Russland und Ukraine

Die Feinde des Gaskompromisses

Moskau, Kiew und dunkle Interessen: Noch im Februar glaubte man, der Streit über Russlands Gaslieferungen an die Ukraine und den Transit nach Europa sei beigelegt. Doch obskure Zwischenhändler und undurchsichtige Profiteure torpedieren die Einigung. Von Konrad Schuller, Warschau

Lesermeinungen zum Beitrag

06. März 2008 16:29

Wenn von den überhöhten Preise wenigstens den Russen profitieren könnten!

Gabor von Zoltan (Putinras)

Klar, die mafiösen Oligarchen, die sich auf abgefackelten Grundstücken der beraubten Vorbesitzer auf der Rubljovka breit machen, sind natürlich auch Russen!
Ich denke dagegen an die einfachen Bürger, die ihr Geld lauter verdienen: Würden wir im Westen deutlicher vernehmen, dass der vollkommen überrissene Preis fürs russische Exklusivgas zumindest DIREKT in sinnvolle Projekte flösse, wäre diese Kröte wesentlich einfacher zu schlucken.
Das Gegenteil ist der Fall!
Als haarsträubendes Beispiel wäre nur schon die BRD-Hilfe für die Entsorgung der verseuchten Reste der nuklear betriebenen U-Boote zu erwähnen. Dieser Risikomüll mit GAU-Potential bedroht alle Anrainer (wenn nicht ganz Europa), die Russen selbst aber am Allermeisten.
Trotzdem gabs von der deutschen Bundesregierung (bis Anfang letzten Jahres?) Millionenbeihilfen zur Entsorgung; während Russland in den Devisen ihrer überrissenen Gaspreise schon fast ersäuft; während sich Putin mit neuen "Wunderwaffen" brüstet; während in den unhaltbaren Zuständen der Gefängnisse resistente TBC-Bakterien "gezüchtet" werden, die ebenfalls zuerst die Russen selbst gefährden.
Ein paar Strassen für die SUVs der Kleptokraten und deren Trinkgelder eröffnen noch niemandem echte Perspektiven!

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06. März 2008 11:32

Die Feinde des Gaskompromisses, von Hermann Bohle

Hermann Bohle (Hermann.Bohle)

Verdienstvoll, dass die FAZ endlich aufzeigt, wie nicht der böse Putin als heimtückischer Machtmensch die Nachbarn mit Gasentzug politisch erpresst. Ganz wie bei uns machen schlichte oder auch dunkle Geschäftsinteressen den Ärger - man denkt an die Preistreiberei unserer Energie"versorger" (deren Leitungen derweil vergammeln) oder an den in Washington beginnenden Kampf um die EADS-Tankflugzeuglieferung für die US Air Force. Nur - und erst - der starke Staat macht Marktwirtschaft sozial und auf Dauer mehrheitsfähig. Keiner wusste das besser als Ludwig Erhard, der Westdeutschland 1948 die "Soziale" Marktwirtschaft brachte. Vor fast genau 60 Jahren, beim CDU-Parteitag der britischen Besatzungszone, bekannte Erhard: Es irre, wer ihm den (Neo)-Liberalismus "unterschiebe" - "den lehne ich ab!" 1961 wiederholte er das vor Österreichs Industriellen in Wien. Dieses Grundprinzip (an das sich Merkel trotz des Leipziger CDU-Parteitags gottlob wieder erinnert) fehlt heute in Russland. Es ist nun kapitalistischer als Westeuropa, sagt der Berliner Russlandexperte Alexander Rahr. Enger deutsch-, besser: europäisch-russischer Schulterschluss muss das ändern.

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06. März 2008 08:52

V. Zoltan

Server Izmailov (Philos9955)

Zum Thema, es geht darum das Frau Timoschenko einfach den Hals nicht voll bekommt, in der Ukraine hat sich nicht wirklich politisch etwas geändert. Sie war und ist korrupt. Sie kämpft gegen alle und auch gegen ihren "Verbündeten" Juschenko. Noch ergänzend Frau T. ist nicht pro westlich sondern, pro ihre eigne Tasche!

MfG Philos

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05. März 2008 14:02

v. Zoltán

Alexander Sobeslavsky (Sobeslavsky)

Sie sprechen von einer angemessenen Bezahlung für das russische Gas für die Ukraine - warum soll denn die Ukraine Gas zum Vorteilspreis bekommen, wenn er auf dem Weltmarkt den und den Preis hat?
Es ist doch eigentlich offensichtlich, egal ob es sich dabei um die USA, Japan, Iran, Frankreich usw. handelt, dass in den Wirtschaftsbeziehungen zu den jeweils anderen Ländern sich jeder selbst der nächste ist; aus diesem Grund gar nicht verwunderlich, dass Russland sich dem "Egoisten-Club" anschließt und sein Geld einfordert.
Die kurzfristige "Geldmacherei" der Russen finde ich insofern durchaus gerechtfertigt und gut, als das die Infrastruktur des Landes auf Trab gebracht wird, was man in Russland (wo ich ab und zu mal bin) durchaus sehr sichtbar und in der Bevölkerung spürbar ist.
Und es ist immer besser, dass das Geld im Lande bleibt, als dass es auf den Konten irgendwelcher Investitionsbanken a la Finkelstein, Goldman/Sachs usw. in New York angehäuft wird.
Im Übrigen entscheidet ja nun nicht Russland über die Energieversorgung der EU: es steht allen frei Raps anzubauen, Windmühlen und andere Energieträger zu verwenden.
MfG aus Berlin

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05. März 2008 13:37

Verantwortungsbewusstsein?

Werner Stettner (WStettner)

Ich finde es von der Ukraine un-veranwortlich, dass sie

1. Ihren Verbindlichkeiten gegenüber Russland nicht nachkommt, und wenn, dann sehr schleppend. Diese Hinhaltetaktik der Ukraine ist bereits seit Jahren zu beobachten.

2. es wagt, unsere Gasversorgung durch eigenes diletantisches Verhalten bewusst(!) zu gefährden.

Ob in der Mikro- oder Makroökonomie; wer Leistungen in Anspruch nimmt, der hat für selbige natürlich zu bezahlen. Aber in diesem Bereich weist der ukrainische Verstand drastische Mängel auf. Meiner Meinung nach äußerst verantwortungsLOS!

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05. März 2008 10:20

kurzfristige Denke der Claceure

Gabor von Zoltan (Putinras)

Den Quelle-Vergleich Herr Sobeslavsky, können wir uns gerne etwas genauer anschauen:

Bestelle ich einen Kühlschrank beim Vertreiber Quelle, habe ich mich für einen unter mehreren Typen verschiedener Fabrikate entschieden, die mir der Vertreiber zur Auswahl bietet. Zudem gehe ich davon aus, dass das angemessene (!) Geld - relativ transparent - bei Vertreiber und Hersteller aufscheint.

Die "Vertreiber" des russischen Gases setzen dagegen alles daran, dass Europa ja keine Alternativen erschlossen werden und dass sie - am liebsten auf immer und ewig - Monopolist bleiben. Der Hintergrund dieser "Gesellschaften" ist ebenso nebulös wie die Strukturen, in denen das Geld (das in keiner Proportion zum Produktionsaufwand mehr steht) versickert... Erfüllen also genau ihren Zweck.

Es handelt sich bei Energie im Gegensatz zu einem Kühlschrank um ein Gut, das die Wirtschaftslage Europas und der Welt (also auch Russlands!) beeinflusst. Das Regime in Moskau hat jedoch nur kurzfristigstes Geldmachen im Sinn, leitet den Gewinn - an den gewaltigen Problemen des eigenen Landes vorbei! - in Oligarchentaschen und erfreut sich daran Nachbarn einzuschüchtern. Dass es dabei noch beklatscht wird, spricht bloss gegen die Intelligenz der Claceure.

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05. März 2008 07:22

Gaskompromiss?

Alexander Sobeslavsky (Sobeslavsky)

Beim Abdrehen des russischen Gases geht es nicht - wie FAZ - um irgendwelche "dunkle" Interessen, sondern darum, dass die ukrainische Seite das Gas nicht bezahlt. Wenn ich mir bei Quelle einen Kühlschrank bestelle und ihn nicht bezahle, muß ich ihn entweder zurückkeben bzw. der Gerichtsvollzieher kommt zu mir. Genauso mit der Ukraine: bei Nichtbezahlen kann das Gas ja nicht wieder rückgeführt werden, sondern das einzige, was verbleibt ist das Abschalten. Bei so viel Verständnis für die Ukraine sollte sich doch die USA plus EU endlich mal dazu durchringen, die Schulen der Ukraine bei Gasprom zu begleichen! Ohne sie zurückzufordern - natürlich...

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05. März 2008 07:06

Ausser Rohstoffen einfach nix zu bieten

Gabor von Zoltan (Putinras)

Klar wird da von Russland so lange wie möglich Kasse gemach - und damit die Kriegskasse zum Kaufen alles Käuflichen aufgefüllt. Denn... Ausser Rohstoffen haben die Russen immer noch nichts.
Mit Ausnahme der auch nicht eben dem Humanismus verpflichteten Rüstungsindustrie... Und selbst die konnte nur mit derselben alliierten Hilfe aufgebaut werden, die den Sieg über das dritte Reich erst möglich machte.
Dass sich bei so viel Unvermögen ein ordentliches Quantum Minderwertigkeitskomplexe angesammelt haben muss, ist nachvollziehbar.
Schade bleibt nur, dass Russland nichts Vernünftiges zu tun fähig scheint, was diesen Makel lindern könnte: Weniger Grossmannssucht, Konzentration auf das Wohlbefinden der Bürger (also nicht nur der Oligarchen), Bekämpfung der Korruption, seriöse Gerichtsbarkeit.
Nichts davon passiert; die Nachbarn werden zwar bis zur letzten Kopeke ausgequetscht, doch die Bürger des rohstoffreichen Russlands sehen davon nur etwas Trinkgeld aus Mafiosohand.
Das Zarenreich ist eine Nation die mit der Vehemenz eines quengelnden Kindes einen bedeutenden Platz in der Weltgeschichte einfordert, aber bei Lichte betrachtet nie auch nur die Bohne dazu beiträgt, dieser Weltgeschichte einen positiveren Spinn zu verleihen.

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