120 Dollar für ein Barrel

Ölpreis steigt auf Allzeithoch

05. Mai 2008 Der Ölpreis ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Am Montag wurde ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte WTI in New York erstmals für mehr als 120 Dollar gehandelt. Das neue Allzeithoch liegt damit bei 120,21 Dollar je Barrel.

Erneute Unruhen in Nigeria nannten Händler als Begründung. Der Kurs hatte schon längere Zeit mit der Marke von 120 Dollar gerungen. Auch der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent legte kräftig zu und stieg um 3,22 Dollar auf 117,78 Dollar. Händler sprachen von einer überraschend starken Kursbewegung und verwiesen als unmittelbare Auslöser auf den Lieferausfall in Nigeria sowie geplante Streiks in einem französischen Hafen.

Rekordpreise auch beim Benzin

Nigeria ist der wichtigste afrikanische Ölproduzent. Zum anderen verwiesen Marktteilnehmer auf Äußerungen beim Präsidentschaftswahlkampf in den USA um Konflikt zwischen den USA und dem Iran über dessen Atomprogramm. So hätten sich die rivalisierenden Kandidaten der Demokraten, Barack Obama und Hillary Clinton, deutlich gegen das iranische Atomprogramm ausgesprochen.

Das teure Erdöl trieb die Spritpreise in Deutschland im April auf den höchsten Stand aller Zeiten. An den Zapfsäulen kostete Superbenzin im Monatsschnitt mit 143,3 Cent pro Liter etwa 1,5 Cent mehr als im März, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) am Montag in Hamburg mitteilte. Für Diesel mussten die Verbraucher 135,2 Cent pro Liter bezahlen. Das war 1,8 Cent mehr. In der Vorwoche hatte bereits der ADAC von Rekordpreisen beim Sprit im April gesprochen.

Spiegelbild des niedrigen Dollarkurses

Analysten rechnen zwar nicht damit, dass der Höhenflug des Ölpreises von Dauer ist, indes zeichnet sich eine Trendwende nicht ab. Auch ein Anstieg auf 150 Dollar wird von vielen Analysten nicht mehr ausgeschlossen. Hinter den Preissteigerungen steckten, Geld- nicht Warenströme, meint Joel Fingerman, Vorsitzender der Energieberatungsgesellschaft Oil Analytics.

In gewisser Hinsicht zeigt sich hier die Schattenseite der Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank. Mit jeder Zinssenkung verliert der Dollar gegenüber anderen Währungen an Wert. Die Trader reagieren, indem sie in andere Rohstoffe investieren, um sich gegen den Dollarverfall abzusichern, wodurch in Dollar gehandelte Rohstoffe (wie Rohöl) teurer werden. Öl und andere Rohstoffe gelten derzeit als sichere Häfen.

Korrektur wird erwartet

Nach Ansicht einiger Analysten wird der starke Ölpreisanstieg eine umso stärkere und schmerzlichere Korrektur zur Folge haben. Sie rechnen mit einer sinkenden Nachfrage nach Ölprodukten.

Ein Einbruch wäre nicht der erste. Nachdem der Irak im Sommer 1990 in Kuwait einmarschierte, stiegen die Rohölpreise in vier Monaten um mehr als das Doppelte auf 32 Dollar pro Barrel. Im darauf folgenden Januar hatten sie jedoch bereits wieder um etwa ein Drittel nachgegeben. Indes war dies eine politische, keine monetäre Entwicklung. Und diese sind in der Regel deutlich kurzlebiger.

Einige Trader spekulieren indes darauf, dass das niedrige Zinsniveau, der schwache Dollar und die robuste Nachfrage aus Indien und China die Energienachfrage und die Preise auf hohem Niveau halten werden. Fadel Gheit, leitender Energieanalyst beim Investmenthaus Oppenheimer, geht davon aus, dass die Preise weiter steigen werden, solange die amerikanische Regierung den Markteinfluss der Spekulanten nicht beschränkt. „Die Toleranz hoher Preise hat seinen Grund“, meint Gheit. „Niemand hat den Mut, uns die bittere Medizin hoher Steuern zu verabreichen, weshalb man den Spekulanten auf diesem Markt freie Hand lässt.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.272,21 -1,28
TecDax 734,26 -0,60
DowJones 11.288,54 +0,65
Nasdaq 2.245,38 -0,27
STOXX 50 3.275,20 -1,67
Nikkei 225 13.237,89 -0,21
S&P 500 Zert. 12,61 +0,08
Euro/Dollar 1,57 -0,07
Bund Future 111,54 +0,36
Gold 932,00 +0,00
Öl 145,16 +0,10
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche