Internet

Microsoft reagiert auf den Firefox

Will mehr für die Sicherheit im Internet tun - Bill Gates

Will mehr für die Sicherheit im Internet tun - Bill Gates

16. Februar 2005 Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft muß auf ernsthafte Konkurrenz auf dem Markt der Internet-Zugangsprogramme reagieren und bringt einen neuen Internet Explorer auf den Markt. Zudem wird wohl noch in diesem Jahr ein eigenständiges Programm zum Schutz vor Computerviren eingeführt.

Mit der Ankündigung der neuen Software hat Microsoft-Mitbegründer und -Verwaltungsratsvorsitzender Bill Gates seine Zuhörer auf einer Konferenz zum Thema Computersicherheit in San Francisco überrascht. Analysten hatten einen neuen Internet Explorer erst im Zuge der Einführung der nächsten Version des Windows-Betriebssystems mit dem Codenamen Longhorn im Jahr 2006 erwartet.

Die Fortsetzung des Browser-Kriegs

Das Unternehmen, das sich nach dem Sieg im sogenannten Browser-Krieg mit Netscape vorwerfen lassen mußte, mit seinem Internet Explorer seit Jahren veraltete und unsichere Technik auszuliefern, wird nun aber schon im kommenden Sommer handeln.

Erheblichen Anteil an der Entwicklung dürfte der Siegeszug des Firefox-Browsers haben. Ironie der Geschichte: Der Feuerfuchs hat seine Ursprünge in der Netscape-Technik, die in einem Open-Source-Projekt, also von einer Gemeinschaft freier Programmier weiterentwickelt wurde, und jetzt unentgeltlich von der Website "www.mozilla.org" herunterzuladen ist.

Das Programm geht nicht nur sparsam mit Speicherplatz um, sondern ist auch sehr schnell. Doch trotz der Firefox-Erfolgsgeschichte beherrscht der Internet Explorer noch so sehr den Markt, daß sich Veränderungen an diesem Programm auf den beruflichen und privaten Alltag von Millionen Menschen auswirken werden. Der neue Internet Explorer soll den Windows-Nutzern unter anderem besseren Schutz vor schädlicher Software und den Angriffen von Spionageprogrammen bieten.

Trotz Schutzmaßnahmen, Zusatzprogramme bleiben möglich

So sollen Maßnahmen gegen den Paßwort-Klau (Phishing), der in der jüngeren Vergangenheit zum Beispiel im Zusammenhang mit Bankgeschäften im Internet versucht worden ist, den Befall mit Viren und die Infektion mit Spionagesoftware integriert werden. Mit Spyware werden Daten von Computernutzern ohne deren Wissen nach außen übertragen, und es wird zumeist unerwünschte Werbung eingeblendet.

Trotz dieser neuen Schutzmaßnahmen solle der Internet Explorer aber weiterhin durch kleine Zusatzprogramme (Plug-ins) so stark erweiterbar sein wie das die Kunden bislang gewohnt seien, sagte Gates, der bei Microsoft auch den Titel des "Chief Software Architect" trägt.

„Maßnahmen reichen nicht aus“

Der rote Fuchs beißt Microsoft

Der rote Fuchs beißt Microsoft

Wegen seiner großen Verbreitung und seiner Sicherheitslücken ist der Internet Explorer häufiges Ziel der Programmierer von Computerviren. Zur Abwehr dieser Attacken hatte Microsoft im vergangenen Jahr ein umfangreiches Produktpflegepaket, das sogenannte "Service Pack 2" für Windows und damit auch für den mit dem Betriebssystem eng verbundenen Internet Explorer herausgegeben.

"Wir gratulieren Microsoft zu seinen Initiativen, die bestimmt sehr notwendig sind, aber nach meiner Meinung reichen sie für große Unternehmen nicht aus", entgegnet John Thomson, der Vorstandsvorsitzende des Sicherheitssoftware-Anbieters Symantec auf derselben Veranstaltung. Symantec ist in einem breiten Markt mit seinen Norton-Produkten bekannt. "Wir werden nicht von Videospielen und einer Vielzahl anderen Zeugs abgelenkt", sagte Thomson unter dem Beifall seiner Zuhörer.

Ein Drittel der Forschungsausgaben fließen in die Sicherheit

Gates ist um den Ruf seines Unternehmens mit Blick auf die Datensicherheit indes schon seit geraumer Zeit besorgt und stellt deshalb immer wieder neue Initiativen vor. So rief Gates Ende Januar in München gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Wirtschaft und Politik die Initiative "Deutschland sicher im Netz" ins Leben. Sie soll den Schutz von Privatanwendern und Unternehmen bei der Internetnutzung verbessern.

Ein Drittel der Forschungsausgaben des Unternehmens fließen nach Angaben von Gates inzwischen in die Verbesserung der Sicherheit. Die Ankündigung der neuen Explorer-Version war dann auch Teil einer ausführlichen Darstellung von Gates zu den jüngsten Schritten seines Unternehmens auf diesem Gebiet. Welche Bedeutung die Sicherheitsinitiativen von Microsoft haben, zeigt sich auch daran, daß das Service Pack 2 nach den Angaben des Unternehmens nur sechs Monate nach seiner Veröffentlichung schon auf mehr als 170 Millionen Computern installiert worden ist.

Zukäufe von Virenschutzanbietern

Microsoft baut das Geschäft mit Sicherheitssoftware auch durch Zukäufe immer weiter aus. Weitere Akquisitionen wurden von Gates in San Francisco angekündigt. Erst vor wenigen Tagen hatte das Unternehmen angekündigt, den New Yorker Virenschutzanbieters Sybari Software kaufen zu wollen (F.A.Z. vom 9. Februar).

Sybari ist unter anderem auf Software gegen Email-Viren spezialisiert, also zum Beispiel zur Verhinderung unerwünschter Werbe-Mails. Sybari ist bereits der dritte Zukauf innerhalb kurzer Zeit: Im Dezember vergangenen Jahres hatte Microsoft den Kauf der auf die Bekämpfung von Spionagesoftware spezialisierten Giant Software angekündigt. Ein Jahr zuvor hatte Microsoft einen rumänischen Virenschutzspezialisten erworben. Obwohl noch unklar ist, inwiefern die Sicherheitsprodukte von Microsoft einen echten Wettbewerb für etablierte Anbieter von Sicherheitssoftware haben werden, reagieren die Aktien von Symantec oder McAfee auf die Vorstöße des größten Softwarekonzerns der Welt in ihren Markt seit einiger Zeit mit heftigen Kursabschlägen.

Text: Kno., Frankfurter Allgemeine Zeitung 17. Februar 2005
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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