17. April 2008 Bei Weizen könnte mit Blick auf die Versorgung des Weltmarktes in der Saison 2008/09 (Juli/Juni) Entwarnung gegeben werden. Das Wetter könnte jedoch einen dicken Strich durch die gängigen Prognosen machen. Das weithin erwartete deutlich höhere Angebot, das im Gegensatz zu den jüngst ausgebrochenen Verknappungsängsten steht, drückt sich denn auch schon in den Preisen aus. Sie sind an den als repräsentativ geltenden amerikanischen Märkten seit Ende Februar stark gesunken.
Besonders fällt auf, dass sich die Notierungen für den in Minneapolis gehandelten hocheiweißhaltigen Mühlenweizen in der Spitze halbiert haben. Anfang April hat durchweg eine Stabilisierung begonnen, die aber nach Ansicht vieler Experten nicht von langer Dauer sein dürfte. In der zweiten Aprilhälfte beginnt die Ernte des amerikanischen Winterweizens, und damit wird das Angebot Schritt für Schritt auch auf dem Weltmarkt zunehmen. Fachleute erklären, bei Weizen hätten die Marktmechanismen, zu denen die Beteiligung der Spekulation zählt, offenkundig funktioniert. Der alte Händlerspruch "Die beste Kur für hohe Preise sind hohe Preise" bestätige sich wieder einmal.
Vage Voraussagen für die Weizenproduktion 2008/09 stammen vom Internationalen Getreiderat (IGC). Er erwartet, dass der Ertrag gegenüber der laufenden Saison um 42 Millionen auf den Rekord von 646 Millionen Tonnen steigt. Vorausgesetzt, dass der Verbrauch 2008/09 wieder den 2005/06 verzeichneten Höchststand von 624 Millionen Tonnen erreicht, würde ein Überschuss von 22 Millionen Tonnen entstehen. Ein Wiederaufbau des stark geschwundenen Weltvorrats in diesem Umfang könnte nach einhelliger Meinung zwar noch nicht als Rückkehr zur Normalität gewertet werden, doch würde dies die Angebotslage auf Sicht von mindestens zwölf Monaten spürbar entspannen. Auch von privater Seite liegen Prognosen vor. So schätzt Goldmann Sachs, dass die Weltproduktion gegenüber 2007/08 von 605 Millionen auf 651 Millionen Tonnen steigt. Der Verbrauch dürfte von 621 Millionen auf 626 Millionen Tonnen zunehmen. Daraus schließt die Bank, dass der Weltbestand an Weizen im Laufe der kommenden Saison von 108 Millionen auf 134 Millionen Tonnen wächst.
Der große Vorbehalt, der über solchen Vorhersagen schwebt, ergibt sich aus den ungewissen Wuchsbedingungen für neuen Weizen. Wie das Beispiel Australien aus den vergangenen Jahren zeigt, vermag Dürre den theoretisch erzielbaren Ertrag ohne weiteres um 50 Prozent und mehr zu drücken. Normalerweise können dort jährlich rund 25 Millionen Tonnen erzeugt werden. Dürre hat das Ergebnis 2007/08 auf rund 13 Millionen Tonnen schrumpfen lassen, nachdem 2006/07 bereits ein Schwund auf 10,6 Millionen Tonnen eingetreten war. Ein weiterer Vorbehalt ergibt sich aus der Knappheit an Reis sowie dem vorgezeichneten starken Angebotsrückgang bei Futtergetreide und hier vor allem bei Mais. Der Mangel an Reis wird zu einem großen Teil durch einen Mehrverbrauch von Weizen ausgeglichen. Bei Futtergetreide wird Futterweizen herangezogen, um das Angebot zu erhöhen. 2007/08 dürften hierfür gut 15 Prozent der Weizenproduktion dienen. gap .
Text: F.A.Z.
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