Karrieresprung

„Frauen, lernt die Spielregeln“

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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19. Oktober 2007 In großer Pose die Chefin markieren, den Rausch von Macht und Einfluss genießen - das hat die wenigsten Frauen angetrieben, die es hierzulande ins Top-Management geschafft haben. Einer Studie der Unternehmensberatung Accenture zufolge bestand ihr Ansporn vielmehr darin, ganz oben eine interessante, sinnvolle Tätigkeit auszuüben. Ein Lob der Sachorientierung.

Auch wenn Macht für Frauen offenbar keinen Wert an sich darstellt: Mit ihren Strukturen müssen sie sich auseinander setzen, um in die Führungsetagen zu gelangen, so die Hamburger Führungskräfte-Trainerin Marion Knaths. Die 39-Jährige arbeitete sich nach dem Studium trotz einer schweren Krankheit rasch zur Leitenden Angestellten in einem großen Hamburger Unternehmen hoch. Vor einigen Jahren machte sie sich als Beraterin und Coach selbständig. Ihre These: Wollen Frauen mitspielen in dem immer noch männlich dominierten Wettbewerb um beruflichen Erfolg, müssen sie die Spielregeln zumindest kennen - und ein wenig Sportsgeist mitbringen. Was das konkret bedeutet, erläutert sie im Gespräch mit FAZ.NET.

Wie lauten die wichtigsten Spielregeln im Karriere-Monopoly?
Erstens: Rangordnung vor Inhalt! Nehmen wir eine abteilungsübergreifende, überwiegend männlich besetzte Arbeitsgruppe, die erstmals tagt: Wer dort versucht, in der ersten Viertelstunde einen konstruktiven Beitrag zu leisten, geht unter. Erst muß die Rangordnung geklärt werden. Ist der Meinungsführer schließlich bestimmt, lautet die zweite Regel: Wortbeiträge immer an ihn! Frauen neigen dazu, für ihre Argumentation Verbündete zu suchen und sprechen dazu in die Runde. Männer hingegen pflegen eine statusorientierte Kommunikation. Wer in männlichen Runden gehört werden will, muß sich an die „Eins“ richten - dann hören auch die anderen zu.

Welche Merkmale spielen bei der Vergabe der Rangposition eine Rolle?
Wichtig für Frauen ist, sich Raum zu nehmen. Das beginnt bei der Begrüßung: Männer begrüßen sich untereinander häufig recht jovial, indem sie sich gegenseitig an die Schulter fassen. Tun sie das auch bei der Kollegin, sollte sie sich nicht wegdrehen, sondern freundlich returnieren. Am Konferenztisch gilt: Nicht zu schmal machen, sondern sich eher lässig im Stuhl platzieren. Beim eigentlichen Rangkampf kann Frau entweder mitspielen oder zunächst beobachten. Wichtig ist dann aber, möglichst rasch einen Wortbeitrag an den erkorenen Meinungsführer zu richten.

Spinnen wir das Beispiel weiter: Frau argumentiert klug, wird aber nicht recht gehört. Kurz darauf verkauft ein Kollege ihre Inhalte als seine eigenen. Was tun?
Ihn freundlich, aber bestimmt unterbrechen, etwa: „Danke, daß Sie meinen Gedanken aufgreifen. Wie ich bereits vorhin ausgeführt habe…“ - und dann weiter ausholen. Das fällt vielen Frauen nicht leicht, doch weibliche Tugenden wie Höflichkeit helfen auf dem Weg nach oben nicht weiter. Ebenso wenig Bescheidenheit: In weiblichen Runden mag es gut ankommen, wenn sich Frau ihre Position nicht raushängen läßt. In Männergruppen aber gilt es, die eigene Leistung heraus zu stellen.

Frauen müssen sich also dem männlichen Kommunikationsstil anpassen, um Erfolg zu haben?
Frauen können die Regeln ändern, wenn sie die „Eins“ geworden sind. Auf dem Weg dorthin gelten aber die geläufigen - derzeit noch männlich dominierten - Spielregeln. Dazu zählt auch die Wirkung von Statussymbolen. Die frischgebackene Chefin mag zwar ihren Kleinwagen praktischer finden als den dicken Dienstwagen. Sie erleichtert sich aber das Leben, wenn sie das ihr zustehende Machtsymbol nutzt.

Und wo bleibt da die Authentizität?
Die Entscheidung liegt letztlich bei ihr. Entscheidend ist, dass sie sich bewusst macht, welche Wirkung ihr Verhalten nach außen erzielt - und ob das für ihr Ziel hilfreich ist. Man gibt nicht gleich seine Persönlichkeit auf, wenn man die Spielregeln der Macht nutzt. Ich werde nicht zu einem unhöflichen Menschen, bloß weil ich in wichtigen Meetings hart auftrete. Je nach Situation kann man unterschiedliche Stile pflegen.

Was bleibt, ist der kleine Unterschied zwischen Mann und Frau. Was tun gegen sexistische Bemerkungen?
Es ist eine gängige Strategie, Frauen auf dieser Ebene anzugreifen, wenn es inhaltlich nichts zu mäkeln gibt. Da wird die hochrangige Kollegin schnell zum „Schätzchen“, das gerade „ihre Tage“ hat und deshalb „zickig“ ist. Solche Bemerkungen muß man durchrauschen lassen.

Manchen Frauen nimmt es dennoch die Lust, nach der offiziellen Veranstaltung noch mit in die Bar zu gehen.
Ein Fehler! Wenn die Runde interessant ist, sollte man das als Teil der Arbeit verstehen. Die Phase mit den schlüpfrigen Witzen geht vorbei. Es gibt keine bessere Möglichkeit, Themen oder Wünsche zu plazieren als bei informellen Anläßen.

„Nicht geliebt zu werden, empfinden Frauen meist als Höchststrafe“, kritisieren Sie in ihrem Buch. Müssen Frauen mit Ambitionen härter werden?
Je höher die Hierarchiestufe, desto einsamer wird es - das gilt für Männer wie Frauen. Letztlich muss man für sich klären: Will ich überhaupt dorthin? Frauen sollten darauf achten, sich nicht vom Wohlgefallen anderer abhängig zu machen. Es kann im Job allenfalls darum gehen, respektiert und geschätzt zu werden. Das „gemocht werden“ verlegt man besser auf den Feierabend.

Das Gespräch führte Birgit Obermeier



Text: FAZ.NET

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