Tourismusbranche

Antalya ist Mallorca auf den Fersen

Pauschalurlaub in der Türkei

Pauschalurlaub in der Türkei

15. Juli 2005 Die türkische Tourismusindustrie steht vor einem Rekordjahr. Schon 2004 war die Zahl der ausländischen Urlauber um 25 Prozent auf 17,5 Millionen Besucher gestiegen. Die Deviseneinkünfte nahmen um 60 Prozent auf 15,9 Milliarden Dollar zu.

In diesem Jahr erwartet die Branche eine weitere Steigerung von mindestens 20 Prozent. Die Zahl der Urlauber, die über den internationalen Flughafen von Antalya einreisten, stieg bereits im ersten Halbjahr um 27 Prozent ebenso wie die Zahl aller Touristen, die in die Türkei einreisten.

„Der große Renner“

Antalya wird 2005 seinen zweiten Rang in der Liste der internationalen Flughäfen am Mittelmeer hinter Mallorca festigen. Im vergangenen Jahr waren 6,2 Millionen ausländische Urlauber über den Flughafen Antalya in die Türkei gekommen, mehr als über Istanbul. Unverändert ist Deutschland der größte Markt für die Urlaubsregion Antalya. Im vergangenen Jahr waren 41 Prozent der eingereisten Urlauber Deutsche, 18 Prozent waren Russen. Im Winter liegt der Anteil der Deutschen bei mehr als 60 Prozent. Die Zahl der deutschen Dauerurlauber, die eine Immobilie erworben haben, wird in der Region Antalya auf 25.000 geschätzt. Von ihnen leben allein in der Stadt Alanya 6000.

„Die Türkei ist auch in dieser Saison der große Renner“, sagt Paul Schwaiger, der Generaldirektor von Sun Express, einer Tochtergesellschaft von Condor und Turkish Airlines. Den andauernden Boom erklärt er mit dem guten Preis-LeistungsVerhältnis im Vergleich zu den Konkurrenten. Die türkische Hotellerie verliere trotz des Erfolgs nicht die Bodenhaftung, beobachtet Schwaiger.

Russische Touristen

Sun Express hatte im vergangenen Jahr 0,5 Millionen Urlauber nach Antalya geflogen und damit fast jeden fünften Passagier aus Deutschland. Die auf die Türkei spezialisierte Fluggesellschaft bringt zwei Drittel ihrer Passagiere nach Antalya. In diesem Jahr rechnet Schwaiger mit einem weiteren Anstieg des Passagieraufkommens seiner Gesellschaft um 20 Prozent. Dazu erweitert Sun Express die Flotte von acht auf zehn Flugzeuge. Im internationalen Flughafen von Antalya ist Sun Express die zweitgrößte Fluggesellschaft.

Zwar liege Antalya nach Passagierzahlen noch ein Drittel hinter Mallorca, langfristig werde die türkische Mittelmeerstadt der Baleareninsel aber Konkurrenz machen, erwartet Andreas Stark, Generaldirektor des Immobilienunternehmens Antalya Residence und bis 2004 Chef des Flughafens von Antalya. Anders als Mallorca ziehe Antalya auch russische Touristen an. Antalya liege für sie näher, und für die Türkei benötigten Russen nur ein vereinfachtes Touristenvisum, das sie bei der Einreise am Flughafen erhielten.

85.000 neue Betten geplant

Nachdem es für die Region keine externen Bedrohungen mehr gebe - wie die beiden Golfkriege und den Terrorismus - müsse Antalya nun das rasante Wachstum bewältigen, mahnt Schwaiger. Positiv wertet er, daß nach Jahren, in denen das Massengeschäft im Vordergrund gestanden habe, nun überwiegend Hotels der Luxusklasse gebaut werden. Er nennt die Themenhotels entlang des Sandstrands Lara Kundu - wie Venezia, Titanic oder Kreml - und das erste Kempinski-Hotel in Belek nahe Antalya.

Die Stadtverwaltung Antalya gibt die Zahl der Hotelbetten in der Region mit 230.000 an. Zu ihnen kommen 2005 und 2006 etwa 30.000 neue Betten in qualitativ anspruchsvollen Hotels hinzu. Insgesamt sollten 85.000 neue Betten genehmigt oder geplant sein, teilt die Stadtverwaltung mit. Solange die Hotels und die Fluggesellschaften mit dem Wachstum der Nachfrage mitziehen, befürchtet Schwaiger keinen Knick im Wachstumspfad. Als jüngste türkische Fluggesellschaften sind Saga und - für Fracht - Kuzu gegründet worden. Noch in diesem Jahr will die Handelskammer Izmir die Fluglinie Izmir-Havayollari starten.

Neues Immobiliengesetz

Gut am Markt etabliert haben sich in den vergangenen Jahren russische Investoren. Die erfolgreiche Hotelkette Rixos betreibt entlang der Mittelmeerküste bereits Hotels, die von russischen Geldgebern finanziert wurden. Auch weitere Investoren aus Rußland halten Ausschau nach geeigneten Objekten, sagt Wilfried Kolbe, deutscher Generaldirektor der Immobilienfirma Antalya Residence, die Immobilien rechtlich prüft und bewertet.

Die Hotelinvestoren seien nicht von der Unsicherheit betroffen, die von dem Warten auf das neue Immobiliengesetz ausgehe, sagt Kolbe. Denn der Staat verpachtet im Rahmen der Tourismusförderung die Parzellen für Hotels im Erbbaurecht für die Dauer von 49 Jahren. Von dem neuen Gesetz, das im Herbst verabschiedet werden soll, verspricht sich Kolbe indessen Klarheit über die Größe der Immobilien, die Private erwerben können.

Luxussegment fehlt

Sein Partner Stark rechnet damit, daß sich die Immobilienentwicklung Spaniens an der türkischen Mittelmeerküste wiederholen und daß es dort zu vergleichbaren Wertsteigerungen kommen werde. „Spanien hat 20 Jahre hinter sich, Antalya aber 20 Jahre vor sich“, sagt er selbstbewußt. Was dem Markt Antalya noch fehle, sei das Luxussegment. Immer mehr Deutsche, die sich den Traum vom Sommerhaus erfüllen wollten, ziehe es jedoch in die Türkei. In Erwartung ausländischer Käufer haben sich die Parzellenpreise in Erminek nahe dem Lara-Strand bereits innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Viele Deutsche setzten sich als Obergrenze für ein Sommerhaus 100.000 Euro, beobachtet Stark. In Spanien könne man sich dafür längst kein Haus mehr kaufen. In den kommenden fünf Jahren erwartet er, daß sich die Zahl der deutschen Immobilienbesitzer im Raum Antalya von heute 25.000 mindestens verdoppeln werde. Parallel dazu sieht er als neues Geschäftsfeld für mitteleuropäische Kunden im Alter von mehr als 60 Jahren geschlossene Wohnsiedlungen und Ferienanlagen, die auch mit einem betreuten Wohnen verbunden sein können.

Text: Her. / F.A.Z., 15.07.2005, Nr. 162 / Seite 12
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

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