Von Herta Paulus
23. Februar 2007 Schanghai - München - Schanghai. Die Entscheidung, zwei Jahre in Shanghai zu arbeiten, um dort für seinen Arbeitgeber, einen hessischen Automobilzulieferer, eine Niederlassung mit aufzubauen, war Klaus Staube (Name von der Redaktion geändert) nicht leicht gefallen. Dreimal jährlich - Oktoberfest und Sylvester waren Muss-Termine - flog er die Route in den letzten Jahren.
In Gegenrichtung machte sich seine langjährige Partnerin Karin wann immer es ihr Job erlaubte auf den Weg. Denn mitgehen, die eigene Karriere unterbrechen und den gut bezahlten Job bei einem großen Stromkonzern gegen die Zuständigkeit für Heim und Herd in einer internationalen Expatriate-Enklave eintauschen, stand für die Juristin nicht zur Debatte.
Meist bleibt nur die Hausfrauenrolle
Das Dilemma stellt sich mittlerweile für viele Paare. Mit zunehmender Qualifikation schwindet die Bereitschaft der (meist weiblichen) Partner, ihre eigenen Karrierewünsche zugunsten des anderen zurückzustellen. Bereits 40 Prozent der jüngeren Paare verfolgen eine Doppelkarriere, leben als so genannte Dual Career Couples zusammen, ergab eine Untersuchung des Sozialwissenschaftlers Jürgen Schulte von der Universität Dortmund. Doch die Möglichkeiten für eine Auslandskarriere im Doppelpack sind begrenzt.
Dem mitausreisenden Partner - bei über 90 Prozent aller Entsendungen ist dieser weiblichen Geschlechts - bleibt meist nur die klassische Rolle als Hausfrau oder -mann, Repräsentationsfunktionen inbegriffen. Das Thema drückt massiv, weil potentielle Kandidaten für Auslandsentsendungen wissen, dass der Partner dort nicht arbeiten kann, verdeutlicht Brigitte Hild, Geschäftsführerin des Online-Beratungsunternehmens Going Global. Klappt es dennoch, ist meist eine gehörige Portion Glück im Spiel, zumal viele Qualifikationen oder Diplome im Ausland nicht anerkannt werden. Das gilt beispielsweise für Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte und Lehrer. Genaue Auskünfte sind hier nur schwer zu bekommen, in manchen Ländern wird auch fallweise äußerst unterschiedlich entschieden, so Hild.
Beschränkte Möglichkeiten für interne Vermittlungen
Doch wie sieht es mit der Unterstützung der entsendenden Unternehmen aus? Eine Anfrage beim Softwareunternehmen SAP lässt Hoffnung aufkommen. Sag niemals nie, heißt hier die Devise. Wenn Paare gemeinsam ins Ausland gehen, wird auf Wunsch geprüft, welche Möglichkeiten wir intern haben. Das ist kein Problem, erklärt Pressesprecherin Alla Ruggaber Mast. Theoretisch könnten dabei auch externe Partner zum Zug kommen. Soviel Optimismus mag Klaus Petry nicht teilen.Es gibt Möglichkeiten, aber beschränkt, lautet das Fazit des beim Chemieunternehmen BASF für den Bereich Transfers verantwortlichen Personalmanagers. Hemmnis Nummer eins, so Petry, sind die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen zur Arbeitsaufnahme. Zudem sind auch bei großen internationalen Unternehmen die Möglichkeiten für interne Vermittlungen beschränkt.
An qualifizierten Kräften mangelt es auch in Shanghai, Sydney oder Spartanburg nicht. Die ausländischen Niederlassungen oder Tochterunternehmen lassen sich bei der Personalauswahl nicht gerne hineinreden, dämpft Joachim Ritter, Leiter des internationalen Personalwesens bei BMW allzu große Illusionen. Einzige standardisierte Job-Starthilfe für mitreisende Partner ist beim Münchner Autobauer daher der so genannte Spousal Career Support, der auch bei vielen anderen großen Unternehmen üblich ist. Die gegen Nachweis gewährte Finanzspritze in Höhe einiger Tausend Euros darf ausschließlich zur beruflichen Weiterbildung und Qualifizierung verwendet werden, Netzwerkpflege inklusive.
Mobilitätsnetzwerke machen Druck
Dass dies allenfalls ein kleiner Schritt zur Lösung des Problems Doppelkarriere sein kann, ist auch den Unternehmen bewusst. Wir kümmern uns sehr intensiv um das Thema, bekräftigt Petry. Ein Baustein dabei ist die Mitgliedschaft im 2004 gegründeten Netzwerk Mobilität, einem Zusammenschluss von 13 Dax-Unternehmen.
Ziel des Netzwerks ist die Vereinfachung internationaler Einsätze durch die Beseitigung von Mobilitätshindernissen in den Bereichen Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, Sozialversicherung, Familienleistungen und Steuer. Eine Fragestellung hier ist auch das Thema Dual Career, so Petri. Parallel zu dieser nationalen Lobbyorganisation sind die Unternehmen auch Mitglied in der internationalen Organisation Permits Foundation, die sich ebenfalls seit Jahren diesen Fragen widmet.
Partnerjob-Plattformen im Internet
Von der Möglichkeit, über eine Mitgliedschaft bei der in Paris angesiedelten internationalen Plattform partnerjob.com gezielt den Zugang zu Firmen übergreifenden Stellenangeboten für (mitreisende) Partner anzubieten, will Petry indes im Augenblick nicht Gebrauch machen. Wir haben zwei Instrumente in der Pipeline, wehrt er eine entsprechende Nachfrage ab. Rund 30 internationale Unternehmen, darunter etwa Ikea, Hewlett Packard und Danone, sind hier Mitglied. Im vergangenen Jahr offerierten diese Unternehmen sowie lokale Arbeitgeber (z.B. Internationale Schulen oder Interims-Services) rund 2000 Jobs, so Partnerjob-Sprecherin Laura Puig.
Internationale Jobbörsen sichten lautet auch der ganz banale Rat von Brigitte Hild für Partner, die trotz aller Hemmnisse den Plan von der gemeinsamen Auslandskarriere nicht aufgeben wollen. Diese Seiten bieten immer auch Beratungsinformationen zum Thema Bewerbungen an. Ein weiterer Tipp der Expertin ist die Beratungswebsite career-in-your-suitcase.com der ehemaligen Shell-Mitarbeiterin Joanna Parfitt, die Frauen vor allem Mut zur Selbständigkeit machen will.
Auf traditionellen Pfaden wandelt hingegen das seit Mitte der Neunziger Jahre eingeführte Shell Expatriate-Netzwerk Globaloutpostservices.com, das weithin als Prototyp für unternehmerische Initiative in Sachen Partnerunterstützung gilt. Eine Jobbörse oder konkrete Hilfsangebote sucht man vergebens. Partnerkarriere wird hier klassisch interpretiert, was heißt: Eine Ehefrau berät und betreut an den jeweiligen Standorten die Partner und Familien von Expatriates. Ehrenamtlich natürlich, erstattet werden nur die Auslagen.
Text: FAZ.NET
Institut für Wirtschaftsforschung Halle: Deutschland bleibt bis 2014 Defizit-![]()
Die Krankenkassen wollen mehr Geld
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