12. November 2005 Der 51 Jahre alte Verfassungsrichter mißtraut linkem Interventionismus ebenso wie neoliberaler Abwehr öffentlicher Herrschaft. In seinem Buch Die Kultur der Freiheit fordert der Sohn italienischer Einwanderer vielmehr ein neues bürgerliches Zeitalter und die Rückbesinnung auf traditionelle Werte, die dem westlichen Freiheitssystem zugrunde liegen.
Die Schuld an Stagnation und Überalterung der Gesellschaft, an überversorgten Wohlfahrtssystemen und am Kindermangel gibt er dem hoffnungslosen Individualismus. Trotz, eher wegen seines Konservatismus ist Di Fabio ein reformerischer Geist, weil er eine kulturelle Debatte über die Grundbedürfnisse der freiheitlichen Gesellschaft anregt.
Geht es nach ihm, der auf dem zweiten Bildungsweg Jura studierte, in Soziologie promovierte und in Bonn Öffentliches Recht lehrt, so werden in einer Gesellschaft jene gewürdigt, die der Gemeinschaft dienen, sei es durch Kinder, Arbeit oder Unternehmertum. Dem Intellektuellen geht es nicht um die rückwärtsgewandte Aufrechterhaltung verlorener Ideale. Er setzt Leistungsbereitschaft gegen die wirtschaftliche Krise und hält ein Plädoyer für eine weltoffene und wettbewerbsfähige Gesellschaft.
Text: F.A.S. vom 13.11.2005
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