„Deutsches Anleger Fernsehen“

Kulmbach crossmedial - oder wie man sich selbst vermarktet

So sieht's aus, das DAF

So sieht's aus, das DAF

04. August 2006 „Deutsches Anleger Fernsehen startet am 1. August.“ So die Schlagzeile einer Pressemeldung vom 10. Juli. Doch am 1. August ist nur der Trailer zu sehen. Ein Anruf in der oberfränkischen Kreisstadt Kulmbach, wo nicht nur das „Deutsche Anleger Fernsehen“ (DAF) produziert wird: Es gebe technische Probleme, man arbeite „sehr ehrgeizig daran, diese in den Griff zu bekommen“. Drei Tage später ist es soweit. Das DAF geht auf Sendung.

DAF-Vorstand Peter Rampp verspricht in einer weiteren Pressemeldung zum Start: „Schon am ersten Sendetag können sich die Zuschauer vom gesamten Spektrum unseres Angebots überzeugen.“ Das konnte nur, wer die Website erreichen konnte. „Dieser Server ist momentan wegen Wartungsarbeiten nicht erreichbar“, war immer wieder unter www.anleger-fernsehen.de zu lesen.

Unter dieser Adresse ist das DAF wochentags von 9 bis 22 Uhr zu empfangen, nicht aber im Fernsehen. „Den Programmschwerpunkt legt die Redaktion auf die Frage, wie man als Anleger konkret auf die Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten reagieren soll“, so der Pressetext. Manchmal fährt wahrscheinlich besser, wer auf den Disclaimer hört: Die konkreten Anlageempfehlungen seien eigentlich gar keine, wird da verklausuliert formuliert. Auch im Impressum der Website heißt es mit Bezug auf die „in den Publikationen der Börsenmedien AG vorgestellten Aktien“: „Die Artikel stellen keinesfalls eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Die veröffentlichten Informationen geben lediglich einen Einblick in die Meinung der Redaktion bzw. Dritter.“

Live-Schalte auf's Parkett muß sein

Vier Sendeformate kennt das neue Programm: „DAF Ticker“, „DAF Parkett“, „DAF Q&A“ und „DAF Depot“. Der „Ticker“ zeigt Charts, Quartalszahlen und kurze Nachrichten, untermalt von Fahrstuhlmusik. Thema der ersten Ausgabe: Unter anderem die Geschäftszahlen der Allianz.

In der Sendung „DAF Parkett“ liest eine Moderatorin die gleichen Meldungen noch einmal vor, unter anderem die Geschäftszahlen der Allianz. Auch eine Live-Schalte auf's Frankfurter Parkett gehört zum Programm. Erwähnt wird etwa das Kursplus bei der Allianz, die Geschäftszahlen waren nämlich gut. Spannend klingt das nicht. Ist es auch nicht.

Ohne Werbung geht es nicht

Klar, ohne Werbung läßt sich so ein Programm nicht finanzieren. Das „X-markets“-Team der Deutschen Bank wirbt für ihr kostenloses Zertifikate-Magazin „X-press“, das die besten Depotstrategien für Kinder (!) und Erwachsene beleuchten soll.

Dann Eigenwerbung mit Grußworten der Hochfinanz: „Das Zertifikate-Team von Sal. Oppenheim wünscht dem Deutschen Anleger Fernsehen einen erfolgreichen Sendestart“, sagt eine Dame der Kölner Privatbank. Ein bißchen später hat's dann ja auch geklappt mit dem Sendestart. Und immer wieder Werbung von Flatex, dem Online-Broker. „Deutschland handelt online“, lautet die Botschaft. Sitz des Unternehmens: Kulmbach. Und das ist kein Zufall.

Der Optimist im Hinter- und Vordergrund

Aus Kulmbach kommt auch der erste Gast bei „DAF Depot“. In dieser Sendung läßt sich kein Geringerer als Bernd Förtsch über sein Echtgeld-Depot aus, das er „vor wenigen Tagen bei Flatex eröffnet hat“, wie der Moderator sagt. Förtsch wird als „Fondsadvisor Vermögensaufbau Fonds HAIG“ vorgestellt. Gleichfalls erwähnt wird, daß der Interviewpartner obendrein der Vorstand der Muttergesellschaft des DAF ist (siehe dazu die Richtigstellung im Kasten am Ende des Textes). Zu Förtschs Börsenmedien AG gehört nicht nur der erwähnte Fonds, sondern auch die Börsenzeitschrift „Der Aktionär“. Und Flatex, der Online-Broker. Und DAF, das Anlegerfernsehen.

Förtsch ist ein Optimist. Sonst hätte er das DAF nie hochgezogen oder sich getraut, Online-Broker wie Comdirect oder die DAB Bank herauszufordern. Auch bei manchen Aktien gibt er sich optimistisch. Ins Depot genommen hat er etwa Softbank, eine japanische Aktie, die in diesem Jahr mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt hat. Außerdem liegt Porsche im Portfolio. Die Analysten von Credit Suisse hätten ihre „Outperform“-Einstufung für die Aktie gerade erst bestätigt und ein Kursziel von 1.000 Euro genannt. Derzeit kostet die Aktie etwa 780 Euro. Bei dieser Aktie sei man also „auf der sicheren Seite“, sagte Förtsch.

Mit der Zahl 1.000 hat es bei Förtsch eine besondere Bewandtnis. Als „Mister Dausend“, verspotteten ihn seine Gegner, schrieb einst die Zeit, weil Förtsch seinerzeit „im Fernsehen mit breitem Akzent das Kursziel der Morphosys-Aktie auf 1.000 Euro hochschraubte“. Mehr als 360 Euro wurden es nicht, dafür stand die Aktie rund zwei Jahre später bei 4,77 Euro. So schlimm dürfte es bei Porsche gewiß nicht kommen.

Durchaus lehrreich

Vom „Deutschen Anleger Fernsehen“ läßt sich einiges lernen - zum Beispiel über crossmediale Vermarktung: Zu Gast bei der Interviewsendung „DAF Q&A“ ist Daniel Evensen, Ressortchef für Fonds beim „Aktionär“. Der „Aktionär“ berichtet Ende Juli auf zwei Seiten über das „Deutsche Anleger Fernsehen“. Flatex wirbt im DAF, in DAF-Sendungen verweisen Moderatoren auf den Online-Broker. So bedankt sich der Moderator bei Förtsch, daß er den Zuschauern Einblick gewährt hat in sein „Realdepot beim Online-Broker Flatex“.

Durchaus lehrreich also, das Deutsche Anleger Fernsehen. Wer allerdings etwas über die Finanzmärkte lernen will, der braucht das DAF nicht.

Richtigstellung

Ursprünglich wurde an dieser Stelle behauptet: „Daß der Moderator seinen eigenen Chef interviewt, sagt er nicht.“ Richtig ist, daß Bernd Förtsch zwar als Vorstand der Börsenmedien AG auch Eigentümer des DAF ist. Vorgesetzter des Moderators aber ist DAF-Vorstand Peter Rampp. Überdies wird, wie oben bereits berichtigt, die Beziehung zwischen dem DAF und Bernd Förtsch auch im Rahmen des Interviews im Programm des DAF offengelegt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: FAZ.NET

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