Börsenturbulenzen

Die Angst vor dem Crash

Von Gerald Braunberger

Turbulente Tage für die Händler an der Wall Street

Turbulente Tage für die Händler an der Wall Street

18. März 2008 Wenn große Banken zu kollabieren drohen, wird es ernst. Die New Yorker Investmentbank Bear Stearns gehörte zwar nicht zu den ganz großen Banken der Welt, aber doch zu den respektablen mit jahrzehntelanger Erfahrung in Wertpapiergeschäften. Vor einem Jahr noch war Bear Stearns etwa zwanzig Milliarden Dollar wert; am vergangenen Wochenende wurde sie in einer Hau-ruck-Aktion für kaum mehr als zweihundert Millionen Dollar vom Konkurrenten J. P. Morgan übernommen. Andernfalls wäre sie bankrottgegangen.

Die Nervosität an den Finanzmärkten ob dieser Entwicklung ist verständlich, denn niemand weiß, ob nicht bald eine noch größere Bank in existenzbedrohende Schwierigkeiten gerät. Mit den letztjährigen Kalamitäten der IKB und der Sachsen LB ist der aktuelle Fall nicht vergleichbar: In den beiden deutschen Banken agierten offensichtlich Amateure, die sich der Risiken ihrer Geschäfte am fernen amerikanischen Immobilienmarkt nicht bewusst waren. Mit dem Fall Bear Stearns ist die Krise im Herzen New Yorks, dem wichtigsten Finanzzentrum der Welt, angekommen.

Niedergang der amerikanischen Hegemonie in der Wirtschaft?

Zur Unruhe an den Finanzmärkten trägt die Erkenntnis bei, dass die Notenbanken nicht über Wundermittel verfügen, um der Schwierigkeiten Herr zu werden. Traditionell bekämpfen Notenbanken Krisen des Finanzsystems, indem sie zusätzliches Geld zur Verfügung stellen und die Zinsen senken, das vorhandene Geld also verbilligen. Die amerikanische Notenbank Fed versucht schon Monate verzweifelt, auf diesem Wege die Banken zu stabilisieren und die Finanzmärkte zu beruhigen.

Das offenkundige Scheitern dieser Politik trägt schon heute dazu bei, das Ansehen der wichtigsten Notenbank der Welt zu beschädigen. Die Lage der Banken hat sich nicht verbessert, während gleichzeitig die Inflationsgefahren zunehmen. Die mit der Finanzmarktkrise einhergehende erschreckende Schwäche des Dollar wird vielleicht eines Tages in den Geschichtsbüchern als Symbol des Niedergangs der amerikanischen Hegemonie in Wirtschaft und Finanzen vermerkt werden.

Wie es weitergeht, lässt sich nicht vorhersagen. Im besten Fall wird es an den Finanzmärkten noch einige Monate hektisch zugehen, bevor sich die Lage beruhigt. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass sich die Krise noch einmal erheblich verschärft.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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