11. Juli 2007 Margret Suckale ist zur Zeit einzigartig. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat herausgefunden, dass von den 533 Vorstandsposten in den 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen nur einer von einer Frau eingenommen wird - eben von Margret Suckale.
Ihr Unternehmen ist die Deutsche Bahn AG, dort ist sie Arbeitsdirektorin und deshalb im Moment mit Tarifverhandlungen und Arbeitsniederlegungen beschäftigt. Auch in den Tarifrunden ist sie meist allein unter Männern, denn im Personal der Gewerkschaften sind ebenfalls nur wenige weibliche Führungskräfte zu finden.
Gegenpol zum robusten Vorstandsvorsitzenden
Die Rolle der Vorzeigefrau liegt der 51 Jahre alten Juristin nicht im Blut - zumindest ist sie niemand, der sich gern in den Vordergrund spielt. Die gebürtige Hamburgerin, die mit einem Berliner verheiratet ist, gibt sich freundlich und zurückhaltend, eher leise als forsch, eher nachdenklich als hemdsärmelig.
Bahnchef Hartmut Mehdorn hat sie im Jahr 2005 aus der Rechtsabteilung in die erste Reihe des Bundesunternehmens geholt, als der damalige Personalvorstand Norbert Bensel Logistikchef im Konzern wurde. Auf Suckale fiel Mehdorns Wahl, als er den Vorstand nach seinem Geschmack besetzte. Vom Temperament her bildet die harmoniesuchende Personalchefin den Gegenpol zum robusten Vorstandsvorsitzenden. Positiv gewendet: Sie ergänzen sich.
Wechselte 1997 zur Deutschen Bahn AG
Das Studium der Rechtswissenschaften absolvierte Suckale an der Universität Hamburg; sie erwarb den Master of Business Administration an der WHU/Northwestern University und den Executive Master of European and International Business Law der Universität St. Gallen. Von 1985 bis 1996 war sie im Mobil-Oil- Konzern in unterschiedlichen Funktionen im Rechts- und Personalbereich in Deutschland und im europäischen Ausland tätig. Bei der Mobil Oil AG in Hamburg verantwortete sie das Gebiet Arbeitsrecht, Grundsatzfragen und Tarifpolitik. Als Personaldirektorin war sie in der Mobil Oil Austria AG und dem Mobil Nordic Office, Kopenhagen, für das Personal in den nord- und osteuropäischen Ländern verantwortlich.
Überdies arbeitete sie ein Jahr in der Europazentrale der Mineralölgesellschaft in London. 1997 wechselte sie zur Deutschen Bahn AG und übernahm die Rechtsabteilung, vor dem Wechsel in den Vorstand war sie in Personalunion Leiterin Zentrale Stäbe und Recht. Für die Karriere sei eine hierarchie- und abteilungsübergreifende Vernetzung wichtig, hat Suckale einmal gesagt. Sie selbst war zu Beginn ihrer Karriere Mitglied in einem Frauennetzwerk. Netzwerke helfen, doch den engen Draht zu den Gewerkschaften, den viele Arbeitsdirektoren in großen Unternehmen mitbringen, bevor sie ihren Posten antreten, muss Margret Suckale erst aufbauen.
Die erste harte Tarifauseinandersetzung
Gleichwohl sprechen ihr Beobachter taktisches Geschick im Umgang mit den Arbeitnehmervertretern zu. In der schlafraubenden Marathonverhandlung mit den Bahngewerkschaften Transnet und GDBA habe sie die Strategie bestimmt, wird erzählt - auch wenn die Obergrenze des Tarifabschlusses naturgemäß mit Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack abgestimmt gewesen sei. Eisenbahner widersprechen vehement der üblen Nachrede, sie sei in den Verhandlungen zu harmlos und zu wenig bestimmt aufgetreten.
Für Suckale ist es - nach dem politisch motivierten Streik der Gewerkschafen im vergangenen September, der sich mehr gegen die Bundesregierung als gegen die Bahn richtete - die erste harte Tarifauseinandersetzung. Trotz des Abschlusses mit Transnet und GDBA ist der Fall auch noch nicht gelöst. Bei den Lokführern ist Suckale mit ihrer freundlichen Beharrlichkeit bisher nicht weitergekommen, Hartmut Mehdorn auf seine Weise jedoch auch nicht.
Text: F.A.Z., 11.07.2007, Nr. 158 / Seite 16
Bildmaterial: dpa
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