Von Joachim Herr
16. Juli 2008 Die Hopfenbauern in der Hallertau sind guter Dinge. Warmes und feuchtes Wetter bestimmt bisher den Sommer im größten Hopfenanbaugebiet der Welt. So haben es die Dolden, aus denen Aroma- und Bitterstoffe für Bier gewonnen werden, am liebsten. Doch für eine Prognose über die Ernte ist es noch zu früh. "Entscheidend ist die Zeit zwischen dem 15. Juli und dem 20. August", sagt Josef Wittmann. Er ist Vorsitzender des Hopfenpflanzerverbands Hallertau und bewirtschaftet selbst 40 der knapp 15.000 Hektar in der nördlich von München gelegenen Region.
Im vergangenen Jahr hatten die Bauern schmerzlich die Abhängigkeit vom Wetter zu spüren bekommen. Mitte Juli hatte es - wie in dieser Saison - noch gut ausgesehen. Doch für die besonders wichtige Sorte "Magnum" wurde es dann zu kalt, und die Ernte blieb unter dem langjährigen Durchschnitt.
Aber nicht nur das Wetter treibt die Pflanzer und Händler von Hopfen um. Dass sich zwei der drei größten Brauereikonzerne der Welt - Inbev in Belgien und Anheuser-Busch in Amerika - zusammentun, beunruhigt die Rohstofflieferanten. Wittmann bezeichnet die verschärfte Konzentration auf dem Biermarkt als "Unsicherheitsfaktor". 80 Prozent der Sorte "Hallertauer Mittelfrüher" nimmt Anheuser-Busch ab. "Jetzt müssen wir abwarten, ob auch der neue Eigentümer Inbev diese Menge kauft."
Brauer und Hopfenanbieter: eine symbiotische Schicksalsgemeinschaft
Stephan Barth, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter von Joh. Barth & Sohn in Nürnberg, will zu diesem Thema am liebsten gar nichts sagen. Seine Zurückhaltung erklärt er mit Diplomatie: "Eine Fliege sollte nie kommentieren, wenn Elefanten tanzen." Auf dem Hopfenmarkt ist Joh. Barth & Sohn allerdings ganz groß. Die Barth-Haas-Gruppe, zu der neben den deutschen Unternehmen Gesellschaften in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, China und Australien gehören, verarbeitet und vermarktet rund ein Drittel der Hopfenernte in der Welt. In diesem Geschäftsjahr, das am 31. Juli endet, erwartet die Gruppe mit 600 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro.
Die Konzentration auf dem Biermarkt sei schon seit Jahrzehnten eine Herausforderung für das in der achten Generation geführte Familienunternehmen, sagt Stephan Barth. "Man muss Partner mit einem guten Geschäftsmodell sein." Dann sei auch nicht zu befürchten, von den Großen über den Tisch gezogen zu werden. Zudem spiele das Verhältnis von Angebot und Nachfrage eine entscheidende Rolle. "Die Brauer und die Hopfenanbieter sind in einer symbiotischen Schicksalsgemeinschaft vereint."
In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Position der Lieferanten des "grünen Goldes", wie die Pflanzen mit den Bitterstoffen genannt werden, erheblich verbessert. Die Nachfrage stieg mit dem wachsenden Bierdurst in der Welt, und die Hopfenernten in den vergangenen zwei Jahren fielen knapp aus. "Manche Brauereien mussten wegen des Hopfenmangels sogar ihre Rezepturen ändern", berichtet Barth. Für den normalen Biertrinker sei ein etwas geringerer Anteil von Bitterstoffen allerdings nicht zu schmecken. Die Vorlieben ändern sich ohnehin. Der Deutsche Brauer-Bund hat eine Tendenz festgestellt. "Mildere Biere werden präferiert", sagt Marc-Oliver Huhnholz, der Sprecher des Verbands. Regional gebe es aber nach wie vor Unterschiede: Bayerisches Bier sei vergleichsweise mild, norddeutsches herb.
Ernten bis 2012 schon weitgehend verkauft
Trotz dieser Entwicklung profitieren die Hopfenbauern von der wenn auch nicht in Deutschland, so doch in Regionen wie China oder Osteuropa wachsenden Nachfrage nach dem Gerstensaft. Außerdem verringerte sich bis 2006 wegen der Stilllegung von Anbauflächen das Angebot. Die Preise auf dem Spotmarkt haben sich von 2005 bis 2007 etwa verzehnfacht. Auch die Konditionen der langfristigen Vorverträge mit den Brauereien haben sich verbessert. Hopfenbauer Wittmann berichtet von Preisen von mehr als 4 Euro je Kilogramm, vor einigen Jahren waren es 2,50 Euro. Die schlechten Preise gälten noch für ein Viertel der Vorkontrakte, sagt Wittmann. Bis 2012 seien die Ernten weitgehend schon verkauft.
Doch schon machen sich wieder Sorgenfalten breit. "Die hohen Energiekosten und Preiserhöhungen für Rohstoffe kosten uns 50 Cent je Kilogramm", rechnet Wittmann vor. Das halbiere in etwa den Gewinn für die Bauern. Für die Trocknung der Hopfenernte eines Hektars wird mit 1000 Litern Heizöl kalkuliert. Der Preis für den jedes Jahr erneuerten Auflaufdraht, an dem die Kletterpflanzen entlangwachsen, ist um rund 50 Prozent gestiegen. Auch Hopfenhändler Barth erkennt darin eine Gefahr: "Wenn es in dem Tempo mit den Preissteigerungen weitergeht, haben wir alle ein Problem."
Klagen sind auch vom Brauer-Bund zu hören. "Angesichts der Kostensteigerungen müsste schon wieder eine Preiserhöhungsrunde für Bier anstehen", sagt Marc-Oliver Huhnholz. Hopfen mache mit 1 bis 2 Prozent einen relativ kleinen Anteil der Herstellkosten aus. Die ebenfalls teurer gewordene Braugerste falle mit 7 bis 8, mittlerweile vielleicht sogar mit 10 Prozent ins Gewicht. Wichtig und unverzichtbar sind beide Zutaten: Das Reinheitsgebot ist den deutschen Brauern heilig.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa, F.A.Z. - Barth-Haas-Gruppe
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