Im Gespräch: Schwälbchen-Vorstand Berz-List

„Gewisses Überangebot an Milch“

Von Thorsten Winter

21. April 2008 Während Milchbauern wegen gestiegener Kosten höhere Preise fordern, bieten Handelsketten Milch günstiger an. Dies könnte sich zum Herbst hin aber wieder ändern, wie der Chef der Schwälbchen-Molkerei im Interview meint.

Discounter und Supermärkte bieten Milch seit Wochenbeginn um bis zu 18 Prozent günstiger an als in den Wochen zuvor. Müssen sich die Milchbauern, die Schwälbchen beliefern, angesichts dessen auf sinkende Erzeugerpreise einstellen?

Das ist bei Schwälbchen ähnlich, wir bewegen uns nicht losgelöst vom Markt. Wenn es am Markt nach unten geht, geht es auch bei uns nach unten.

Was heißt das für die Erzeuger genau?

Wir können unseren Erzeugern mitteilen, dass wir im Vergleich zum Markt auf einem relativ guten Weg sind. Je Kilogramm Milch geht es allerdings schon um einen zweistelligen Prozentsatz nach unten.

Das wird die Verbraucher freuen, aber nicht die Bauern. Der Bauernverband klagt, selbst die kräftige Preiserhöhung 2007 habe die Erträge der Landwirte nicht deutlich steigen lassen.

Das stimmt so nicht, da muss man schon die Kirche im Dorf lassen. Die Molkereien haben schon in den vergangenen Monaten große Einkommensvolumina an die Erzeuger weitergereicht. Das hat mehr als nur die Kosten gedeckt, da waren auch Gewinne für die Erzeuger drin. Das ist auch erforderlich gewesen, da die Milchbauern in den Jahren davor von der Substanz gelebt haben.

Nun klagt der hessische Bauernverband allerdings über gestiegene Kosten zu Lasten der Milchbauern.

Die Milcherzeuger bleiben auf ihren höheren Kosten bei Futtermitteln und Energie sitzen. Das ist schlecht, gar keine Frage. Man muss aber an die Adresse der Milcherzeuger auch sagen: Vor einem Jahr wurde den Molkereien relativ wenig Milch angeliefert – seitdem die Molkereien aber gute Preise zahlen, wird tüchtig gemolken. Auch dadurch entsteht ein gewisses Überangebot an Milch auf dem Markt.

Branchenexperten sagen derweil, zum Jahresende hin werde die Nachfrage aus dem Ausland wieder anziehen. Mit der Folge wieder steigender Milchpreise. Stimmen Sie dieser Sicht der Dinge zu?

Ja, diese Meinung teile ich. Wir sehen derzeit eine gewisse Marktschwäche, das ist schon richtig. Ich denke auch, dass der eine oder andere Preis, der zwischen Handel und Molkereien vereinbart wird, nach unten hin übertrieben ist. Aber mit Blick auf den Sommer schätzen wir bei Schwälbchen den Markt nicht so schwach ein.

Was bedeutet das für die Lieferverträge von Schwälbchen mit dem Einzelhandel?

Wir schließen derzeit Verträge ab, die maximal über ein halbes Jahr laufen. Die sonst üblichen Jahreskontrakte machen wir im Moment nicht, weil wir uns nicht für ein Jahr auf das derzeitige Niveau festlegen lassen wollen. Im Oktober geht schon aus saisonalen Gründen die Milchanlieferung zurück – und dann wollen wir die Möglichkeit haben, die Preise nachzuverhandeln.

Das wäre, wenn es dann Spielraum nach oben geben sollte, gut für die Milcherzeuger und auch für die Ertragslage der Schwälbchen-Molkerei.

Keine Frage.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Fricke

 
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