Tierseuche

Vogelgrippe erstmals von Mensch zu Mensch übertragen?

24. Mai 2006 Nach der Häufung von tödlichen Vogelgrippefällen in Indonesien schließt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht mehr aus. Der WHO-Sprecher für die Pazifik-Region, Peter Cordingley, äußerte sich am Mittwoch sehr besorgt über die Entwicklung. Zum ersten Mal biete sich keine andere Erklärung für die Infektionsquelle an, und noch nie zuvor hätten sich auf so kleinem Raum so viele Menschen auf einmal angesteckt.

WHO-Experten betonten allerdings, daß es keinen Beleg für eine Mutation des Erregers gebe, die eine Übertragung von Mensch zu Mensch leichter machen würde. Auch sei keine Ansteckung über den engen Familienkreis hinaus erfolgt, so daß keine Pandemie zu befürchten sei. Sollten sich allerdings auch Nachbarn mit dem Vogelgrippe-Virus infizieren, wäre dies in der Tat eine sehr besorgniserregende Entwicklung, räumte Cordingley ein.

Kein infiziertes Geflügel im Dorf

Sechs von sieben infizierten Mitgliedern einer Familie aus Kubu Sembelang im Norden der Insel Sumatra sind schon an der Vogelgrippe gestorben, das letzte Opfer am vergangenen Montag. Alle Betroffenen hatten über längere Zeit Kontakt zu einer anderen schwer erkrankten Person gehabt. Eine direkte Übertragung könne deshalb nicht ausgeschlossen werden, andere Möglichkeiten der Ansteckung würden aber weiter geprüft, erklärte der WHO-Seuchenexperte Steven Bjorge in Jakarta.

Bezeichnend ist nach seinen Angaben, daß sich in dem Dorf Kubu Sembelang kein Geflügel mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 infiziert habe. Zudem sei der bei der Familie registrierte Erregertyp genetisch identisch mit einer Variante, die in der Region schon früher bei Menschen aufgetreten sei. Auch dies lasse eine Ansteckung von Mensch zu Mensch vermuten.

H5N1 nicht nachgewiesen

Weltweit sind bisher 124 Menschen an der Vogelgrippe gestorben. In den meisten Fällen konnte eindeutig nachgewiesen werden, daß sie sich bei erkranktem Geflügel angesteckt hatten. Laut Bjorge scheint dies auch auf das erste infizierte Mitglied der Familie aus Kubu Sembelang zuzutreffen. Die Frau, die am 4. Mai verstarb, arbeitete auf einem Markt, wo auch Geflügel verkauft wurde. Bei ihr wurde der H5N1-Erreger nie nachgewiesen, dennoch halten die Mediziner sie für ein Vogelgrippe-Opfer.



Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: REUTERS

 
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