Studie

Weltbank: Teure Lebensmittel durch Biotreibstoff

Biosprit macht Lebensmittel teuer. Davon ist die Weltbank überzeugt

Biosprit macht Lebensmittel teuer. Davon ist die Weltbank überzeugt

04. Juli 2008 Die Produktion von Biotreibstoffen hat wesentlich stärker zum drastischen Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel beigetragen als bisher angenommen. Es ist weniger die steigende Nachfrage der aufstrebenden Schwellenländer wie China, die für den rasanten Preisauftrieb verantwortlich ist, als die stetig steigende Nutzung von Grundnahrungsmitteln für die Produktion von Bioethanol. Das ist das Ergebnis einer noch nicht vollständig der Öffentlichkeit vorgestellten Studie der Weltbank. Demnach soll die Produktion von Biokraftstoffen 75 Prozent des Preisauftriebs von Nahrungsmittelpreisen seit dem Jahr 2002 ausgemacht haben. Höhere Energie- und Düngemittelpreise hätten nur 15 Prozent des Preisanstiegs ausgelöst.

In Großbritannien wird Anfang der kommenden Woche ein Regierungsbericht vorgelegt, der zu ähnlichen Schlüssen kommen wird. Im Februar hatte die britische Regierung den Chef der Behörde für erneuerbare Energien, der Renewable Fuels Agency, Ed Gallagher, aufgefordert, innerhalb von drei Monaten eine Analyse zu präsentieren, die darlegt, wie stark die Produktion von Biokraftstoffen auf das Preisniveau von Grundnahrungsmitteln wirke. Erst im April hat die britische Regierung verfügt, dass Kraftstoff zu 2,5 Prozent aus erneuerbarer Energie produziert worden sein muss. Dieser Mindestwert soll bis zum Jahr 2010 auf 5 und im Jahr 2020 auf 10 Prozent steigen. Auch in der Europäischen Union wird das Ziel verfolgt, Benzin 10 Prozent Biokraftstoff beizumischen.

Die Weltbank hatte schon im April gewarnt

Die Produktion von Biokraftstoffen war politisch zunächst stark gefördert worden in der Hoffnung, mit Biotreibstoffen könne die Emission von Kohlendioxid durch die Verbrennung fossiler Treibstoffe gedrosselt werden. Immer mehr zeigt sich jedoch, dass die Hinwendung zur pflanzlichen Energieproduktion so hohe Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel auslöst, dass sich die bedürftige Bevölkerung vieler Schwellenländer Lebensmittel kaum noch leisten kann und Hilfsorganisationen ihre Notspeisungen einschränken müssen. In einigen Ländern ist es daher schon zu Ausschreitungen gekommen.

Schon im April hatte die Weltbank gewarnt, dass die Herstellung von Biokraftstoffen erheblich zu der Preissteigerung von vier Fünfteln der Grundnahrungsmittel in den vergangenen drei Jahren beigetragen habe. Die Europäische Umweltagentur hat die EU bereits aufgefordert, ihr Ziel der Beimischung von Biokraftstoffen daher auszusetzen. In der kommenden Woche werden die Vertreter der G-8-Industrieländer im japanischen Toyakko über die künftige Energiepolitik und die Produktion von Biokraftstoffen beraten. Hinweise, dass die Produktion von Biokraftstoffen mehr als bisher angenommen zum Preisauftrieb von Lebensmitteln beigetragen hat, könnten Politiker zunehmend unter Druck setzen, die politische Subvention und Förderung von Biokraftstoffen aufzugeben.

Seit August 2006 ist der Maispreis um 241 Prozent gestiegen

Noch nie hat die Welt einen derart rasanten Preisanstieg für Grundnahrungsmittel erlebt, wie er derzeit die Verbraucher besonders der ärmeren Länder trifft. Seit August 2006 ist der Preis für Mais um 241 Prozent gestiegen, mehr als in den Jahren 1972 bis 1974, als schon einmal ein steiler Preisanstieg an den Rohstoffmärkten die Welt erschütterte. Im vergangenen Jahr weiteten die amerikanischen Landwirte die Produktion von Mais um 30 Prozent aus. Dieser Zuwachs machte 80 Prozent der weltweiten Produktionssteigerung von Mais aus. Aber 60 Prozent des zusätzlichen Maisverbrauchs wurde im vergangenen Jahr von der amerikanischen Ethanolindustrie verschlungen.

Gleichzeitig braucht China immer mehr Mais als Futter für seine steigende Milch- und Rindfleischproduktion. China exportiert daher keinen Mais mehr, sondern tritt mittlerweile als Nettoimporteur am Weltmarkt auf. Die Maisvorratslager der Welt sind auf nur noch 47 Tage Weltkonsum gesunken. Das letzte Mal gab es so niedrige Vorräte im Jahr 1974. Trotz des äußerst starken Verteuerung ist der Maispreis real, also inflationsbereinigt, noch nicht auf dem Niveau von 1974 angelangt. Nach Berechnungen der Deutschen Bank liegt der Maispreis real noch immer um 79 Prozent unter dem extremen Preisniveau von 1974.

Die Umstellung der Landwirtschaft, die immer mehr Anbauflächen für Mais belegt, hat sich negativ auf das Angebot an anderen Grundnahrungsmitteln wie Sojabohnen ausgewirkt, die zunehmend knapp werden. Seit September 2006 ist so der Preis für Sojabohnen um 196 Prozent in die Höhe geschossen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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