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Karriere

Geschickter Sprung über die Lücke im Lebenslauf

Wer seine Biographie nicht nahtlos dokumentieren kann, muß in der Bewerbung gut argumentieren. Wie viele Lücken akzeptiert werden, ist stark vom Beruf abhängig.

Wie schädlich eine Lücke ist, hängt von der Branche ab.Wie schädlich eine Lücke ist, hängt von der Branche ab.
12. September 2004 

Der Frankfurter Bankmitarbeiter mit akademischer Bildung hatte viel Mut zur Lücke. Gleich zweimal in zwei Jahren räumte er freiwillig seinen Schreibtisch, ohne eine neue Stelle in Aussicht zu haben. Beide Male fand er nach wenigen Monaten wieder eine vergleichbare Beschäftigung in einem Kreditinstitut. Wie hat er das in Zeiten des starken Personalabbaus in den Banken geschafft? "Ich konnte jedes Mal klarmachen, daß ich immer noch die Fähigkeit hatte, den Job zu erledigen. Ich hatte mich mit der Lektüre von Fachpublikationen auf dem laufenden gehalten."

Das Beispiel macht deutlich, was man tun muß, damit eine freiwillige oder unfreiwillige berufliche Auszeit nicht ins Abseits führt: sich konsequent weiterbilden. Wer hingegen versäumt, in das eigene Humankapital zu investieren, muß sich wahrscheinlich mit einer niedrigeren, weniger verantwortungsvollen Position begnügen - falls eine solche Stelle überhaupt existiert. In der Bewerbung sollten allerdings nur Fortbildungen erwähnt werden, die für die angestrebte Stelle von Vorteil sind. Das können Abendschulbesuche, Vertriebstrainings, Sprachkurse oder Bildungsreisen sein. Selbstverständliche Aktivitäten, wie ein Word-Kurs, brauchen nicht hinein. Wie viele Lücken akzeptiert werden, ist stark vom Beruf abhängig.

Phasen der Erwerbslosigkeit als Makel

So sind die Kenntnisse eines Computerfachmanns ohne berufliche Fortbildungen und Praktika schon nach einigen Monaten veraltet. Qualifizierte Sachbearbeiter, die nicht am Ball geblieben sind, verlieren nach ein bis zwei Jahren erheblich an Wert für mögliche Arbeitgeber. "Je höher qualifiziert und spezialisiert die Tätigkeit ist und je mehr sie an aktuelle Entwicklungen geknüpft ist, desto weniger kann man sich eine Pause ohne berufliches Engagement leisten", sagt Diplom-Psychologin Sabine Gläser, die mittelständische Unternehmen in der Personalentwicklung berät.

Das gilt um so mehr, als Phasen der Erwerbslosigkeit in vielen deutschen Personalabteilungen nach wie vor als Makel angesehen werden. Diese Haltung hat sich, wie Personalprofis berichten, auch in Zeiten, in denen viele Menschen arbeitslos sind und in denen Brüche und Lücken in den Biographien immer häufiger vorkommen, nicht wesentlich geändert. Während man eine Lücke von einem, höchstens zwei Monaten in der Bewerbung noch problemlos als notwendige Zeit der Arbeitssuche verkaufen kann, werden längere Lücken mit großer Wahrscheinlichkeit zu kritischen Nachfragen führen.

Tabellarischer Lebenslauf sollte lückenlos sein

Wie schädlich eine Lücke ist, hängt aber auch von der Branche ab, in der man sich bewirbt. Generell gilt, je konservativer die Branche, desto negativer fallen Lücken ins Gewicht, und je kreativer die Branche, desto weniger Beachtung finden sie. So wird man in Banken und Versicherungen wahrscheinlich auf mehr Unverständnis stoßen als in der Computerbranche oder in Werbeagenturen. Doch gilt auch, je größer das Unternehmen ist, desto geringer sind die Chancen für Bewerber mit einer lückenhaften Erwerbsbiographie.

Die Angst vor der Offenbarung einer Lücke darf indes keinesfalls dazu verleiten, sie zu verstecken. Denn der tabellarische Lebenslauf, der in jede Bewerbung gehört, sollte lückenlos sein. Unklare Zeitangaben lüden nur zu ungünstigen Deutungen und unter Umständen peinlichen Nachprüfungen ein. Besser ist ein geschickter Umgang mit der Wahrheit. "Die Arbeitslosigkeit darf dem Leser einer Bewerbung nicht ins Auge springen", rät Personalberater Kurt Günter Bannach von mbm Consulting Partners. So sollte man in Anschreiben und Lebenslauf das passiv klingende Wort arbeitslos vermeiden und lieber beschäftigungssuchend oder Phase beruflicher Neuorientierung schreiben.

„Familien- und Erziehungsarbeit“ statt „Erziehungsurlaub“ oder „Kinderpause“

So mancher versucht sich während der Erwerbslosigkeit selbständig zu machen oder arbeitet freiberuflich. Selbst wenn es mit der Selbständigkeit nicht geklappt hat oder man freiberuflich nur einen kleinen Auftrag erledigt hat, sollte das im Lebenslauf stehen. Damit zeigen Bewerber, daß sie sich um Beschäftigung bemüht haben.

Wer sich überhaupt nicht beruflich, sondern nur privat engagiert hat, kann auch das in den Lebenslauf aufnehmen. "Kein Leben ist rein auf beruflichen Perspektiven aufgebaut. Deshalb ist dieser Nachweis allemal besser als die Hoffnung, daß der zukünftige Arbeitgeber die Lücke nicht findet", sagt Gläser. Vor allem mit Zeiten der Kindererziehung sollten Mütter selbstbewußter umgehen als früher. Dies wird immer öfter als sinnvolle Unterbrechung akzeptiert. Dabei kann schon die Wortwahl verdeutlichen, was in dieser Zeit getan wurde: Das war weder "Erziehungsurlaub" noch "Kinderpause", sondern "Familien- und Erziehungsarbeit". Solcherlei schult bekanntlich Fähigkeiten wie Organisationsvermögen, Geduld und Streßresistenz, die in fast allen Berufen von Vorteil sind.

Apropos Vorstellungsgespräch. Selbst wenn die berufliche Auszeit kritische Fragen hervorruft, ist das kein Grund zu verzagen. "Man sollte versuchen, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und so zu argumentieren, daß der andere denkt: Das ist nachvollziehbar, das könnte mir auch passieren", empfiehlt Bannach. Vielleicht gelingt es dann sogar, statt einer Lücke eine sinnvolle und weiterführende Lebenserfahrung zu verkaufen.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.09.2004, Nr. 37 / Seite 53
Bildmaterial: gms

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