27. Dezember 2005 Darf ein Unternehmen einen Milliardengewinn erzielen und gleichzeitig Tausende von Stellen streichen? Dies war die große Streitfrage, als die Deutsche Bank Anfang Februar ankündigte, global 6.400 Stellen zu streichen. Gleichzeitig gab Vorstandssprecher Josef Ackermann für 2004 einen Jahresgewinn von 2,5 Milliarden Euro bekannt. Und als wolle er noch eins draufsetzen, kündigte er an, bis Ende 2005 eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern anzupeilen - maßloses Streben nach Profit, lautete die Kritik.
Daß der Personalabbau vor allem großzügig bezahlte Spezialisten im Kapitalmarktgeschäft traf, deren Gehälter auch durch ein höheres Risiko, entlassen zu werden, gerechtfertigt sind, kümmerte die Kritiker wenig. Auch die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte die Wirtschaft auf, mehr Fingerspitzengefühl zu zeigen. Selbst der Betriebsrat, der den Plänen bereits zugestimmt hatte, begehrte auf und forderte die Rücknahme des Abbaus von 1.920 Stellen im Inland.
Ackermann geriet in die Defensive. In einer E-Mail an die Beschäftigten schrieb er, er habe die unternehmerische Verantwortung, aus Deutschland heraus eine Bank zu führen, die im Weltkonzert ganz vorne mitspielt. Dazu müsse die Rendite der Bank konkurrenzfähig sein, rechtfertigte Ackermann den Stellenabbau. Zu drei Vierteln sind die 6.400 Ende des dritten Quartals erreicht worden.
Bis Ende 2006 will Ackermann den Abbau beenden. Den weltweiten Stellenstreichungen steht die Schaffung von 1.200 Arbeitsplätzen, vor allem in Osteuropa und in Asien, gegenüber. In Deutschland hat die Bank in diesem Jahr 750 Stellen neu geschaffen, vor allem in vertriebsnahen Bereichen des Privatkundengeschäfts. Übrigens: Die 25 Prozent Eigenkapitalrendite dürfte Ackermann wohl geschafft haben.
Text: hlr., F.A.Z., 28. Dezember 2005
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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