09. April 2009 Im geräumigen Klassenzimmer der Frankfurter Metropolitan School stehen nicht nur Tische, auf dem Boden liegen auch Matten. Zum Lernen können sich die Kinder, wenn sie wollen, dort auf den Bauch legen, sagt der Gründer und Direktor der Schule, Peter Ferres. Die Hauptsache ist, sie lernen gut.
In der im vergangenen Jahr in Betrieb genommenen Privatschule Campus Klarenthal in Wiesbaden gehört Theaterspielen genauso zum Lehrplan wie Deutsch und Mathematik. Das stärke das Selbstbewusstsein der Schüler, heißt es dort. Und den Gründern des ersten privaten Schulunternehmens in Deutschland, Phorms, geht es nicht nur um gute Leistungen und elternfreundliche Öffnungszeiten, sondern auch darum, dass die Schüler ohne Angst in die Schule kommen.
Zahl der Privatschüler steigt
Die deutsche Welt der Schulen wird immer bunter - und scheint sich immer mehr aufzuspalten. Auf der einen Seite findet man die staatlichen Schulen, die immer stärker in der Kritik stehen, wie die derzeitige Diskussion über den Lehrermangel zeigt. Denn ihre Unattraktivität gilt als wichtiger Grund dafür, dass sich nicht genügend motivierte und ehrgeizige junge Leute für den Lehrerberuf entscheiden. Auf der anderen Seite gewinnen die privaten Schulen immer mehr an Ansehen. Ihnen traut inzwischen die Mehrheit der Eltern eine höhere Qualität zu als den staatlichen Schulen. Deshalb schicken auch immer mehr Eltern ihre Kinder auf private Schulen, während die Schülerzahlen an den staatlichen Schulen sinken.
Mit 7 Prozent ist der Anteil der Schüler an privaten Schulen freilich noch gering. Und sicherlich gibt es auch sehr gute Staatsschulen und lahme Privatschulen. Dennoch fragt sich, ob staatliche Schulen von privaten Schulen lernen können, wie Schüler und Eltern zufriedener und Lehrer engagierter werden. Interessant ist vor allem der Blick auf die Schulen, die, weil sie vom Staat höchstens einen Teil ihrer Kosten ersetzt bekommen, Schulgeld erheben müssen. Sie stehen in einem harten Wettbewerb mit den kostenlosen Schulen: Wenn sie nicht genügend Schüler anlocken, gehen sie unter.
Kleinere Klassen und mehr Lehrer
Eltern bemängeln an Schulen vor allem zweierlei. Zum einen finden sie die Klassen zu groß, und zum anderen meinen sie, dass auf einzelne Schüler zu wenig eingegangen werde. Hier setzen viele Privatschulen an. Sie werben mit kleinen Klassen von rund 20 Schülern und nicht selten mit zwei Lehrkräften je Klasse.
Der Einfluss der Klassengröße auf die Schülerleistung ist freilich umstritten. In bildungsökonomischen Untersuchungen konnte bisher kein eindeutiger Zusammenhang zwischen kleinen Klassen und besseren Leistungen nachgewiesen werden. Allerdings weisen Wissenschaftler darauf hin, dass an deutschen Schulen die Vorteile kleiner Klassen nicht genutzt würden. Genau das versuchen aber viele Privatschulen, indem sie mit alternativen pädagogischen Konzepten arbeiten. Sie versprechen, jedem einzelnen Schüler viel Aufmerksamkeit zu schenken, und setzen auf nachhaltig wirkende Lehrmethoden jenseits des Frontalunterrichts.
Internationalität und Fremdsprachen
Die Metropolitan School ist ein typisches Beispiel für eine dieser neuen engagierten Schulen. Internationalität und Fremdsprachen spielen eine wichtige Rolle. Es wird aber auch Wert gelegt auf ein selbständiges, angstfreies und motivierendes Lernen. In unserer Schule wird fächerübergreifend, also anders gelernt als in einer normalen Regelschule, sagt Schulgründer Ferres. Man orientiere sich am internationalen Lehrplan Primary Years Programme, das man mit dem deutschen Lehrplan verknüpft.
Das bedeutet, dass die Schüler keinen starren Stundenplan haben, auf dem einzelne Stunden für Deutsch, Mathematik und anderes stehen. Stattdessen arbeiten sie fächerübergreifend an Fragen. Dazu schreiben sie Aufsätze, stellen Berechnungen an, malen Bilder und singen Lieder. Am Ende des Schuljahres haben sie dann sogar mehr Stunden in Deutsch und in Mathe gehabt als in einer Regelschule; sie haben es nur nicht gemerkt, erläutert Ferres. Er ist überzeugt, dass so von dem Unterrichteten wesentlich mehr hängenbleibt, weil die Kinder zu Fragestellern, Denkern, Kommunikatoren und letztlich zu engagierten und selbstbewussteren Menschen würden.
Dynamisches Lehrkonzept
In diesem dynamischen innovativen Lehr- und Lernkonzept sieht Ferres auch den Hauptgrund für das Engagement der Lehrer, das er als sehr hoch bezeichnet. Die Lehrer können hier viel bewegen, sagt er. Auch Michael Büchler, der die große private Internatsschule Pädagogium in Baden-Baden leitet, glaubt, dass die Lehrer an seiner Schule unter anderem deshalb so engagiert seien, weil sie sich in ihren Fächern austoben können. Frische Ideen wie bilingualer Unterricht seien hoch willkommen. Die Lehrer arbeiteten gerne an der Schule, weil sie sich mit dem Konzept, das auf eine ganzheitliche Erziehung und Bildung setzt, identifizierten, sagt Büchler, der auch Präsident des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen ist.
Motivierend wirkt nach Büchlers Erfahrung außerdem, dass sich die Lehrer nicht als Einzelkämpfer fühlten. Dass sich Lehrer alleingelassen fühlen, gilt Psychologen als ein wichtiger Grund für das nachlassende Engagement vieler Lehrkräfte im Laufe der Jahre. Am Pädagogium gibt es nach den Worten von Büchler einen regen Austausch unter den Lehrern, zum Beispiel, wenn sie in Konferenzen Unterrichtseinheiten vorstellten. Man pflege so etwas wie offene Klassenzimmer, symbolisiert dadurch, dass man in jede Tür zu einem Klassenraum ein Fenster eingebaut habe. Auch lege die Schulleitung viel Wert auf das Urteil der Lehrer, zum Beispiel, wenn es um die Einstellung eines Kollegen gehe. Schließlich muss jemand ins Team passen, sagt Büchler.
Eigenständige Personalauswahl
Das Personalmanagement sei an privaten Schulen professioneller, ist Büchler überzeugt. Das zeige sich nun auch in Zeiten des Lehrermangels. Mit diesem hätten die Privatschulen zwar auch zu kämpfen; doch hätten sie sich in den guten Zeiten besser mit Lehrkräften versorgt und für eine ausgewogenere Altersstruktur des Kollegiums gesorgt. Von ihrer höheren Professionalität im Personalfragen profitierten sie auch, wenn sie nun, wie die öffentlichen Schulen, verstärkt nach Lehrern mit ausländischen Abschlüssen und nach Quereinsteigern suchten. Wir sind eher bereit zu suchen. Schließlich ist unsere Schule daran gewöhnt, ihr Personal selbst auszuwählen, meint Büchler.
Ein anderer Grund für die Unzufriedenheit vieler Lehrer ist die Vergütung, die nur mit dem Dienstalter steigt; besondere Leistungen werden kaum belohnt. Am Pädagogium gibt es wenigstens Anerkennungszulagen, wie Bücher sagt: für die Lehrer, die eine Klasse leiten, für solche, die die naturwissenschaftlichen Sammlungen pflegen, und für Lehrkräfte, die ein Projekt erfolgreich beendet haben.
Bezahlung nach Leistung
Es gibt aber auch Privatschulen, in denen sich Personalführung und Vergütungsstrukturen nicht von denen in einem Unternehmen unterscheiden. Ein Beispiel ist die Strothoff International School, die gerade von dem Möbelunternehmer Hans Strothoff südlich von Frankfurt in Dreieich gegründet wird. Die Lehrer an dieser Schule, die sich hauptsächlich über Schulgeld finanziert, verdienen 30 bis 40 Prozent mehr als an einer deutschen Staatsschule.
Das müssen wir zahlen, um gute internationale Lehrer zu bekommen, sagt Daniel Schmid, der den Aufbau der Schule leitet. Dafür müssen die Lehrer von morgens bis abends anwesend sein, denn ein enger Kontakt zu den Schülern ist Teil des Konzepts. Und die Bezahlung richtet sich nach der Leistung. Der Schulleiter entscheidet anhand individueller Zielvereinbarungen über das Gehalt, erklärt Schmid.
Ökonomen fordern staatliche Finanzierung
14 000 Euro im Jahr kostet der Besuch der Strothoff-Schule, die keine staatliche Unterstützung bekommt. Das ruft Kritiker auf den Plan: Solche Schulen könnten es sich leisten, ihre vermögende Kundschaft mit guten Bedingungen zu verwöhnen. So trieben sie die Spaltung der Gesellschaft voran. Die Privatschulen wenden dagegen ein, dass sie mindestens so gut wirtschaften und genauso viel leisten wie Staatsschulen. Schulgeld müssten sie nur erheben, weil sie höchstens einen Teil ihrer Aufwendungen vom Staat ersetzt bekämen.
Eine weitgehende staatliche Finanzierung der freien Schulen fordern auch die Bildungsökonomen. Ein hoher Anteil an Privatschulen hebe die Leistungen aller Schüler, weil durch den Wettbewerb auch die Staatsschulen besser würden, haben empirische Studien ergeben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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