05. Dezember 2008 Die Krise auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich im November erheblich verschärft. Im Saldo seien im vergangenen Monat 533.000 Arbeitsplätze gestrichen worden, teilte das Amt für Arbeitsmarktstatistik am Freitag in Washington mit. Das ist der schnellste Beschäftigungsrückgang seit mehr als 34 Jahren. Gleichzeitig erhöhte sich die Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent im Oktober auf 6,7 Prozent, das höchste Niveau seit 15 Jahren.
Nach den revidierten Daten sind in den zurückliegenden drei Monaten in amerikanischen Unternehmen außerhalb der Landwirtschaft mehr als 1,2 Millionen Jobs verloren gegangen. Der Stellenabbau übertraf die Befürchtungen von Bankvolkswirten, die mehrheitlich mit einem Minus von 325.000 im November gerechnet hatten. Der Arbeitsplatzabbau war hoch und verteilt über viele Wirtschaftszweige verteilt, hieß es in einer Pressenotiz des Amtes. Den Daten zufolge waren im November 10,3 Millionen Amerikaner als arbeitslos gemeldet. Seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 ist die Zahl der Arbeitslosen damit um 2,7 Millionen gestiegen, die Arbeitslosenquote hat sich um 1,7 Prozentpunkte erhöht. Zu den offiziell als arbeitslos gezählten Erwerbsfähigen kommen noch rund 1,9 Millionen Menschen hinzu, die zwar grundsätzlich arbeitswillig und arbeitsfähig sind, aus verschiedenen Gründen aber in den zurückliegenden vier Wochen nicht nach einer Arbeit gesucht haben. Rund 600.000 von ihnen kümmern sich derzeit nicht um einen neuen Job, weil sie entmutigt sind und meinen, in der aktuellen Lage ohnehin keine Chance zu haben.
Konsumflaute hinterlässt tiefe Spuren im Einzelhandel
Ganz deutlich zeigt sich in der Statistik die andauernde Häusermarktkrise. Die Zahl der Beschäftigten in der Bauwirtschaft sank im November um 82.000. Seit dem Höhepunkt der Beschäftigung in diesem Wirtschaftszweig im September 2006 sind dort inzwischen 80.000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Die allgemeine Konsumflaute hinterlässt derweil tiefe Spuren im Einzelhandel: Dort gingen im November im Saldo 91.000 Jobs verloren, darunter 24.000 bei Autohändlern.
Die Zahlen sind schlimm. Aber sie stehen im Einklang mit einer Reihe von Konjunkturindikatoren der vergangenen Wochen. Und ich befürchte, es könnte noch schlimmer kommen in den nächsten Monaten, kommentierte Rob Carnell von der Investmentbank ING die Daten. Ähnlich bewertete es auch Bernd Weidensteiner von der Commerzbank: Eine rasche Stabilisierung für den Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung dürfte vielmehr für einen weiteren Beschäftigungsabbau sorgen, sagte Weidensteiner. Die Arbeitslosenquote könne kommendes Jahr auf deutlich mehr als 8 Prozent klettern, fürchtet der Ökonom.
Die Akteure an den Finanzmärkten rechnen fest damit, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve auf der nächsten Sitzung des geldpolitischen Rates in der übernächsten Woche den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 0,5 Prozent senken wird.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Peter Frischmuth / argus
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