits der Alpen treu verbunden. Als die Venezianer festen Boden unter den Füßen zu gewinnen und die Terraferma zu erobern suchen, müssen auch die deutschstämmigen Adelsgeschlechter zusehen, wie der Markuslöwe seine Runden zieht: Die Herrschaftsverhältnisse verändern sich, und mit ihnen die Städte. Die berühmten venezianischen Villen entstehen. Christoph Ulmer beschreibt das Aufeinandertreffen von Stilen und Weltanschauungen, wie es sich in den ungezählten Villen, Burgen und Schlössern dieser Gegend spiegelt. Sein reichbebilderter Band über "Die Villa im Friaul" wird zum lebendigen Reiseführer durch einen Landstrich und zugleich durch dessen Geschichte. Großes Theater, vor prächtigen Kulissen. Mit Christoph Ulmer wird man auch hinter den Vorhang schauen.
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"Die Villa im Friaul - Geschichte ihrer Funktionen und Formen" von Christoph Ulmer. Böhlau Verlag, Wien 2009. 320 Seiten, zahlreiche Farbfotos. Gebunden, 39 Euro.
Buchtitel: Die Villa im Friaul - Geschichte ihrer Funktionen und Formen
Buchautor: Ulmer, Christoph
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2009, Nr. 275 / Seite R4