Contra

Wikipedia als Buch - kein Grund zur Aufregung

Von Nadine Bös

23. April 2008 Viele Wikipedia-Schreiber hätten sich sicher nicht träumen lassen, dass ihr Produkt eines Tages zurück in die Welt der gedruckten Bücher wandern würde. Dass der große Bertelsmann-Verlag daherkommen und ausgewählte Beiträge der fleißigen Schreiberlinge einfach abdrucken könnte. Da ist es verständlich, dass es jetzt einen kleinen Aufschrei gibt. Verständlich - wie übertrieben: Wenn Bertelsmann Wikipedia als Buch herausbringt, ist das keinesfalls das Ende von Wikipedia und dem freien Wissen im Internet.

In der Debatte wird schnell vergessen, dass nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen das Internet überhaupt nutzt - nach aktuellen Zahlen des Branchenverbands Bitkom sind es 63 Prozent. Bald kann nun auch die 80 Jahre alte Oma von nebenan von Wikipedia-Wissen profitieren, die lieber knapp 20 Euro für ein Buch bezahlt, als sich ins Internet zu begeben.

Aber ist das nicht Betrug?

Wikipedia als Buch - ist das wirklich so ein Drama?

Wikipedia als Buch - ist das wirklich so ein Drama?

Aber ist das nicht Betrug an der Oma, 20 Euro für etwas zu verlangen, das es an anderer Stelle umsonst gibt? Letztlich ist es Marktwirtschaft. Jeder Käufer kann bewusst entscheiden, ob ihm das Wikipedia-Buch das Geld wert ist. Wenn nicht, ist er frei, die Entscheidung zu treffen, es nicht zu kaufen.

Ist es nicht trotzdem Betrug an allen, die nie an Wikipedia-Beiträgen mitgearbeitet hätten, hätten sie gewusst, dass sie später in Bertelsmann-Hände gelangen würden? Letztlich ist auch das Marktwirtschaft. So bitter das klingt, muss sich jeder, der im Internet ehrenamtlich publiziert, darüber im Klaren sein, dass eines Tages jemand auf die Idee kommen könnte, aus diesem Wissen Kapital zu schlagen.

Mindestens aber - das sehen die meisten Kritiker - soll der Verkauf von Wikipedia-Einträgen Betrug an der Community der Idealisten sein, die an das freie Wissen für alle glauben. Die sich ausgedacht hatten, etwas kostenlos zur Verfügung zu stellen und damit einen Gewinn für alle zu erzeugen.

Auch diese Aufregung ist zu groß. Schließlich verlangt auch künftig niemand Geld für das Online-Produkt Wikipedia. Jeder, der weiter an das freie Wissen für alle glauben möchte, ist frei das zu tun - und kann um den Buchhandel schlicht einen weiten Bogen machen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: F.A.Z., Joerg Lantelme - F.A.Z.

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