Karrieresprung

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps - oder?

Von Herta Paulus

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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07. Juli 2007 Zum Einstand ein kleiner Umtrunk mit Käsekrapfen, Tunfischcreme und Zucchinisalat, für den Abschied in die Babypause Blätterteigröllchen, Rohkost mit verschiedenen Dips und frische Früchte mit Vanillecreme und für den runden Geburtstag Spinatkuchen mit Schafskäse, Hackfleischbällchen und spanischer Kartoffelsalat. Die Münchner Autorin und Fooddesignerin Margit Proebst tischt in ihrem Ratgeber „Feiern im Büro“ so manch kulinarische Köstlichkeit und hilfreiche Tipps auf. Doch mit der Feierstimmung im Büro ist es nach jahrelanger Wirtschaftsflaute so eine Sache.

Der Geburtstagskuchen, die Häppchenplatte nach bestandener Probezeit ist längst nicht mehr in jedem Unternehmen Usus. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. „Hier wird nicht gefeiert“, heißt es etwa bei einem Münchner Medienunternehmen. „Man drückt die Augen zu, aber gern gesehen wird es nicht,“ kommentiert auch die Marketingleiterin eines großen Autohauses. Bei einem Tagesprogramm „das sich gewaschen hat“, stünde den Mitarbeitern der Sinn sowieso nach anderem als nach Party.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Anstoßen im Büro ist auch bei der Münchner Werbeagentur Serviceplan verpönt. Eine Agentur muss schick sein, Wein- und Fettflecke auf den Schreibtischen oder Teppichböden kommen da nicht gut. Gefeiert wird trotzdem. „Wir haben zwei Feierlocations, die jederzeit gebucht werden können“, erklärt Geschäftsführer Florian von Hornstein.

Geburtstage, Beförderung, Projekterfolge seien regelmäßige Anlässe für meist von mehreren Mitarbeitern gemeinsam organisierte Festivitäten in der Cafeteria oder im Innenhof mit Pavillon und Grillplatz. Einzige Bedingungen: „Aktivitäten finden grundsätzlich erst nach Ende der Arbeitszeit statt und möglichst nicht, wenn nach 18 Uhr noch Kundenmeetings im Haus sind“, sagt von Hornstein.

Erfolge soll man feiern

„Viel und oft“ gefeiert wird auch beim mittelständischen IT- Beratungs- und Softwarehaus Consol, das nicht zuletzt ob seiner innovativen Unternehmenskultur beim Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber 2006“ einen Doppelsieg erringen konnte. Erfolge soll man feiern - am Tag danach gab es denn auch einen kurzfristig organisierten Sektempfang für die rund 150 Mitarbeiter.

Die Feierkultur funktioniert auch umgekehrt. Spontan gab etwa ein Stuttgarter Mitarbeiter anlässlich des überraschenden Einzugs der VfB-Kicker ins DFB-Halbfinale eine Runde Maultaschen mit Kartoffelsalat für alle anwesenden Mitarbeiter aus. „Das kam gut an“, berichtet Marketingleiterin Isabel Baum. Ansonsten gilt: „Kuchen zum Geburtstag oder die Einstandsfeier nach zwei, drei Monaten sind Standard.“ Auch das Timing ist eingespielt: Gefeiert wird während der Pausen- oder außerhalb der Arbeitszeiten. Und auch wenn es mal etwas länger werden sollte: „Die Qualität der Arbeit leidet nicht, im Gegenteil. Jeder weiß schließlich selbst, ob er sich zehn Minuten oder eine halbe Stunde Auszeit gönnen kann“, kommentiert Baum das auch von der Geschäftsleitung ausdrücklich erwünschte Miteinander über Abteilungsgrenzen hinweg.

Gefeiert wird lieber draußen

„Hier wird gerne gesehen, dass die Mitarbeiter miteinander feiern“, heißt es auch beim ostdeutschen Solarzellenhersteller Q-Cells. Vom Geburtstagsständchen im kleinen Kreis abgesehen ist das Büro als Partyambiente allerdings zweite Wahl, darf hier der Sektkorken nur mit Sondererlaubnis knallen. „Wenn ein Gläschen Sekt, muss es der Vorstand ausdrücklich genehmigen“, erklärt Marketingleiter Stefan Dietrich.

Schauplatz vieler privater Betriebsfeiern ist der neben dem Firmengelände gelegene Grillplatz, der nach Feierabend regelmäßig von Q-Cells-Mitarbeitern belegt ist. „Viele Mitarbeiter sind neu zugezogen. Da lässt sich privates und berufliches Umfeld nicht trennen“, erklärt Marketingleiter Stefan Dietrich den ausgeprägten Hang zum Feierabend unter Kollegen. „Auch der Vorstand feiert da schon mal kräftig mit.“

Feiern nützt dem Betriebsklima

Feste soll man feiern wie sie fallen, sagt der Volksmund. Doch nicht immer ist es sinnvoll, den Einstand automatisch in der ersten Woche zu begehen, auf den Familiennachwuchs gleich am Tag nach der Geburt anzustoßen. „Wenn in der Firma gerade Hochkonjunktur ist, sollte man eine Feier lieber verschieben,“ rät Alexander Maier, Marketingchef beim Netzwerkausrüster Funkwerk EC. Feste Vorgaben oder Regeln, wann, wie oft und wie gefeiert werden darf, hält er für kontraproduktiv: „Was gibt es für eine Firma besseres, als wenn Kollegen auch miteinander feiern. Man sollte sie da nicht an der kurzen Leine halten.“

„Jede interne Aktivität fördert die Kommunikation und die Integration“, begründet auch von Hornstein seine positive Haltung gegenüber privaten Festen im Büroumfeld.

Veränderte Feierkultur

Der Zusatz „im normalen Maße“ ist dabei kaum noch notwendig. Denn private Feiern sind „gesitteter“ und generell seltener geworden in deutschen Büros und Werkshallen. „Früher ging es da schon oft hoch her, da sind Bier und Wein oft in Strömen geflossen. Aber das hat sich deutlich geändert“, weiß Helmut Schwertler, Leiter Kommunikation beim mittelständischen Unternehmen Schreiner Group in Oberschleißheim und bekennender Skeptiker in punkto Bürofeiern. Seine Toleranzschwelle wird dabei sowieso kaum strapaziert, vom obligatorischen Geburtstagskuchen abgesehen sind private Aktivitäten eher die Ausnahme.

„Die Leute feiern anders und woanders“, kommentiert Schwertler. Ein Grund: Der Mix der letzten Jahre aus erhöhtem Arbeitsdruck, gestiegenem Arbeitspensum und einer ausgedünnte Personaldecke fördert nun mal nicht die Feierlaune. Diese zum Gradmesser für ein gutes oder schlechtes Betriebsklima zu machen hält er indes für überzogen. „Das hat nichts mit der Identifizierung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen zu tun. Wo es ein klares Wertesystem gibt, bestehen auch andere Möglichkeiten, um ein positives Gemeinschaftserlebnis herzustellen.“

Text: FAZ.NET

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