Von Joachim Herr
13. September 2006 So hat sich Håkan Samuelsson die Sache bestimmt nicht vorgestellt. Die Regie übernimmt der schwedische Vorstandsvorsitzende von MAN am liebsten selbst. Doch nun ist sein Plan durchgesickert, den schwedischen Konkurrenten Scania zu übernehmen. MAN mußte am Mittwoch auf die Spekulationen mit einer Ad-hoc-Mitteilung reagieren.
Auch wenn der Begriff Akquisition darin fehlt, Samuelssons Versuch, nach dem schwedischen Konkurrenten zu greifen, ist nun offiziell bestätigt. Noch im Juni hatte er in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt: Über mögliche Akquisitionen sprechen wir nicht. Darüber rede ich erst, wenn es etwas Konkretes gibt. Im Fall Scania ist damit in der nächsten Woche zu rechnen.
Er kauft den früheren Arbeitgeber
Scania ist für Samuelsson ein ganz besonderes Unternehmen. Der renditestärkste Lastwagenhersteller war mehr als 20 Jahre lang sein Arbeitgeber, ehe der Maschinenbauer mit Diplom im Jahr 2000 nach München zu MAN kam und zunächst Vorstandschef der größten Konzernsparte, der Nutzfahrzeuge, wurde.
Allein schon wegen seiner beruflichen Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen über ein Interesse Samuelssons an Scania. Das brachte seinen früheren Vorgesetzten Leif Östling, den Chef des schwedischen Lastwagen- und Busherstellers, immer wieder in Rage. Auch jetzt soll sich Östling gegen das Werben des Skandinaviers in München heftig wehren, wie zu hören ist.
Öl ins Feuer gegossen
Der Wechsel von drei Managern von Scania zu MAN im Frühjahr hatte Öl in das Feuer gegossen. Lars Wrebo ist im Vorstand der MAN Nutzfahrzeuge für das wichtige Ressort Produktion und Logistik verantwortlich, Per Gustav Nilsson war Leiter der osteuropäischen Wachstumsregion bei Scania. Dank der Verstärkung aus Schweden dürfte Samuelsson über die Schwächen von Scania noch immer sehr gut informiert sein.
Der MAN-Chef läßt sich von den Emotionen Östlings jedoch nicht beeindrucken. Seine Strategie verfolgt der 55 Jahre alte Manager konsequent mit dem klaren Ziel, die Rendite von MAN in allen vier verbliebenen Geschäftsfeldern gerade in Zeiten einer guten Konjunktur zu steigern und zu den jeweils Besten in der Branche aufzuschließen.
Sein Tempo beeindruckt
Andere Unternehmen arbeiten auch daran, doch Samuelssons Tempo beeindruckt. Rasch hat er im Sammelsurium der Geschäftsfelder und Beteiligungen des Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns aufgeräumt. Vieles auf der Verkaufsliste ist abgehakt: zum Beispiel das Raumfahrtunternehmen MAN Technologie, der Autozulieferer SHW oder das Weingut Sankt Antony.
Auf der Hauptversammlung im Mai zollten ihm die Aktionäre großen Respekt und spendeten viel Beifall. Dornröschen ist zur Freude der Aktionäre endlich wachgeküßt worden, rief eine für ihre oft harsche Kritik an Konzernlenkern berüchtigte Aktionärsschützerin dem MAN-Chef zu.
Nur noch vier Sparten
Samuelssons größter Coup war bisher die Trennung vom Druckmaschinengeschäft MAN Roland in diesem Jahr. Sein Bekenntnis zu den fünf Konzernsäulen hatte nicht lange Bestand. Nach dem Verkauf von 65 Prozent von Roland an Allianz Capital Partners besteht das Unternehmen noch aus vier Sparten: den Lastwagen und Bussen, den Dieselmotoren, den Turbomaschinen und den Industriedienstleistungen mit Ferrostaal.
Mit dem Rückzug aus dem Druckmaschinengeschäft hat der Schwede die Startbedingungen für die erwarteten Veränderungen in der Nutzfahrzeugbranche erheblich verbessert. Auf der Hauptversammlung sagte er voraus, die Größe der Unternehmen werde immer wichtiger. Mit dem Geld aus dem Verkauf von MAN Roland sei eine größere Akquisition zumindest finanziell keine Schwierigkeit.
Von Skaleneffekten und Synergien eines Zusammenschlusses mit Scania verspricht sich Samuelsson vermutlich, den Wert von MAN weiter zu steigern. Darauf kommt es ihm letztlich an. Seit der Aktienkurs kräftig gestiegen ist, sind die Gerüchte verstummt, MAN gerate ins Visier von Finanzinvestoren. Private-Equity-Gesellschaften könnten den Konzern wohl kaum besser auf Rendite trimmen als Samuelsson selbst.
Text: F.A.Z., 14.09.2006, Nr. 214 / Seite 14
Bildmaterial: Christina Pahnke - F.A.Z.
Das Ende der bayerischen ![]()
Kommentar: Evoniks neue Balance
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.883,02 | −0,35% |
| TecDAX | 820,74 | −0,25% |
| MDAX | 7.460,35 | +0,42% |
| SDAX | 3.558,00 | −0,07% |
| REX | 377,45 | +0,07% |
| Eurostoxx 50 | 2.912,80 | −0,47% |
| Dow Jones | 10.441,10 | −0,10% |
| Nasdaq 100 | 1.800,82 | +0,15% |
| S&P500 | 1.109,18 | +0,11% |
| Nikkei225 | 10.163,80 | −0,13% |
| EUR/USD | 1,4391 | −0,94% |
| Rohöl Brent Crude | 73,83 $ | −0,97% |
| Gold | 1.137,50 $ | +1,38% |
| Bund Future | 122,95 € | +0,27% |