Internet

Fast alle Online-Händler erzielen Gewinn

27. Oktober 2003 Der elektronische Handel im Internet hat sich zu einem lohnenden Geschäft entwickelt. 87 Prozent der Internet-Shops der großen europäischen Händler haben inzwischen die Gewinnzone erreicht. In den kommenden zwölf Monaten werden alle Shops Gewinne schreiben, hat das Marktforschungsunternehmen Forrester Research herausgefunden.

"Händler wie Karstadt oder Tesco steigern ihre Internet-Umsätze Jahr für Jahr um mehr als 25 Prozent. Sie profitieren von der steigenden Zahl der Online-Einkäufer und dem Trend, daß auch komplexe Produkte im Netz gekauft werden", sagt Forrester-Analystin Hellen Umwando. Kauften im Jahr 2000 nur 19 Prozent der Internet-Nutzer in Europa per Mausklick ein, sind es heute schon 40 Prozent.

Günstiger Vertriebsweg

Der Wettbewerb um die Kunden im Internet ist für die Händler wichtig, denn in keinem anderen Vertriebsweg lassen sich Produkte so günstig verkaufen wie im Web. "In diesem Wettbewerb müssen sich die Händler von der Konkurrenz absetzen und das Kaufverhalten ihrer Kunden analysieren. Allerdings reicht es heute nicht mehr, einer Kundin ein Jahr nach dem Kauf eines Buches über die Schwangerschaft ein Buch über Kindererziehung anzubieten", sagt Umwando.

Als gutes Beispiel führt die Analystin das französische Online-Kaufhaus Laredoute.fr an, das bei jedem Kauf ein Fenster zum Senden einer E-Mail öffnet. Darin kann der Kunde Fragen zum Produkt stellen oder sich weitere Informationen zusenden lassen. Händler, die über mehrere Vertriebskanäle verfügen, können ihren Kunden anbieten, das Produkt auch im Geschäft oder per Telefon zu kaufen.

Deutscher Marktführer Otto

Die Forrester-Forscher haben 51 große europäische Shopping-Auftritte auf ihre Kundenausrichtung hin untersucht. "Vor vier Jahren haben amerikanische Anbieter den Markt beherrscht. Heute spielen die Europäer in derselben Liga mit", folgert Forrester-Analyst Jaap Favier. Bestnoten hat sich in seinen Augen das britische Unternehmen Argos verdient, vor allem wegen der guten Verknüpfung verschiedener Vertriebswege.

Gute Noten hat neben Laredoute.fr auch die französische Eisenbahn SNCF erhalten, die allerdings mit dem amerikanischen Reisebüro Expedia zusammenarbeitet. Unter den Besten in Europa befindet sich mit Otto nur ein Anbieter in Deutschland. Anbieter wie Tchibo, Quelle oder die Lufthansa kommen in Sachen Kundenorientierung schlecht weg.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2003, Nr. 249 / Seite 21 , ht.
Bildmaterial: F.A.Z.

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