Im Porträt: Ben Bernanke

Der Hoffnungsträger

Von Claus Tigges, Washington

22. Januar 2008 Auf Ben Bernanke ruhen die Hoffnungen vieler Börsianer rund um die Welt: Die Angst vor einer Rezession in Amerika hat sie gepackt, die Aktienkurse taumeln. Zusätzliches Geld zum billigen Zins von der amerikanischen Notenbank, der Federal Reserve (Fed), könnte nach Ansicht der verunsicherten Marktteilnehmer die Nerven der Anleger beruhigen und dazu beitragen, einen scharfen Knick in der Konjunktur zu verhindern.

Diesen Wunsch hat der geldpolitische Rat unter Führung Bernankes am Dienstag erfüllt und den Leitzins abermals gesenkt. Eine Woche vor ihrer planmäßigen Sitzung haben die Währungshüter auf die Zuspitzung an den Börsen geantwortet.

Die erste ernste Herausforderung

Fast zwei Jahre nachdem er das Amt des Vorsitzenden der mächtigsten Zentralbank der Welt von Alan Greenspan übernommen hat, muss der 54 Jahre alte Ökonom seine erste ernste geldpolitische Herausforderung meistern. Die amerikanische Wirtschaft steht zum ersten Mal seit sieben Jahren am Rande einer Rezession, vielleicht ist sie schon hineingeglitten.

Bernanke hat auf die sich eintrübenden Wachstumsaussichten entschlossen reagiert und seit dem Spätsommer den Leitzins deutlich verringert. Auf der anderen Seite weiß der Währungshüter, dass er die Preisstabilität nicht aus den Augen verlieren darf. Die aktuellen Schwierigkeiten sind eine Hinterlassenschaft Greenspans, der die Geldpolitik nach dem Platzen der „High-Tech-Blase“ an den Börsen zu lange zu locker gelassen und so zu den Übertreibungen auf dem Immobilienmarkt beigetragen hat.

Befürworter einer regelgebundenen Geldpolitik

Es kommt Bernanke zugute, dass er wie wenige andere über die Wirkungszusammenhänge der Geldpolitik Bescheid weiß. Viele Jahre lehrte und forschte er an der Universität Princeton und erwarb sich mit seinen Arbeiten zur monetären Theorie hohes Ansehen. Bernanke zählt im Gegensatz zu seinen Vorgänger Greenspan zu den Befürwortern einer regelgebundenen Geldpolitik, die ein festes Gerüst besitzt und die Wahrung der Preisstabilität zum Ziel hat.

Es ist dem in Augusta im Bundesstaat Georgia geborenen Wirtschaftswissenschaftler zwar noch nicht gelungen, der Notenbank das geldpolitische Konzept eines direkten Inflationsziels zu verordnen. Gleichwohl prägt Bernanke die amerikanische Geldpolitik bereits in hohem Maße. Die Notenbank hat auf sein Drängen verschiedene Schritte zu einer besseren Öffentlichkeitsarbeit unternommen in der Absicht, ihre Transparenz und Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Das stärkt ihren Ruf als verlässliche Hüterin der Geldwertstabilität.

In seinen jüngsten Auftritten, zuletzt vergangene Woche vor dem Kongress, hat Bernanke einen ebenso ernsten wie besonnenen Eindruck hinterlassen. Und er hat politisches Gespür bewiesen, indem er ein Finanzpaket zur Ankurbelung der Konjunktur zwar grundsätzlich als hilfreich bezeichnete, sich auf Einzelheiten aber nicht festlegte. „Die Entscheidung habe ich nicht zu treffen“, sagte er und vermied es, im Wahljahr vor den einen oder anderen politischen Karren in Washington gespannt zu werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, REUTERS

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.386,31 -0,84
TecDax 720,97 -0,08
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.326,09 -0,85
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
S&P 500 Zert. 12,50 -2,34
Euro/Dollar 1,57 +0,03
Bund Future 110,77 -0,15
Gold 925,10 -0,28
Öl 124,98 -1,22
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