Costa Smeralda

Die Schönen und Reichen flanieren jetzt auf Sardinien

Von Tobias Piller

Mittelmeer-Destination für Millionäre

Mittelmeer-Destination für Millionäre

17. August 2008 Wer die Mittelmeer-Destination für Millionäre ansteuert, reist nicht unbedingt mit Campern und gewöhnlichem Volk auf der Fähre an. Am sardischen Flughafen Olbia landen während der Saison sogar mehr Privatflugzeuge als Linienmaschinen. Dabei sind die 7200 Maschinen, die im Juli und August auf dem privaten Teil des Flughafens eintreffen, nicht nur kleine Business-Jets oder Propellermaschinen. Francesco Cossu, verantwortlich für die Privatfliegerei in Olbia, ist daran gewöhnt, täglich auch für große Boeings, sogar Jumbos den roten Teppich ausrollen zu lassen.

Oder beim Abflug noch schnell Extrawünsche zu erfüllen wie den nach 300 Kilogramm Eiscreme zum Mitnehmen: Denn die Stargäste in Sardinien, vom russischen Milliardär Roman Abramowitsch über Fußballspieler wie Michael Ballack bis zum amerikanischen Schauspieler Tom Cruise wollen neben Diskretion auch besonderen Service.

Anreise kostet schon viel

So schön kann Sardinien sein

So schön kann Sardinien sein

Dass der Anflug allein von London zwischen 15.000 und 50.000 Euro kostet, stört dann relativ wenig. Zudem nimmt dieser Betrag im Urlaubsbudget des Geldadels nur einen kleineren Teil ein. Schließlich sind jeden Tag ähnliche Summen für ein paar Suiten im Hotel fällig. Bis zu 30.000 Euro beträgt etwa der Übernachtungspreis im Spitzenappartement des Hotel "Cala di Volpe", einschließlich drei Schlafzimmern, drei Badezimmern mit Whirlpool, eigenem Fitnessraum und privater Terrasse mit Swimmingpool.

Von dort lässt sich aus dem kühlen Pool oder während der abendlichen Privatparty der Rundblick über eine Bucht mit türkisfarbenem Wasser und verkarsteten sardischen Hügeln genießen - oder der Blick in die Nachbarschaft, wo gerade der Milliardär Abramowitsch für einen mehrstelligen Millionenbetrag eine Villa gekauft hat.

Geschmackvoll, ohne Plüsch

Die Suiten selbst sind geschmackvoll ausgestattet, aber ohne schwelgerischen Plüsch. Statt luxuriösen Teppichbodens werden nur Marmor oder schlichter gebrannter Ziegelstein geboten. Es sind schließlich keine Schlösser, die die Inspiration zu den Hotels an der Costa Smeralda liefern, sondern schlichte sardische Bauernhäuser.

Der Luxus drückt sich an der Costa Smeralda nicht im Plüsch aus. Geboten wird stattdessen viel Platz mitten in einer Bilderbuchlandschaft, wo das Auge nicht an klotzigen Umweltsünden und schnöden Massenhotels hängenbleibt. Höchstens an Insignien des Luxus wie Motorbooten und Yachten. Verglichen mit allen anderen Reisezielen Italiens bieten die stets selbstbewussten, aber auch zuvorkommenden Sarden einen einzigartigen Service.

Der Luxus ist, dabei zu sein

Schließlich besteht der größte Luxus darin, dabei zu sein, wenn sich Stars und Geldelite ein Stelldichein geben: im exklusiven Costa Smeralda Yacht Club von Porto Cervo mit seinen Segelregatten, beim Poloturnier oder einfach nur beim Galadinner.

„Exklusivität und Atmosphäre”

„Exklusivität und Atmosphäre”

Stargäste, Bilderbuchaussicht und das Prestige eines Namens, wie es Porto Cervo genießt, hatten die Italiener in anderen Badeorten als Einladung betrachtet, alle Möglichkeiten rigoros auszuschlachten; mit vielen Appartements, immer größeren Hotels und Einkaufszentren. Einzigartig wird die Costa Smeralda dadurch, dass sie über Jahrzehnte ein Luxusreservat geblieben ist, während anderswo der Massentourismus entstand. Wenn die Hälfte der 70 Hotels und drei Viertel der 7400 Hotelbetten zu den oberen Kategorien mit vier und fünf Sternen gehören, dann auch, weil an der Costa Smeralda anderes nicht zugelassen wurde. Die Küste war noch in den fünfziger Jahren menschenleer, weil die Sarden als Hirten und Bauern im Binnenland Sardiniens lebten.

Schutzpatron Aga Khan

Ihr Glücksfall war es, mit dem Aga Khan, dem reichen Fürsten und Oberhaupt der Religionsgemeinschaft der Ismailiten, einen Partner zu finden, der eine touristische Entwicklung aus einem Guss plante und zugleich die Schönheit der Landschaft erhalten wollte.

Was den Nachbarn nicht gefällt, das darf nicht einfach so gebaut werden

Was den Nachbarn nicht gefällt, das darf nicht einfach so gebaut werden

Der Aga Khan erwarb rund 30 Quadratkilometer Land mit 55 Kilometer Küste und erfand die "Costa Smeralda" als geschützten Markennamen. Seine vier Luxushotels "Cala di Volpe", "Pitrizza", "Romazzina" und "Cervo" wurden von namhaften Architekten in die Landschaft eingepasst, ebenso wie die niedrig gehaltenen Villen und Appartementhäuser.

Organisiert wie eine große Hausgemeinschaft

Eine eigene Fluglinie des Aga Khan namens "Meridiana" verband das neue Reiseziel mit dem Rest der Welt. Für Werbung sorgte der Aga Khan anfangs selbst, indem er Freunde aus dem Jetset zu sich einlud: von den Beatles bis zu Mitgliedern der englischen Königsfamilie oder Gunter Sachs.

„Woanders hat man versucht, auf die Schnelle die Costa Smeralda zu kopieren - aber das geht nicht so einfach”

„Woanders hat man versucht, auf die Schnelle die Costa Smeralda zu kopieren - aber das geht nicht so einfach”

Obwohl die Hotels und Grundstücke des Aga Khan inzwischen zweimal verkauft wurden, zunächst an die Hotelkette Starwood, nun an den amerikanischen Investor Tom Barrack, traut sich niemand, die Küste zu kommerzialisieren. "Wir haben von unseren Vorfahren eine Kultur der Seriosität geerbt", sagt Bürgermeister Stefano Filigheddu aus Arzachena, zu dessen Gebiet die gesamte Küste gehört. Nun hat zudem die Regionalregierung überall in Sardinien neue Bauten nahe am Meer verboten. Schutz vor kurzfristiger Bauwut bietet vor allem eine weitere Hinterlassenschaft des Aga Khan: Die gesamte Küste mit 3850 Immobilienbesitzern ist organisiert wie eine riesige Hausgemeinschaft im "Consorzio Costa Smeralda". Das hat die Straßen gebaut, hält den Rasen grün, unterhält eine eigene Feuerwehr mit Hubschrauber zur Bekämpfung von Buschbränden. Vor allem aber darf deswegen nicht wie sonst in Italien einfach gebaut werden, was dem Nachbarn nicht gefällt.

Langfristige Perspektive

"Wir erhalten den einzigartigen Charakter der Küste, weil Neubauten, aber auch jede Antenne und jeder Anbau von einer Architekturkommission genehmigt werden müssen", sagt Renzo Persico, der Präsident des Konsortiums. "Wir sehen das Projekt der Costa Smeralda in einer langfristigen Perspektive und erhalten damit Exklusivität und Atmosphäre. Woanders hat man versucht, auf die Schnelle die Costa Smeralda zu kopieren - aber das geht nicht so einfach."

Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z., Tobias Piller

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