Besser aufgeschlossen als verschlossen

Importbeschränkungen schützen die heimische Wirtschaft. Sagen die Protektionisten. Falsch. In Wahrheit zahlen die Verbraucher mehr Geld für schlechtere Ware.

Lesermeinungen zum Beitrag

21. Januar 2007 14:42
@Wein  
B. Keim (bkeim)

Gerade der Wein ist ein schönes Beispiel. Wer erinnert sich nicht an den Weinskandal. Bis dahin galt die Devise: möglichst viel, möglichst billig. Mit dem Glykol-Skandal brach schlagartig diese Spielart weg. Die Branche orientierte sich neu: Leistung zählt. Wer heute z.B. die österreichische Weinlandschaft anschaut, ist begeistert. Qualitativ hochwertige Erzeugnisse, die ihren Preis wert sind. Der Skandal war geradezu ein Glücksfall, denn er machte Leistung wieder wettbewerbsfähig. Nicht der Preis, sondern das wofür er steht ist entscheidend. Ich kann mehr als mein Konkurrent verlangen, wenn ich mehr zu liefern vermag. Mag der Umsatz auch zurückgehen, die Marge und damit der Gewinn steigen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn ich einen internationalen Markt habe, damit ich mehr Menschen erreichen kann, die diesen höheren Preis zu entrichten bereit sind. Protekionismus zerstört diesen Zugang.

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11. Januar 2007 12:31
Wein  
Christian Braun (christianbraun)

Also in Thailand z.B. kostet der einfachste europäische Landwein über 10 Euro, also mehr als dreimal der wahre Preis wegen saftiger Zölle. Dadurch haben sich aber nicht etwa einheimische Spitzenweinberge entwickeln können, sondern es gibt für den Durchschnittsbürger eben überhaupt keinen Wein, sondern nur hochprozentigen Fusel.

US-amerikanische Weine sind in Europa nach wie vor eine Marktnische und die Befürchtung, sie würden die deutschen, französischen, italienischen oder spanischen Weine massenhaft verdrängen scheint mir doch sehr überzogen. Letztlich entscheiden auch die Konsumenten, was sie bevorzugen und wo sie die bessere Qualität zum angemessenen Preis sehen.

Um auf das Protektionismusthema zurückzukommen: in manchen Branchen ist Deutschland eben nicht im Wettbewerb mit anderen Ländern konkurrenzfähig, und das muss sich nicht nur auf menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern beziehen.

Sowas wie eine Dienstleistungsbranche konnte hier z.B. auch erst entstehen, als Leute im Vergleich mit dem Ausland merkten, dass man dort z.B. im Laden als Kunde nicht um 17:45 angepöbelt wird, was man denn zum Teufel jetzt noch kaufen wolle. Mag VERDI der guten alten Zeit auch nachweinen.

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09. Januar 2007 17:31
Freihandel und Laissez-faire-Politik (2)  
Paul Schächterle (paulimausi)

Die Forderung nach Freihandel entspricht dem Glauben der Neoklassiker, daß der Markt alles von alleine am besten regelt. Dementsprechend fordern sie eine Laissez-faire-Politik: der Staat soll sich ihrer Ansicht nach aus dem Wirtschaftsgeschehen heraushalten.

(Auch die Arbeitslosigkeit existiert im Weltbild der Neoklassiker nur aufgrund von Störungen des Marktgeschehens seitens des Staates und der Gewerkschaften.)

Wer meint, der Staat müsse den Markt nicht regulieren, der kann Zöllen keine sinnvolle Aufgabe zubilligen.

Wer die neoklassischen Annahmen aber nicht teilt und meint, daß es Rahmenbedingungen für das Wirtschaftsgeschehen geben muß, der muß sich überlegen, wie der Staat diese Rahmenbedingungen durchsetzen kann, wenn sich jeder Produzent den Staat aussuchen kann, in dem er produziert, und jeder Kapitaleigner den Staat, in dem er (keine) Steuern zahlt.

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09. Januar 2007 07:40
Na Ja, das klingt ja wie ein Kommentar aus dem Globalisierungshandbuch  
Dennis Kristof (dkristof)

Der Beitrag des Verfasser ist aus Sicht eines Globalisierungsfreundes als absolut korekt einzustuffen.
Es stimmt auch dass Länder die im globalen Wettbewerb stehen auch eine wirtschaftliche höhere Leistungsfähgikeit erzielen.

Viele der Argumente müssen mindestens nochmal hinterfragt werden.
Was hat die Globalisierung den Länder die überwiegend Agrar orientiert sind gebracht? Wohlstand für wenige Menschen und miserable Arbeitsbedingungen für die Masse.

Die Arbeitsteilung ist auch eine Sache für sich. Sind nicht die lockeren Umweltstandards, die es erlaubt haben China eine Vormachtstellung in der Spielzeugindustrie zu erreichen. Was meinen Sie wie die billigen Massenprodukte hergestellt werden? Sicherlich, der europäische Verbraucher zieht diese einem teuereren europäischen Fabrikat vor, aber unterziehen Sie die chinesichen Produkte einer "Umweltsteuer" ähnlich der europäischen Fabrikate und sie werden sehen, wie der Kostenvorteil dahin schmelzt.

Der Aufstieg Chinas zu wirtschaftlicher Macht basierte nicht auf die hohe Kompetenz der chinesichen Bevölkerung, sondern lediglich auf die Tatsache dass ausländische Unternehmen einen Produktionstandort mit sehr niedrigen sozialen und ethischen Standards gefunden haben.

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08. Januar 2007 23:46
Freihandel und Laissez-faire-Politik (1)  
Paul Schächterle (paulimausi)

Die Propagierung des "freien" Welthandels und die Verteufelung des "Protektionismus", also der Regulierung des Welthandels, gehört zum Standard-Repertoire der h.M. in der Volkwirtschaftslehre, der sog. neoklassischen Lehre.

Begründet wird die Vorteilhaftigkeit des Freihandels mit dem Modell des sog. komparativen Kostenvorteils. Danach können insgesamt mehr Waren hergestellt werden, wenn sich zwei Länder jeweils auf die Produktion eines bestimmten Gutes spezialisieren.

Dieser behauptete Vorteil fällt - unabhängig von der Realitätsnähe der mit dem Modell gemachten Annahmen - in sich zusammen, wenn die Produktionsfaktoren in diesen Ländern gar nicht vollständig ausgelastet sind, wenn also Arbeitslosigkeit herrscht.

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08. Januar 2007 21:40
Europäischer Spitzen-Wein  
Jitzak Tanenbaum (tanenbaum)

...landet für O(1 €/l) zum Purzelpreis auf dem Fließband bei Plus & Co. Da ist es nur recht und billig, daß die amerikanerischen Weinhersteller nicht einsehen, von diesem Kuchen nichts abhaben zu dürfen.

Letztlich entscheidet darüber, was um den Globus gekarrt wird nur einer: Der Konsument, der brasilianische Mangos statt Streuobstwiesenäpfel, Billigfusel statt Terroirweine und eine Stereoanlage aus Taiwan kauft.

J. T.

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08. Januar 2007 18:29
So so  
Sebastian Blum (seblu)

Nur ein Punkt aus einer ganzen Reihe: Einige Leser kennen das noch: Eingekochte Äpfle, Birnen und dergleichen mehr. Ich zum Beispiel. Und soll ich Ihnen was sagen, Herr Volkswirt? Ich würde an Ihrer Stelle 1.) darüber nachdenken, ob es nicht sinnvollere Verwendungsmöglichkeiten für Öl gibt, als Früchte und Tiefkühlbrötchen um den ganzen Erdball zu fliegen, 2.) mal ausrechnen, was dieser grenzenlose Handel für Auswirkungen auf die Energiepreise hat und 3.) angesichts des Klimawandels nochmal nachrechen, ob der "freie Handel" nicht doch ein schlechtes Geschäft ist/wird.

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08. Januar 2007 17:24
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft  
Carsten Mim (joejackson)

Der Beitrag klingt so, wie ein Beitrag aus einem Hochglanzheftchen eines ThinkTanks klingen soll.
Wenn man z.B. billige Textilprodukte importiert/kauft, die unter unwürdigen Bedingungen in Sweatshops hergestellt wurden, hat man ökonomisch das Richtige getan. Moralisch aber nicht unbedingt und da es mit der Selbstbeschränkung der Wirtschaft eher mau aussieht und die WTO auch nicht wirklich einschreitet, wären Importbeschränkungen evtl. ein Mittel.

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08. Januar 2007 17:14
Warum schadet Protektionismus?  
Heinz Peter Mathey (petermathey)

Im allgemeinen kann man den Ausführungen folgen--aber--allen Beteiligten geht es besser---dieser Satz ist natürlich nur dann richtig, wenn wirtschaftliche gleichstarke Parteien betroffen sind.
Auch Adam Smith hat dies seinerzeit aus einer Position der wirtschaftlichen Stärke für sein Land behauptet.
Für Preussen seinerzeit traf dies als wirtschaftlich viel schwächeresLand nicht zu.
Nicht umsonst hat Friedrich List Herrn Bismarck davon überzeugen können, dass für Preussen Schutzzölle solange lebensnotwendig sind, bis in etwa ein wirtschaftlicher Gleichstand erreicht ist.
Weiter betrachten Sie bitte z.B.Taiwan und Südkorea, die solange Ihre Wirtschaft durch Schutzzölle oder andere Massnahmen geschützt haben, bis sie ein ähnliches Wirtschaftsniveau wie die USA oder europäische Staaten erreicht hatten.
Also bitte Ihre Aussage den Realitäten anpassen.

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08. Januar 2007 17:01
Hohe Steuern tragen keine Schuld  
Martin Kronbichler (marrtin)

Die hohen Steuern tragen meiner Meinung nach keine Schuld an der hohen Arbeitslosigkeit. Schließlich hat Dänemark deutlich höhere Steuern als wir und dennoch derzeit die niedrigste Arbeitslosenrate seit 30 Jahren - die FAS berichtete "Gesucht: Neue Nordmänner".

Wenn es am Steuersystem krankt, dann eher daran, dass wir zu viele Steuern und Abgaben noch an die Arbeit knüpfen. Und noch stärker daran, dass die Steuergelder nicht sinnvoll eingesetzt werden.

Erst kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht mit dem Inhalt, dass wir uns die vierthöchsten Sozialausgaben der EU leisten (und bei der Wirkung EU-weit auf Platz 21 landen). Hier werden duzende Steuermilliarden verschwendet. Ein Blick nach Skandinavien zeigt, was Länder mit mehr Steuern machen: Sie haben ein weit besseres Bildungssystem (das dann auch mehr Arbeitsplätze bietet, da es personalintensiv ist) und schaffen es so, dass die jungen Leute erst gar nicht in die Arbeitslosigkeit abrutschen. Auch bei uns haben Akademiker nur 4% Arbeitslosenrate...

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08. Januar 2007 16:55
@Christian Nelde  
Martin Kronbichler (marrtin)

Dass die Lohnkosten prinzipiell zu hoch sind, glaube ich auch nicht. Aber natürlich hat der Autor Recht, wenn er die anficht, dass die Ursache der Arbeitslosigkeit im Welthandel liegt.

Zu den Lohnkosten: Die sind auch in Dänemark und Schweden ähnlich hoch wie bei uns, aber diese Länder erzielen auch ohne unsere Lohnzurückhaltung hohe Leistungsbilanzsalden und gleichzeitig niedrige Arbeitslosenraten. Wenn ich den internationalen Vergleich anschaue, dann würde ich sagen, dass die Lohnkosten bei uns im Verhältnis zum Bildungsniveau zu hoch sind. Skandinavien hat ähnliche Lohnkosten, aber signifikant bessere Bildung. Frankreich oder Italien haben ein Bildungsniveau, das mit dem unseren vergleichbar ist, aber eben niedrigere Lohnkosten. Hier würde ich einen Mangel sehen.

Weitere Mängel sehe ich in der Überregulierung, den hohen Lohnnebenkosten (Steuern taugen besser zur Finanzierung der protzigen Sozialausgaben als Kosten auf Arbeit) und der geringen Flexibilität der Arbeitnehmer.

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08. Januar 2007 16:18
PROTEKTIONISMUS  
W. Tellenbach (maxitelli1)

Der Verfasser des Artikels gehört zur Lobby der Mondialisierungs-Befürworter. Er kann mir nicht erklären, warum wir akzeptieren sollen, daß z.B. USA-Wein, bis zum Korken subventioniert und künstlich, unseren sehr guten europäischen Weinen so Konkurenz machen darf, daß ein mittelständisches traditionelles Weingut nach dem anderen schließen muß. Bald werden wir nur diesen Pseudo-Wein trinken dürfen. Die europäischen Weine müssen teurer sein, da die hier anhängigen Produktions- und Personalkosten nicht wegsubventioniert werden. Dies ist nur ein Beispiel für den Mondialisierungswahn, der uns umbringen wird. Es geht nicht um bessere Artikel, es geht um Markteroberung und -beherrschung.

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08. Januar 2007 15:50
Ich bin kein Ökonom  
Christian Nelde (ChrisNelde)

Ich bin zwar kein Ökonom, aber
"Dass es unter dem Strich dennoch nicht genügend Arbeitsplätze gibt, hat ganz andere Gründe. Das hat mit den hohen Lohnkosten, den rigiden Arbeitsgesetzen sowie den hohen Steuern und Abgaben in Deutschland zu tun." erscheint mir irgendwie doch zu einfach. Mal davon abgesehen, dass mit diesen hohen Lohnkosten auch so einiges in Deutschland z.B. auf dem sozialen Sektor geleistet wird...
mfg Christian

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