Entlassungen bei Pollmeier

Auch Holzexporte in der Finanzkrise

Von Ewald Hetrodt

Produktion wächst derzeit stärker als Umsatz: Pollmeier Massivholz GmbH

Produktion wächst derzeit stärker als Umsatz: Pollmeier Massivholz GmbH

13. Oktober 2008 Es ist die größte industrielle Neuansiedlung in Aschaffenburg seit mehr als einem halben Jahrhundert. 250 Arbeitsplätze wollte die Pollmeier Massivholz GmbH in ihrem neuen Sägewerk im Hafen langfristig schaffen. Doch jetzt fordert die Krise auf den internationalen Finanz- und Immobilienmärkten auch am Bayerischen Untermain ihren Tribut. Zwölf der 170 Beschäftigten hat Pollmeier an seinem Aschaffenburger Standort zum 1. Oktober „betriebsbedingt“ entlassen. Das teilte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage mit.

Das Unternehmen hat sich auf nur eine Holzart spezialisiert. Die „Pollmeier-Buche“ gibt es in acht verschiedenen Qualitätsstufen, sechs Stärken und sechs Längen. Mit seiner vollautomatisierten Produktion ist Pollmeier nach eigenem Bekunden innerhalb eines guten Jahrzehnts zum größten deutschen Verarbeiter von Laubholz geworden.

Holz für Innenausbau und Möbel

Es wird in Deutschland geschnitten und aufbereitet, bevor die Kunden es für den Innenausbau oder für Möbel weiterverarbeiten. Das Unternehmen hat den Hauptsitz im thüringischen Creuzburg. Seit dem Jahr 2006 steht eines seiner drei deutschen Werke in Aschaffenburg. Geschäftsführer Ralf Pollmeier investierte hier 75 Millionen Euro, nachdem die Stadt und der Hafen ihn von den Vorzügen des Standorts überzeugt hatten. Dabei konnten sie nicht nur die Nähe zum Spessart mit seinen riesigen Baumbeständen ins Feld führen, sondern auch die logistischen Vorteile.

Einer besteht in dem Containerterminal des Hafens und der dadurch ermöglichten Überseeverschiffung. Immerhin geht mehr als die Hälfte der Buchen in den weltweiten Export. Auf den ausländischen Absatzmärkten beginnen nun Pollmeiers Schwierigkeiten. „Wir leiden unter der Immobilienkrise“, sagte der Unternehmenssprecher.

Neben der Entwicklung in den Vereinigten Staaten macht sich auch die geplatzte Immobilienblase auf der Iberischen Halbinsel bemerkbar. So sank etwa in Spanien im ersten Quartal dieses Jahres die Zahl der genehmigten Neubauwohnungen im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um rund 60 Prozent. In den zehn Jahren zuvor hatten extrem niedrige Zinsen auf den Balearen einen Bauboom ausgelöst, an dem auch deutsche Investoren beteiligt waren.

Betriebsruhe von Anfang Dezember bis Ende Januar

Die Einbrüche sorgen dafür, dass bei Pollmeier der Umsatz langsamer wächst als die Produktion, wie der Sprecher es ausdrückte. Um die Produktion entsprechend zu drosseln, werde in Malchow, dem kleinsten der drei Werke Pollmeiers, in der Zeit vom 8. Dezember bis Ende Januar „Betriebsruhe“ herrschen. In Aschaffenburg, wo in zwei Schichten etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes produziert wird, müssten zwölf Produktionsmitarbeiter gehen.

Der Sprecher wollte die Anpassungen nicht überbewertet wissen. Er hob hervor, dass das Unternehmen weiterhin wachsen werde, wenn auch nicht mehr so rasch wie in der Vergangenheit. Auch in diesem Jahr werde man „ein leichtes Plus“ verzeichnen. „Kein Mensch weiß, wie die Krise sich entwickeln wird“, sagte er. Pollmeier blicke aber prinzipiell „sehr optimistisch“ in die Zukunft.

Hamberger: Derzeit nicht beeinträchtigt

Immerhin würden die Lieferanten von Laubhölzern durch die Immobilienkrise weniger stark beeinträchtigt als die Produzenten von Nadelhölzern. Diese würden nämlich als Baustoff ausschließlich in neuen Häusern verwandt. Laubhölzer wie die Buche hingegen kämen auch bei der Ausstattung von älteren Gebäuden zum Einsatz.

Von dem Vorteil könnte auch das zweite Sägewerk profitieren, das vor zwei Jahren iin der Region entstand. Das Rosenheimer Unternehmen Hamberger Industriewerke investierte in Kleinostheim mehr als 28 Millionen Euro. Rund 40 Mitarbeiter produzieren dort Schnittholz, aus dem das Parkett hergestellt wird, das die Firma unter dem Markennamen „Haro“ verkauft. Das Werk in Kleinostheim sei durch die aktuellen Entwicklungen „derzeit“ nicht beeinträchtigt, äußerte Peter Hamberger. Das Mutterunternehmen in Rosenheim nehme ihm nach wie vor die vorgesehenen Mengen ab. Davon sei nur „ein kleiner Teil“ für den Export bestimmt. Es lasse sich allerdings nicht vorhersagen, welche Auswirkungen die Krise auf den internationalen Finanz- und Immobilienmärkten in drei oder vier Monaten haben werde.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Rainer Wohlfahrt

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