23. Mai 2004 Die auf Rekordhöhe gestiegenen Ölpreise haben kurz vor den Treffen der Opec-Staaten und der G7-Finanzminister die Sorge um das Wachstum der Weltwirtschaft verschärft. Mitglieder der Organsation Erdöl produzierender Länder (Opec) dämpften am Freitag aber Hoffnungen auf fallende Preise.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte in Berlin, der hohe Ölpreis stelle ein großes Risiko für die Weltwirtschaft dar. Er hoffe, daß bei den Treffen der Opec und des Energieforums am Wochenende in Amsterdam eine Lösung gefunden werde. Der Ölpreis wird auch ein wichtiges Thema der Beratungen der Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) am Wochenende in New York sein. Nach Angaben des Weltverbandes der Fluggesellschaften (IATA) wird der gestiegen Kerosinpreis die Branche in Milliardenhöhe belasten. Opec-Mitglieder erklärten hingegen, die Kontrolle der Preise sei nicht in ihrer Hand. Das EZB-Ratsmitglied Matti Louekoski warnte vor Überreaktionen auf die Entwicklung.
Hohe Preise, hohes Risiko
Die Ölpreise befinden sich seit Wochen auf hohem Niveau und waren zuletzt in Europa auf den höchsten Stand seit 13 Jahren und in Amerika seit 21 Jahren geklettert. Ein Barrel (159 Liter) der marktführenden Sorte Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juli kostete Freitagmittag in London 37,10 Dollar.
Es ist ein hohes Risiko in diesem hohen Ölpreis", sagte Clement auf die Frage, ob er Gefahren für die Inflation sehe. Ich denke, daß niemand einen Vorteil davon hätte, wenn die Weltwirtschaft in ihrer gegenwärtigen insgesamt sehr positiven Entwicklung gefährdet würde. Er hoffe, daß in Amsterdam eine Lösung gefunden werde. Dort ist am Wochenende ein informelles Opec-Treffen und ein Energieforum von Industriestatten. Die Opec will über den Vorschlag Saudi-Arabiens beraten, die Förderquoten um mindestens sechs Prozent zu erhöhen.
Die Finanzminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens - Hans Eichel, Nicolas Sarkozy und Gordon Brown - erklärten in einem gemeinsamen Gastbeitrag für das mehrere Wirtschaftszeitungen, die G7-Minister wollten bei ihrem Treffen am Wochenende in New York gegenüber der Opec ihre Sorge über die hohen Ölpreise zum Ausdruck bringen.
Opec: Kein außergewöhnliches Treffen
Führende Vertreter aus Opec-Staaten zeigten sich indes bemüht, die Erwartungen an ihr Treffen in Amsterdam zu dämpfen. Ich denke nicht, daß die Kontrolle über die Preise in den Händen der Opec liegt", sagte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Obaid bin Saif el Nasseri. Das wird kein außergewöhnliches Treffen sein. Wir können den Märkten nur Signale geben", sagte Irans Ölminister Bidschan Sanganeh. Die Flugbranche betrachtet die Ölppreise mit wachsender Sorge. Unsere Ausgaben für Treibstoff werden voraussichtlich von 59 auf rund 70 Milliarden Dollar steigen", sagte IATA-Chef Giovanni Bisignani der Financial Times Deutschland". Die in der IATA organisierten Fluglinien könnten Verluste von bis zu zehn Milliarden Dollar machen.
EZB: Wir dürfen nicht überreagieren
Der Ölpreis ist ein Risiko, aber wir dürfen nicht überreagieren", sagte EZB-Ratsmitglied Louekoski der Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die Europäische Zentralbank sagt nur, daß es ein Risiko ist. Die abwartende 'Wait and see'-Haltung ist sehr gut begründet. Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte zuletzt die abwartende EZB-Haltung mit Blick auf eine mögliche Änderung der Geldpolitik bekräftigt.
Ein Sprecher der Internationalen Energie Agentur (IEA) schloß aus, daß die Öl importierenden Staaten ihre Vorräte angreifen. Niemand in den Regierungen denkt ernsthaft darüber nach, an die Reserven zu gehen. Diese seien strategische Bestände, die nur im Notfall eines Öl-Lieferstopps angegriffen würden. Die IEA berät 26 Industrieländer bei ihrer Energiepolitik und koordiniert die Notfall-Reserven.
Neue Ölkrise?
Unterdessen malen Wissenschaftler ein düsteres Bild: Laut einem Bericht der Wissenschaftszeitschrift National Geographic Deutschland Droht der Welt eine neue Ölkrise. Bereits in rund zehn Jahren werde die weltweite Ölförderung nach Berechnungen zahlreicher Wissenschaftler ihren Höhepunkt überschritten haben, berichtete die Zeitschrift am Freitag vorab aus ihrer Juni-Ausgabe. Damit werde Öl immer knapper und der Preis noch erheblich steigen - mit gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft.
Bei allen Prognosen spiele insbesondere das Verhalten der Ölförderländer im Nahen Osten, die Erschließung alternativer Energiequellen und die weitere Entwicklung des Ölverbrauchs eine entscheidende Rolle. Demnach liegt der weltweite Verbrauch derzeit mit steigender Tendenz bei fast 80 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag. Schätzungen zufolge solle der Erdölverbrauch allein in den Vereinigten Staaten in den kommenden 20 Jahren um 50 Prozent zunehmen.
Text: Reuters, AFP
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
Ein Hoch auf das Ende der ![]()
Letztes Kapitel der Siemens-Korruptionsaffäre
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.686,83 | +0,40% |
| TecDAX | 761,43 | −0,15% |
| MDAX | 7.311,23 | +0,19% |
| SDAX | 3.503,06 | +0,39% |
| REX | 373,92 | +0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.883,04 | +0,21% |
| Dow Jones | 10.270,50 | +0,72% |
| Nasdaq 100 | 1.788,61 | +0,44% |
| S&P500 | 1.093,48 | +0,57% |
| Nikkei225 | 9.770,31 | −0,35% |
| EUR/USD | 1,4954 | +0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 76,94 $ | −0,08% |
| Gold | 1.107,50 $ | −0,65% |
| Bund Future | 121,42 € | −0,04% |