11. Dezember 2007 Zu seinem umstrittenen Aktienverkauf hat der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post AG, Klaus Zumwinkel, lange geschwiegen. Gegenüber der deutschen Konzernbelegschaft nimmt er nun erstmals öffentlich Stellung und gesteht ein, einen Fehler gemacht zu haben. Rund 400.000 Mitarbeiter und Ruheständler der Deutschen Post werden seine Sichtweise in der Mitarbeiterzeitung Premium Post nachlesen können.
Ich verstehe die öffentliche Kritik und weiß jetzt, dass der Zeitpunkt inmitten einer intensiven politischen Diskussion falsch war. Diese Tragweite meiner Entscheidung habe ich nicht bedacht - und das bedauere ich heute sehr, heißt es in dem Manuskript, das dieser Zeitung vorliegt. Zumwinkel hatte unmittelbar nach der Mindestlohnentscheidung der großen Koalition ein großes Aktienpaket aus einem Optionsprogramm verkauft. Zuvor war der Kurs spürbar gestiegen, weil die Börse wegen der neuen politischen Rahmenbedingungen auf verbesserte Geschäftsaussichten der Post wettet.
Nicht intensiv geprüft
Zumwinkel verweist darauf, dass die Optionen aus dem Jahr 2003 nur zu ganz bestimmten Zeiten verkauft werden dürften. Ein solches Zeitfenster habe er genutzt, ohne über die Folgen nachzudenken. Die derzeit vorhandene technische Möglichkeit hat eine Automatik ausgelöst, die ich nicht noch einmal intensiv auf den Prüfstand gestellt habe, erläutert Zumwinkel.
Der Konzern hat das Optionsprogramm inzwischen auf ein neues System (SAR) umgestellt, das ohne Aktienoptionen auskommt. Das SAR berechtige zu einem Barausgleich, wenn der Kurs der Postaktie bestimmte Erfolgsziele erreiche, erläuterte ein Sprecher. Aus früheren Geschäftsjahren seien allerdings noch Optionen verfügbar, die spätestens 2009 verkauft werden müssten.
Bereits unerwartet hohe Marktanteile verloren
Zumwinkel zeigt sich davon überzeugt, dass nach der Mindestlohnvereinbarung auch eine Verlängerung der Mehrwertsteuerbefreiung zugunsten der Post kommen werde. Die Politik habe angekündigt, dass von der Mehrwertsteuer befreit werde, wer flächendeckend Universaldienst leiste. Das gilt demnach für die Deutsche Post. In vielen entscheidenden Punkten bestehe nun Planungssicherheit. Dennoch stimmt Zumwinkel die Postbelegschaft auf einen weiterhin harten Wettbewerb ein. Bei den Geschäftskunden wird es richtig ernst. Da greift die Konkurrenz ein Umsatzvolumen von 5 Milliarden Euro an, heißt es in seiner Weihnachtsbotschaft.
Zu den kommenden Tarifverhandlungen verliert Zumwinkel darin kein Wort, auch nicht über eine mögliche Verlängerung des Beschäftigungspaktes, der die Mitarbeiter vor betriebsbedingten Beendigungskündigungen schützt. Vielmehr macht er deutlich, dass die Post bereits unerwartet hohe Marktanteile verloren hat. Alle Wettbewerber zusammen seien im ersten Halbjahr 2007 auf 14 Prozent des Briefmarktes gekommen. Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber 2005. Wie auch immer das gekommen ist - Dumpinglöhne lassen grüßen es ist schon alarmierend, warnt er.
Text: F.A.Z., 11.12.2007, Nr. 288 / Seite 16
Bildmaterial: dpa
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