Citigroup

Riesige Abschreibung führt zu Rekordverlust

15. Januar 2008 Mit leichten Kursgewinnen reagierte die Aktie der amerikanischen Großbank Citigroup in Europa anfänglich auf die am Dienstag vorgelegten Umsatz- und Ertragszahlen sowie auf die Megaabschreibungen der Bank auf Hypothekarpapiere.

Diese kurzfristige Kursreaktion dürfte kaum überraschen, hatte die Aktie seit ihrem Hoch im Dezember des Jahres 2007 in den vergangenen Monaten doch bis zu 54 Prozent ihres Wertes verloren, nachdem sie sich am amerikanischen Hypothekarmarkt verspekuliert hatte. Die Krise, die unter anderem durch die dramatische Fehlbewertung strukturierter Kreditzertifikate und das dadurch ausgelöste Misstrauen unter den Banken - keine scheint zu wissen, wo die Risiken wirklich liegen - ausgelöst wurde, führte im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahr zum größten Verlust in der 196-jährigen Geschichte des Unternehmens, zur Kürzung der Dividende und macht eine Kapitalerhöhung sowie den Abbau von Stellen notwendig.

Die Musik hat gestoppt

Bis zuletzt hatte das Management unter der damaligen Führung von Charles Prince vor seinem Rücktritt im November des vergangenen Jahres die dramatische Entwicklung am Immobilienmarkt einfach ignoriert. „Die Musik ist noch nicht zu Ende,“ hatte er noch kurz zuvor behauptet. Kritiker warfen ihm vor, mehr Zeit auf dem Golfplatz verbracht als zur Führung der Bank verwendet zu haben.

Das Resultat lässt sich nun sehen: Mit einem Verlust von 9,83 Milliarden Dollar oder 1,99 Dollar je Aktie alleine im vierten Quartal des vergangenen Jahres erzielte die Bank den größten Quartalsverlust in der Geschichte des Unternehmens. Der Jahresgewinn je Aktie liegt gerade noch bei 92 Cents, nachdem er im Jahr 2006 noch 4,22 Dollar betragen hatte. Gleichzeitig muss das Unternehmen die Dividende im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 40,7 Prozent auf 32 Cents je Aktie senken, den Abbau von 4.200 Stellen ankündigen und die Aufnahme von Kapital von externen Anlegern in Höhe von weiteren 14,5 Milliarden Dollar bekannt geben. Schon im November des vergangenen Jahres war eine Kapitalspritze in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar von Anlegern aus Abu Dhabi nötig gewesen, um die Eigenkapitalbasis der Bank zu stärken.

Der Grund für den riesigen Quartalsverlust ist in den großen Abschreibungen zu finden, die die Bank mit Blick auf Hypothekarpapiere mit deutlich gefallenem Wert tätigen musste und muss. Alleine im vierten Quartal belaufen sich diese Abschreibungen auf 18 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was die Bank noch im Dezember erwartet hatte. Daneben stellte die Bank im vierten Quartal weitere 4,1 Milliarden Dollar zurück, die dazu dienen sollen, künftige Verluste im Kreditgeschäft zu decken. Damit entspricht die Summe der Abschreibungen bisher zwar nicht ganz den starken Befürchtungen des Marktes. Allerdings ist die Kreditkrise noch lange nicht ausgestanden. Kritische Anleger rechnen mit weiteren schlechten Nachrichten in den kommenden Monaten. Aus diesem Grund dürfte die Aktie anfängliche Kursgewinne rasch wieder aufgegeben haben.

Aktie nur optisch vernünftig bewertet. Aber nur, wenn optimistische Gewinnschätzungen zutreffen

Auf dieser Basis dürfte man die Aktie des Unternehmens vorerst kritisch betrachten müssen, auch wenn strategische Anleger einsteigen und wenn mutige Spekulanten zum Kauf der Papiere raten mögen. Immerhin erklärte Unternehmenschef Vikram Pandit, die Bank arbeite an der Verbesserung der Risikomodelle und an einer strikteren Kontrolle der Kostenentwicklung. Solche Äußerungen sprechen für sich und dafür, dass in diesen Bereichen in der Vergangenheit einiges im Argen lag.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 7,8 und 7,45 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr scheint die Citi-Aktie optisch zwar sehr günstig zu sein. Allerdings gehen die Analysten offensichtlich davon aus, dass die Bank wieder zur Profitabilität der vergangenen Jahre wird zurückkehren können. Daran gibt es jedoch starke Zweifel. Denn erstens sind sich Bobachter darin einig, dass die Immobilienkrise noch länger andauern und das damit verbundene Geschäft bremsen wird. Dabei hatten die Banken in den vergangenen Jahren überproportional vom Immobilienboom profitiert. Zweitens müssen die Banken künftig aufgrund der schlechten Erfahrungen mit den SIVs mehr Risiken mit Eigenkapital unterlegen. Das jedoch senkt die Profitabilität.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.263,74 +2,22
TecDax 779,09 +2,35
DowJones 11.393,98 +1,54
Nasdaq 2.241,50 -0,64
STOXX 50 3.284,12 +3,09
Nikkei 225 12.624,46 +3,38
S&P 500 Zert. 12,75 +3,83
Euro/Dollar 1,41 -2,03
Bund Future 114,78 -0,43
Gold 798,75 -0,50
Öl 104,80 +0,60
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