Online-Reichweiten

United Internet hängt T-Online ab

04. März 2007 United Internet hat seinen Kontrahenten T-Online klar überflügelt. Unter den Online-Vermarktern erreicht United Internet Media mit seinen Marken GMX, Web.de und 1&1 inzwischen 17,9 Millionen Internetnutzer und damit drei Millionen mehr als die T-Online-Gesellschaft Interactive CCSP, hat die Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (Agof) in ihrer jüngsten Erhebung herausgefunden.

Neun Monate zuvor hatte Interactive noch knapp vor United Internet gelegen, seitdem aber eingebüßt, weil der Springer-Verlag seine Seite Welt Online nun selbst vermarktet und T-Online an Reichweite eingebüßt hat.

Erhebliche Verschiebungen sind auch hinter den beiden Spitzenreitern zu beobachten. Klare Gewinner unter den Internetangeboten sind die Fernsehsender, vor allem Pro Sieben und RTL, deren Reichweite um mehr als eine Million in diesem Zeitraum gestiegen ist. Damit einher geht der Trend zu Videogemeinschaften, die großen Zulauf haben. Pro Sieben hat sich daher an MyVideo beteiligt, RTL hat die Gemeinschaft Clipfish gegründet.

Mehr als 14 Millionen Haushalte mit DSL-Anschluss

Die Sender profitieren zurzeit besonders stark von den immer schnelleren DSL-Verbindungen der Internetnutzer, die erstmals die Videoübertragung im Netz in guter Qualität möglich machen. Nach Schätzungen der Agof verfügen fast 50 Prozent der Internetnutzer, die zu Hause online gehen, über eine DSL-Verbindung. Nach Angaben der Bundesnetzagentur haben mehr als 14 Millionen Haushalte einen DSL-Anschluss.

Von der Stärke der Sender haben natürlich auch ihre Vermarktungsgesellschaften profitiert: Sevenone Interactive (Pro Sieben) und IP Deutschland (RTL) haben kräftig zugelegt. Verlierer sind neben T-Online auch so bekannte Namen wie Freenet, Yahoo und AOL, deren Reichweite um jeweils mehr als eine Million gesunken ist in diesen Zeitraum.

Mehr Leistung und Effizienz für die Kunden

Die Reichweite ist ein entscheidendes Kriterium für die Online-Werbung. Im vergangenen Jahr haben die Unternehmen mit grafischer Online-Werbung wie Bannern oder Videos nach einer Berechnung des Branchenverbandes BVDW rund 900 Millionen Euro Umsatz erzielt, etwa 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allerdings sind die Preise noch nicht signifikant gestiegen. "Das Preisgefüge im Online-Markt wird sich weiter ausdifferenzieren. Es gibt schon heute ein Billigsegment, in dem die Preise noch sinken und wo auch durch die Web 2.0-Phänomene viel neue Media auf den Markt kommt.

Daneben steigen die Preise bereits in den Segmenten, in denen über mehr Mediaqualität, sei es über Umfelder oder beginnend durch innovative Technologien der effizienten Zielgruppenansprache, dem Kunden auch mehr Leistung und Effizienz geboten werden kann.

Dabei wird der Online-Markt steigende Werbeerlöse unter dem Strich weniger aus Preissteigerungen als vielmehr aus umfangreichen Budgetumverteilungen aus den klassischen Medien in Online erzielen. „Eine Anpassung der Werbeausgaben für Online an die Mediennutzung - rund 15 Prozent - in den nächsten drei bis fünf Jahren ist durchaus realistisch", sagte Matthias Ehrlich von United Internet Media.

Text: ht. / F.A.Z., 05.03.2007, Nr. 54 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.

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