Konsumgüter

Procter & Gamble hat eine Gelegenheit verpaßt

Tempo gehört zum Portfolio von Procter & Gamble

Tempo gehört zum Portfolio von Procter & Gamble

23. Oktober 2003 Es dürfte schwer sein, ein Unternehmen zu finden, das so gut in die Strategie des amerikanischen Konsumgüterkonzerns passen würde wie Beiersdorf. Chief Executive Officer Alan G. Lafley hat seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren daran gearbeitet, das Unternehmen auf starke Marken zu konzentrieren - zuvor hatte sich P&G mit mißglückten Innovationen verzettelt.

Darüber hinaus ist die Sparte Schönheitspflege einer der erklärten Wachstumsbereiche für P&G. Das Unternehmen will hier den Rückstand gegenüber dem Wettbewerber L'Oréal verkürzen. Beiersdorf und vor allem seine Marke Nivea hätten also eine ideale Ergänzung der Produktpalette von P&G dargestellt. Das Unternehmen will aber die Vereinbarung zwischen der Allianz und Tchibo nicht kommentieren. Eine Sprecherin sagte lediglich, Akquisitionen seien Teil der Unternehmensstrategie, der Schwerpunkt liege aber in der Weiterentwicklung der bestehenden Marken.

Breit aufgestellt

Im Moment ist P&G ein sehr breit aufgestellter Konzern: Neben der Kosmetik, deren Anteil am Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2002/2003 (30. Juni) bei 28 Prozent lag, gehören Haushaltsartikel (29 Prozent), Gesundheitsprodukte (13 Prozent), Babypflege (23 Prozent) und Lebensmittel (7 Prozent) dazu. Die Schönheitspflege gehört zu den wachstumsstärksten Segmenten und ist mit einem Anteil von 38 Prozent am Vorsteuergewinn überdurchschnittlich profitabel.

Die Ambitionen im Kosmetikgeschäft werden dadurch deutlich, daß die beiden letzten großen Akquisitionen des Unternehmens in diesem Bereich stattgefunden haben: Kürzlich wurde der Darmstädter Haarpflegekonzern Wella für mehr als 6,5 Milliarden Euro inklusive der Übernahme von Schulden erworben. Im Jahr 2001 hat P&G den Haarpflege-Spezialisten Clairol für 5 Milliarden Dollar gekauft.

Sinkende Umsätze in der Lebensmittelsparte

In den vergangenen Monaten gab es Gerüchte, wonach P&G die beiden Marken Pringles (Kartoffelchips) und Folgers (Kaffee) verkaufen könnte, um die Expansion der wachstumsstärkeren Bereiche finanzieren zu können. Das Unternehmen hat dies dementiert. Lafley sagte in einem Interview mit dieser Zeitung im Frühjahr, P&G werde auch künftig ein diversifizierter Konzern bleiben.

Er kündigte allerdings auch an, grundsätzlich nicht in Bereiche investieren zu wollen, die kein Wachstum versprechen, oder diese sogar aufzugeben. Die Lebensmittelsparte, deren wichtigste Produkte Pringles und Folgers sind, wies im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatzminus von 6 Prozent aus. Vor wenigen Monaten wurde bekanntgegeben, daß die beiden Fruchtsaftmarken Sunny Delight und Punica verkauft werden sollen.

Wachsender Gesundheitsmarkt

P&G hat in den vergangenen beiden Jahren mit seinen Quartalsberichten die Erwartungen regelmäßig übertroffen. Am kommenden Montag wird P&G die Zahlen für das abgelaufene Quartal vorlegen. Anfang September hat P&G seine Prognosen für diesen Zeitraum nach oben geschraubt. Diesmal waren für die guten Nachrichten aber nicht in erster Linie die Kosmetik, sondern der Bereich Gesundheitsprodukte verantwortlich. Die P&G-Aktie hat seit dieser Nachricht knapp 8 Prozent an Wert gewonnen und sich besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Im bisherigen Jahresverlauf hat das Papier um 13 Prozent zugelegt.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2003, Nr. 247 / Seite 14 , lid.
Bildmaterial: Weber Shandwick Worldwide

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