Karrieresprung

Von der Freude, den Wandel zu gestalten

Von Sabine Raiser

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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08. Dezember 2006 Wandel ist wie das Wetter: unzuverlässig, unvermeidbar und voller Überraschungen. Vor allem aber lebensnotwendig. Deshalb sollten wir ihn gar nicht erst in Frage stellen, sondern gleich versuchen, ihn zu gestalten. Und zwar mit Freude, denn wer aktiv und initiativ vorgeht, ist meistens erfolgreicher und glücklicher.

Das Wetter, wie der Wandel ist für den einen immer richtig, für den anderen immer falsch. Der eine nimmt es, wie es kommt, der andere beklagt es. Manchmal bestimmt das Wetter zwangsläufig den Weg. Aber es gibt auch Fälle, da sollte es keinen Einfluß auf unser Handeln haben.

Unsere Weltsicht, Wahrnehmungen und Werte indes sind zu jeder Zeit handlungswirksam. Grund genug, uns ihnen bewußter zu widmen. Wenn wir sie erkennen, wissen, woher sie rühren und wohin sie uns führen, fällt es uns leichter, Wandel zu verstehen, zu gestalten und zu nutzen. Im besten Falle verhilft er zu weiterem Wachstum. Für uns selbst, für unsere Abteilung oder unser Unternehmen.

Das Wetter wie der Wandel haben die evolutionären Prozesse der Menschheit von je her ins Rollen gebracht und werden es auch künftig tun. Wenn wir dem Wandel also unterworfen sind wie dem Wetter - im Guten wie im Schlechten - und dabei anerkennen, daß er Weiterentwicklung fordert und fördert, haben wir beste Karten, ihn zu unserem Verbündeten zu machen. Soll er doch Wegbereiter für unseren nächsten Karrieresprung sein.

„Früher war alles besser - selbst die Zukunft“

Wie im ersten Beitrag dieser Trilogie (Von der Freude, Fachfrau zu sein - Talentschmiede I) geht es auch diesmal um die Freude, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Es geht um Handlungsmotivation und Durchhaltevermögen. Wer sich Gestaltungsmöglichkeiten schafft und diese wahrnimmt, erlebt erwiesenermaßen mehr Freude, selbst wenn nicht immer alles nach Plan läuft.

Natürlich wäre es schön, wenn Vater Staat und Mutter Konjunktur dafür Sorge trügen, daß alles so einfach wäre wie früher. Aber darauf sollten wir uns nicht verlassen. Sehen wir es lieber wie der 1890 geborene Kurt Tucholsky, der schon damals gegen seine Zeitgenossen stichelte, „ja, ja, früher war alles viel besser. Sogar die Zukunft war früher besser“. Und so lebte er nach der Devise „sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst.“

Wie gehen wir mit Veränderungen um? Fühlen wir Unbehagen oder Angst? Finden wir das Kommende interessant oder inspirierend? Verlieren wir die geliebte Sicherheit oder die verhaßte Langeweile? Verlieren wir den Boden unter den Füßen oder gewinnen wir Land? Ja gewiß, das hängt von den Umständen ab. Aber nicht nur. Die sogenannten Umstände oder die „normative Kraft des Faktischen“, die uns tatsächlich oder vermeintlich davon abhalten, Wandel zu gestalten und zu genießen, sind oft mehr Schein als Sein. In vielen Fällen geben wir ihnen zu schnell und ungeprüft die Entscheidungsdominanz und nehmen sie uns damit selbst weg. Warum tun wir das? Jeder hat seine Gründe dafür. Sie zu beleuchten, ist ebenso mühsam wie ergiebig für das persönliche wie berufliche Weiterkommen. Veränderungen von außen eignen sich bestens dazu.

Freude an der Flexibilität in allen Facetten

Da der Wandel heute schnell von statten geht und das Tempo sicher nicht zurückgefahren wird, ist die höchste Gabe (talentum - siehe Teil I) für seine Gestaltung die Flexibilität. „Flexibilität in allen Facetten - mit Blick auf das eigene Denken, neue Positionen, neue Aufgaben und Rollen innerhalb neuer Positionen sowie die monetären und geographischen Bedingungen, ist das Rüstzeug künftiger Karrieregestaltung“, weiß Michael AlliMadi, Geschäftsführer von apentia consulting group, der Personalvermittlung für den SAP-Markt aus zahlreichen Gesprächen mit Arbeitgebern und Personalentscheidern.

„Aus der Flexibilität im Denken erwächst eine weitere wichtige Fähigkeit, die vermehrt gefordert wird: unternehmerisches Denken. Wer Wandel steuern und Erfolg ernten will, kommt nicht daran vorbei, unternehmerisch zu handeln. Und zwar in beide Richtungen. Intern und extern“, so AlliMadi. Für das eigene Unternehmen (Vorgesetzte, Mitarbeiter, andere Ressorts), aber genauso für Fremdfirmen, in deren Dienst das eigene Unternehmen steht. stünde Kundenorientierung im Vordergrund. Auch wenn direkter Kundenkontakt gar nicht gegeben sei. Demnach ergeben sich laut AlliMadi Fragen wie, „was will mein Unternehmen, meine Abteilung, mein Umfeld von mir und was will der Kunde von meinem Unternehmen?“ „Was kann ich ganz persönlich dafür tun, daß diese Erwartungen erfüllt werden?“

Mutige Fragen und ehrliche Antworten

Aus diesen unternehmerischen Grundfragen heraus ergibt sich, daß der Einzelne verantwortlich ist für seine „Beschäftigungsfähigkeit“, oder neudeutsch „Employability“. „Würde ich mich selbst einstellen, wenn ich für die Firmenentwicklung und Kosten zuständig wäre?“ „Welchen Nutzen stifte ich konkret?“ „Würde ich mich behalten, wenn ich mich im Rahmen einer Entlassungswelle leicht loswerden könnte?“ Mutige Fragen, die ehrliche Antworten erfordern, wenn man daran wachsen will.

Zum Beispiel: Wenn seit Monaten klar ist, daß das Unternehmen an einen amerikanischen Konzern verkauft wird, ist man gut beraten, sein Schulenglisch aufzupolieren. Unabhängig davon, in wie weit die fachliche Komponente durch die Änderung betroffen sein wird. Wenn der Arbeitgeber das unterstützt - um so besser. Wenn nicht, sollte es auch ohne ihn gehen. Oder: wenn seit Monaten laut darüber diskutiert wird, daß das „Outsourcing“ der Abteilung geplant ist, sollte „Abwarten und Tee trinken“ ein Relikt der Vergangenheit sein, empfiehlt Personalberater AlliMadi. Wer auf der Welle des Wandels surfen will, sollte nicht nur darauf achten, im eigenen Unternehmen wertstiftend zu sein, sondern auch nach außen blicken und sich „arbeitsmarktfit“ halten. Dabei helfen erste Fragen wie:

- Welche Aufgaben und Rollen kommen auf mich zu?

- Welche Chancen bieten sich in den nächsten Jahren?

- Welche Erwartungen werden an mich, an meine Abteilung gestellt?

- Welche Entwicklungen sind in der Firma beziehungsweise in der Branche abzusehen?

- Welche Tätigkeiten interessieren mich neben meiner aktuellen Aufgabe?

- Welche neue Aufgabe, unabhängig von meinem Fachwissen, könnte ich übernehmen?

Die Antworten erfordern Flexibilität und Mut. In einer Studie des Instituts für Beschäftigung und Employability unter Leitung von Frau Prof. Dr. Jutta Rump heißt es:

Ein Wunschkandidat

... ist aktiv und ergreift Initiative, erkennt und nutzt Chancen,

... übernimmt Verantwortung für sich selbst, seine Entwicklung und setzt sich Ziele,

... erkennt die Konsequenzen seines Handelns,

... ist fleißig und engagiert sich,

... lernt kontinuierlich dazu und bleibt am Ball,

... ist fähig und bereit zur Zusammenarbeit,

... kann das, was er meint und möchte, auszudrücken und zur Geltung bringen,

... versetzt sich in andere hinein und hört zu,

... behält in ungewohnten oder belastenden Situationen einen klaren Kopf,

... geht konstruktiv mit schwierigen Situationen und Mißerfolg um,

... ist offen für Neues, ist neugierig,

... weiß, was er kann,

... und denkt regelmäßig über sich und seine Beschäftigungsfähigkeit nach.

Zu viel verlangt? Das ist wie mit dem Wetter - eine Frage der Einstellung und was man daraus macht. Wer von sich aus Spaß daran hat, eigeninitiativ, offen und kooperativ zu sein, wird Freude daran haben, den Wandel zu gestalten.

Die Wunschliste mag lang sein, aber eines ist bemerkenswert: Sie macht keine Angaben über Zeiteinsatz und Überstunden. Da ist es wieder eine mutige Frage, die eine ehrliche Antwort fordert, warum so viele Arbeitnehmer meinen, sich besonders gut zu positionieren, wenn sie Unsummen von Überstunden ansammeln, bis in die späten Abendstunden am Schreibtisch sitzen, um dann freudlos und müde nach hause zu gehen. Und ob das immer so wertstiftend ist.

Text: FAZ.NET

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