03. Dezember 2007 Der europäische Flugzeughersteller Airbus hält wegen des schwachen Dollars die Verlagerung von Teilen seiner Produktion aus dem Euro-Raum für überlebenswichtig. Dies betreffe alle Flugzeugtypen, aber nicht alle Teile, sagte Louis Gallois, Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, am Montag dem französischen Radiosender Europe 1. Der hohe Euro-Kurs macht Airbus derzeit stark zu schaffen, da der Flugzeugbauer bislang ausschließlich in Europa produziert. Flugzeuge werden jedoch traditionell in Dollar verkauft. Ein um zehn Cent stärkerer Euro kostet Airbus und seinen Mutterkonzern EADS gut eine Milliarde Euro an Gewinn.
Um sich davon unabhängiger zu machen, erwägt Airbus die in Mobile im amerikanische Staat Alabama geplante Endmontage für Tankflugzeuge auch für den Bau ziviler Flugzeuge zu nutzen. Voraussetzung dafür ist jedoch der Zuschlag für zunächst 180 Tankflugzeuge für die amerikanische Luftwaffe, um den sich EADS zusammen mit Northrop Grumman bemüht.
Endfertigung bisher in Hamburg und Toulouse
Derzeit befindet sich Airbus zur Bewältigung seiner durch den A380 ausgelösten Krise in einer massiven Umstrukturierung, zu der auch der Verkauf von Werken gehört. Gallois sagte, Airbus sei weiter in Gesprächen mit Interessenten. Er schränkte jedoch ein, dass der schwache Dollar wenig hilfreich für die Verhandlungen sei. Bis Jahresende sollen die bevorzugten Bieter für die insgesamt sieben zum Verkauf stehenden Werke ausgewählt werden - davon vier in Deutschland. Die Airbus-Werke in Varel und Nordenham sollen im Verbund mit dem EADS-Werk in Augsburg abgegeben werden. Insgesamt gibt es noch vier Interessenten: der amerikanische Konzern Spirit, MT Aerospace der Bremer OHB-Gruppe, die französische Latecoere und die britische GKN.
Der Financial Times Deutschland (Montagausgabe) zufolge macht Airbus-Chef Tom Enders intern Druck und räumt auch dem amerikanische Konzern Spirit eine reelle Chance ein. Spirit war vor einigen Jahren aus ehemaligen Werken von Airbus Hauptkonkurrent Boeing entstanden. Die Bundesregierung und Betriebsräte bevorzugen deshalb eine nationale Lösung. Enders hatte jedoch bereits im Sommer im Interview mit Reuters klar gemacht, dass das Hauptkriterium beim Verkauf der Werke das Nutzen für Airbus sein werde. Eine politische Kuschellösung aus nationalen Rücksichtnahmen erachte er als wenig sinnvoll.
Die Airbus-Produktion ist bisher in Europa konzentriert. Die Endfertigung findet bisher in Hamburg und Toulouse statt. Im Mai begann Airbus im chinesischen Tianjin, 110 Kilometer östlich von Peking, erstmals mit dem Bau eines Fertigungswerks außerhalb von Europa.
Text: Reuters/dpa
Bildmaterial: REUTERS
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