
Bush Senior untersagte der Regierung, Gebiete an den Küsten Floridas und Kaliforniens mit mutmaßlichen Ölvorkommen an Ölkonzerne zu vermieten
18. Juni 2008 Der amerikanische Präsident George Bush will die Ölförderung vor den Küsten der Vereinigten Staaten zulassen, um die heimische Produktion zu steigern und die Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern. Bush schloss sich am Mittwoch einem entsprechenden Vorschlag des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain vom Vortag an und forderte den Kongress auf, ein seit 1982 bestehendes Moratorium für das sichere, umweltfreundliche Bohren nach Öl vor der Küste“ aufzuheben.
Der Gouverneur von Florida, Charlie Crist, der bisher die Erschließung der Öl- und Gasvorkommen vor der Küste des Bundesstaates abgelehnt hat, schloss sich ebenfalls McCain und Bush an. Crist wird als möglicher Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten unter einem Präsidenten McCain genannt.
Bush wird womöglich eine Verfügung seines Vaters aufheben
Der Präsident meint, der Kongress solle keine Zeit mehr verlieren“, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses. Bush selbst wird womöglich eine Verfügung aufheben, die sein Vater als Präsident im Jahr 1990 erlassen hat und die der Erschließung der Ölvorkommen vor den Küsten Floridas und Kaliforniens einen zusätzlichen Riegel vorgeschoben hat. Die Verfügung von Bush Senior untersagt es der Regierung, die Gebiete mit den mutmaßlichen Vorkommen an Ölkonzerne zu vermieten. Auch der Bruder des derzeitigen Präsidenten, Jeb Bush, hat während seiner Amtszeit als Gouverneur von Florida das Verbot unterstützt.
Nach Auskunft des republikanischen Kongressmitglieds John Peterson wird nun im Weißen Haus eine Aufhebung der Verfügung ernsthaft erwogen. Sowohl das Moratorium des Kongresses als auch die präsidiale Verfügung stammen aus einer Zeit, in der es häufiger als heutzutage zu Ölkatastrophen kam, weil die Ölkonzerne weniger Erfahrung im Bohren in tiefen Gewässern hatten.
Politischer Druck hat sich erhöht
Durch den rasanten Anstieg des Ölpreises und den rekordhohen Benzinpreis hat sich der politische Druck erhöht, zumindest einen Teil der heimischen Reserven auszubeuten. Es ist allerdings nicht ganz klar, über wie viel Öl die Vereinigten Staaten verfügen. Das Energieministerium schätzt die gesicherten Vorkommen auf rund 21 Milliarden Barrel (159 Liter). Rund ein Fünftel davon ist vom geltenden Verbot betroffen.
Amerika deckt mehr als die Hälfte seines Ölbedarfs über den Import. Führende Lieferanten sind Kanada, Saudi Arabien, Mexiko, Nigeria und Venezuela. Im Gegensatz zu McCain plädiert Bush seit langem für eine Erschließung weiterer Ölvorkommen unterhalb eines Naturschutzgebiets in Alaska. McCain lehnt dies aus Umweltschutzgründen ab, ebenso wie sein demokratischer Widersacher Barack Obama. Obama will auch das Moratorium für das Bohren vor den Küsten nicht aufheben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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