31. Oktober 2009 Der Kursverlauf ist ungewöhnlich: Um Längen schlägt der K1 Global Spezial angeblich alle wichtigen Börsenindizes der Welt. "Direkt in den K1 Global investieren", warb am Mittwoch noch der Würzburger Finanzvertrieb Hedge-Concept. Dabei besteht ein ernster Verdacht: K1 könnte nach Phoenix Kapitaldienst der nächste große Skandal sein, der die deutsche Finanzbranche erschüttert. "K1 ist kein deutscher Hedge-Fonds", sagte Frank Dornseifer, Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments, dieser Zeitung.
Am Mittwoch nahm die Staatsanwaltschaft Würzburg den Fondsinitiator Helmut Kiener fest. Seitdem sitzt er wegen des Vorwurfs der Untreue und des Betruges in Untersuchungshaft. Seine Anwälte kündigten Haftbeschwerde an. Das FBI verhaftete in den Vereinigten Staaten im Zuge von Ermittlungen gegen Geldwäsche die Deutschen Stefan Seuss und Thomas Meyer. Sie seien 2007 mit einem verdeckten Ermittler einig geworden, ihm bei der Offshore-Geldanlage von 500 000 Dollar (340 000 Euro) behilflich zu sein. Laut der Staatsanwaltschaft Philadelphia half Seuss zuvor, den Behörden mit seiner Kenntnis über K1, die internationalen Geldbewegungen der Gruppe aufzudecken. Unklar ist noch, ob und wie dieser Fall mit K1 zusammenhängt. Gegen den 50 Jahre alten Kiener bestehe der Verdacht, "dass er sich unter anderem nicht an mit einer englischen und einer französischen Bank vereinbarte Anlagerichtlinien gehalten und Gelder in mehrstelliger Millionenhöhe abredewidrig verwendet hat", betont die Würzburger Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung. Die K1 Group des Diplom-Psychologen war schon lange Gesprächsthema in Finanzkreisen.
Finanzaufsicht war schon aufmerksam
Konkret gab es bisher nur die Aktivitäten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Diese bestätigte gegenüber der F.A.Z. am Mittwoch, dass sie schon in der Vergangenheit auf Kiener aufmerksam geworden ist und vier Untersagungsverfügungen gegen ihn sowie einige seiner Gesellschaften verhängte.
Dabei hatte die Verfügung gegen Kiener vor Gericht Bestand, zwei weitere gegen seine Gesellschaften nicht. Darin untersagte die Behörde Kiener 2001, Finanzportfolios zu verwalten. Ein weiteres Verfahren ist noch nicht entschieden. Darin untersagte die Bafin im Jahr 2003 der K1 Invest GbR und der K2 Invest GbR, beide mit Sitz in Mörfelden-Walldorf, die Finanzportfolioverwaltung mangels Erlaubnis. Dazu ordnete sie die Einstellung des Geschäftsbetriebs und die Abwicklung der Gesellschaften an. In seiner Firma in Aschaffenburg war am Mittwoch niemand zu erreichen. Das Telefon im Büro wurde nicht bedient, und auf den British Virgin Islands sind die Fonds nur registriert. Ein Schaden von 600 Millionen Euro könnte entstanden sein. Diesen Betrag nannte zumindest die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen anonymen Angestellten.
Es steht zu befürchten, dass Tausende deutsche Privatanleger von möglichen Unregelmäßigkeiten betroffen sind, spätestens seitdem ein Indexzertifikat auf den K1 Global Spezial aufgelegt wurde. In dieses konnten Anleger bei Finanzvertrieben wie Hedge-Concept mit einer Mindestanlage von 2500 Euro investieren. Für alle Folgeanlagen genügen "500 Euro per Überweisung", wie es auf der Internetseite heißt. Auch am Mittwoch waren die Zertifikate online erhältlich, abgewickelt über die Depotbanken Augsburger Aktienbank, Comdirect, Frankfurter Fondsbank oder angeblich direkt bei K1 Spezial. Sogar monatliche oder vierteljährliche Sparpläne konnten noch abgeschlossen werden. Allerdings ist die Rückgabe seit längerem nicht mehr möglich, hieß es bei Hedge-Concept am Mittwoch. Auch sollen die K1-Produkte nun aus dem Angebot genommen werden.
Wurden Banken getäuscht?
Da hatten die Ermittler am Mittwoch längst die Büroräume in Aschaffenburg und mehrere Privatwohnungen, darunter Kieners Haus, durchsucht. Gleich mehrere Banken, darunter Société Générale, Barclays, J.P. Morgan und BNP Paribas, soll K1 mit Verlusten von etwa 400 Millionen Dollar belastet haben. Die Staatsanwälte wollen unter anderem herausfinden, ob Kiener die Banken getäuscht hatte, indem er Kredite aufnahm, um die Größe seiner Investments aufzublähen.
"100 Prozent Transparenz", verspricht K1 auf der Internetseite. Doch solch ein Versprechen gilt in der Finanzbranche als ungewöhnlich. Dach-Hedge-Fonds, wie Kiener sie betreibt, sind Vehikel, die in andere Hedge-Fonds investieren. Doch die Würzburger Staatsanwälte müssen jetzt der Frage nachgehen, wie der stetige Kursanstieg des K1 Global zustandekam. Dabei hat sie den Verdacht zu klären, ob Kiener das bei Banken und Anlegern gesammelte Geld tatsächlich in verschiedene Hedge-Fonds investiert oder ein Schneeballsystem aufgebaut hat.
Text: hlr./cbu., F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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