Von Hanno Mußler
25. April 2008 Die Aktionäre der Dax-Unternehmen können sich über so hohe Dividenden freuen wie noch nie. In diesen Tagen schütten die 30 derzeit im wichtigsten deutschen Aktienindex enthaltenen Gesellschaften insgesamt 27,2 Milliarden Euro aus. Das ist, wenn man die Sonderausschüttung des inzwischen aus dem Dax ausgeschiedenen Pharma-Unternehmens Altana im Vorjahr herausrechnet und stattdessen die Dividende des in den Dax aufgerückten Pharmakonzerns Merck KGaA berücksichtigt, ein Zuwachs von 15,8 Prozent. Noch stärker allerdings waren im Jahr 2007 die Gewinne der Dax-Unternehmen gestiegen, um 18 Prozent auf insgesamt 73 Milliarden Euro.
Die Rekorddividendenzahlungen folgen also nicht ganz den Rekordgewinnen, die viele Dax-Unternehmen im Jahr 2007 erzielt haben. Ohnehin beteiligen die Unternehmen ihre Aktionäre unterschiedlich stark am Gewinn. Der Automobilhersteller Volkswagen schüttet nur 16 Prozent seines Konzerngewinns nach Steuern aus. Die Deutsche Telekom dagegen geht an ihre Substanz und zahlt sogar eine Dividendensumme, die den Konzerngewinn übersteigt. Die Telekom überweist nach der Hauptversammlung am 15. Mai mit 3,4 Milliarden Euro ihren Aktionären in der Summe den höchsten Betrag aller Dax-Unternehmen, gefolgt vom Energiekonzern Eon, der in der kommenden Woche 2,3 Milliarden Euro ausschütten wird. Der Halbleiterhersteller Infineon ist der einzige Dax-Wert, der keine Dividende zahlt. Die Aktionäre des Versorgers RWE und des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate müssen eine gekürzte Dividende hinnehmen. Alle anderen 27 Dax-Unternehmen zahlen mehr.
Deutsche Bank vor erstem Quartalsverlust seit 2003?
Ob ähnlich viele Unternehmen im kommenden Jahr die Dividenden erhöhen werden, hängt wesentlich von den in diesem Jahr möglichen Gewinnsteigerungen ab. Viel spricht dafür, dass gerade die im Dax besonders zahlreich vertretenen Banken wegen der Finanzkrise für das kommende Jahr ihre Dividenden werden kürzen müssen. Die Deutsche Bank zum Beispiel wird in der kommenden Woche vermutlich den ersten Quartalsverlust seit dem Jahr 2003 bekanntgeben. Für 2007 hat die Deutsche Bank zwar die Dividende noch einmal von 4 auf 4,50 Euro je Aktie erhöht. Die Steigerung liegt mit 12,5 Prozent indessen unter dem Durchschnitt der Dax-Unternehmen und lässt schon eine gewisse Skepsis an die künftig Gewinnentwicklung durchscheinen. Viele Analysten der Deutschen Bank vermuten, dass der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann wegen der Finanzkrise am Dienstag das Gewinnziel für das Jahr 2008 von bislang 8,4 Milliarden Euro für unrealistisch erklären muss.
Industrieunternehmen ungebrochen optimistisch
Dagegen sind viele Industrieunternehmen ungebrochen optimistisch für das Jahr 2008. Dies zeigt sich auch daran, dass im Industriesektor die Dividende am stärksten angehoben wurde. Am deutlichsten erhöhte zwar die Lufthansa ihre Dividende mit einem Plus von 80 Prozent, auf den Plätzen folgen aber dann die Automobil- und Nutzfahrzeughersteller BMW und MAN, die eine um mehr als 50 Prozent erhöhte Dividende zahlen. Trotz Belastungen wie dem hohen Euro-Kurs und den hohen Rohstoffpreisen zum Beispiel für Öl scheinen viele deutsche Unternehmen dank ihrer starken Wettbewerbsposition und ihrer hohen Auftragspolster in der Lage, den Druck auf die Gewinnmargen auszuhalten und die höheren Einkaufspreise zum großen Teil auf die Abnehmer überwälzen zu können. Aktienanalysten erwarten denn auch trotz des scharfen Konjunktureinbruchs in Amerika für 2008 einen Anstieg der Gewinne der Dax-Unternehmen von im Schnitt 6 Prozent und für 2009 von mehr als 10 Prozent. Allerdings sehen viele Beobachter gerade für das Jahr 2009, wenn die jetzt in den Büchern stehende Aufträge von den Unternehmen abgearbeitet sein werden, große Risiken auch für die deutsche Konjunktur. Diese Sorgen wiederum spiegeln sich in dem in dieser Woche deutlich gefallenen Ifo-Geschäftsklimaindex.
Anleger setzen auf Gewinnwachstum
Die Anleger auf den Aktienmärkten scheinen derzeit eher darauf zu setzen, dass die deutschen Industrieunternehmen auch über das Jahr 2008 hinaus weiter ihre Gewinne werden steigern können. So ist der Dax zwar seit Jahresbeginn um 14 Prozent gefallen; seit dem Fall auf das Jahrestief Mitte März von 6167 Punkten hat der Dax aber schon wieder 12 Prozent gutgemacht und ist in dieser Woche auf mehr als 6900 Punkte gestiegen. Zu der Kauflaune hat wohl auch die Aussicht auf die hohen Dividendenzahlungen beigetragen. Im Durchschnitt liegt die Dividendenrendite im Dax auf 2,8 Prozent und damit 20 Prozent höher als das langfristige Mittel. Wer jetzt eine Telekom-Aktie oder eine Lufthansa-Aktie kauft und die Dividende einstreicht, erzielt bezogen auf den gegenwärtigen Kurs eine Dividendenrendite vor Steuern von rund 7 Prozent. Dies ist deutlich mehr als der Jahresertrag von 4,2 Prozent, den Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit derzeit abwerfen. Hinzu kommen in vielen Jahren Kursgewinne. Langfristig machten Dividenden im Durchschnitt ein Drittel, Kursgewinne zwei Drittel der Aktienrendite mit Dax-Gesellschaften aus.
27 von 30 Dax-Unternehmen zahlen in diesen Tagen mehr Dividende als vor einem Jahr. Ob allerdings im kommenden Jahr eine ähnliche Steigerung möglich ist, erscheint fraglich. Gerade die Banken werden vermutlich ihre Dividenden kürzen müssen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,63 | -6,49 |
| TecDax | 553,00 | -5,63 |
| DowJones | 8.577,91 | -7,87 |
| Nasdaq | 1.628,33 | -8,47 |
| STOXX 50 | 2.578,06 | -6,48 |
| Nikkei 225 | 9.547,47 | +1,06 |
| S&P 500 Zert. | 9,83 | -2,58 |
| Euro/Dollar | 1,34 | -1,04 |
| Bund Future | 114,06 | +0,13 |
| Gold | 847,15 | +0,61 |
| Öl | 70,31 | -8,34 |