Nürnberger Spielwarenmesse

Sprechende Brettspiele und Lego mit Scheinwerfern

Von Georg Giersberg

Ein Teddybär mit dem man Kuscheln, Musik hören und Videos anschauen kann

Ein Teddybär mit dem man Kuscheln, Musik hören und Videos anschauen kann

06. Februar 2008 In den kommenden Tagen quietscht, leuchtet, blinkt und brummt es wieder auf dem Nürnberger Messegelände. Eine Million verschiedener Produkte präsentieren die fast 2700 Aussteller aus aller Welt vom 7. bis 12. Februar bei der Spielwarenmesse. 70.000 Neuheiten werden zu sehen sein - nur wenige andere Branchen leben so stark von Neuheiten wie die Spielwarenbranche. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes macht sie mit Artikeln, die es ein Jahr zuvor noch nicht gab. 80.000 Händler aus aller Welt werden in diesem Jahr nach Nürnberg kommen, um auszuwählen, was die Kinder im Jahr 2008 zu Weihnachten unter dem Christbaum finden sollen.

Wird es der ferngsteuerte „ADAC-Koaxial-Hubschrauber“ von Dickie-Tamiya sein, der zum stolzen Preis von 189 Euro immerhin zehn Minuten in der Luft bleibt? Oder kann es sein, dass die Firma Busch mit ihrem Modell einer Landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaft nicht nur ostdeutsche Nostalgiker anspricht? Hat Playmobil mit seiner Spielwelt rund um das Thema Hochzeit den Traum aller Kinder richtig interpretiert? Oder wollen die Kinder lieber Hausstaub über ein Handmikroskop auf dem Fernsehschirm untersuchen?

Otto E. Umbach, Geschäftsführer von Idee + Spiel, Hildesheim, glaubt, dass Lego mit seiner Spielwelt zur neuen Fernsehserie „The Clone Wars“ aus der Reihe Star Wars erfolgreich sein wird. „Wir rechnen damit, dass Star Wars / Clone Wars in diesem Jahr die umsatzstärkste Spielwarenlizenz sein wird und dass Lego Lieferprobleme bekommen wird.“ Aber vielleicht ist es auch der lebensgroße Golden-Retriever-Hund von Hasbro, der sich lebensecht bewegt, auf Kommandos hört und Pfötchen gibt – dank eingebauter Elektronik.

Elektronik, Elektronik, Elektronik

Das ist der übergreifende Trend in diesem Jahr: Elektronik, Elektronik, Elektronik - und zwar eingebaut in klassische Spielwaren. Fast kein Spielzeug kommt mehr ohne Elektronik aus: Das Brettspiel spricht mit dem Spieler, die Plüschpuppe verfügt über einen Bildschirm, der zum elektronischen Familienalbum wird und der Lego-Geländewagen hat helle LED-Scheinwerfer.

Der Aufbruch in der Technik geht mit Tristesse im Geschäft einher. Die meisten Handels- und Industrievertreter murmeln auf die Frage nach dem Umsatz etwas von Stagnation, von gleichbleibenden Zahlen oder geringen Zuwächsen. Eine Tatsache ist aber, dass in Deutschland der Markt für traditionelles Spielzeug schrumpft. Der Umsatz hat im vergangenen Jahr nach den Angaben des Nürnberger Marktfoschungsunternehmens NPD-Group zwar um 1 Prozent zugenommen auf 2,2 Milliarden Euro. Preisbereinigt sei das aber ein Rückgang um 4 Prozent, sagt Marktforscher Werner Lenzner von der NPD-Group.

Mehr Konsolen, weniger traditionelle Spielwaren

Verwunderlich ist das nicht. Spielen die Kinder doch mehr und mehr mit rein elektronischem Spielzeug. Der Umsatz mit Videospielen für die Kosolen von Nintendo, Sony oder Microsoft und mit PC-Spielen ist um fast ein Drittel auf 1,3 Milliarden Euro gestiegen. Auch wenn dazu noch keine endgültigen Zahlen vorliegen, dürfte der Wert von dieser Schätzung nur wenig abweichen, so dass in Deutschland insgesamt gut 3,5 Milliarden Euro für Spielwaren ausgegeben werden – nur immer weniger im Spielwarenhandel, der sich auf das traditionelle Sortiment konzentriert.

Aber es gibt auch dort einige Lichtblicke: Für Gesellschaftsspiele sind in Deutschland erstmals mehr als 400 Millionen Euro ausgegeben worden. Pokerkarten waren im abgelaufenen Jahr ein Bestseller, mit dem die Spielwarenbranche Kunden bis zum Alter von 30 Jahren erreichte. Playmobil macht mit seinen Figurenwelten seit Jahren ein gutes Geschäft in Deutschland, ebenso wie Ravensburger. Auch Lego – im vergangenen Jahr wieder Marktführer am deutschen Markt – und der Plüschtierhersteller Steiff haben ihre Krisen hinter sich und gestalten den Markt aktiv mit.

„In China bekommt man jede Qualität - die man bezahlt“

Die Spielwarengruppe Simba-Dickie meldet ein kleines Plus im Inland, obwohl die Firma einen großen Teil ihrer Produkte aus China bezieht. Die Rückrufaktionen des vergangenen Herbstes durch Mattel, den größten Spielwarenhersteller der Welt, haben die Branche belastet. China wird aber trotzdem der größte Spielwarenhersteller der Welt bleiben. Drei Viertel aller Spielzeuge auf der Welt kommen von dort. Nicht alle sind minderwertig, denn „in China bekommt man jede Qualität – die man bezahlt“, versichert Idee + Spiel-Geschäftsführer Umbach, dessen Einzelhandelskooperation in jedem Jahr mehr aus China importiert. Wer Rummelware suche, finde sie, und wer Qualität suche, finde auch diese, sagt auch Michael Sieber, Inhaber der Simba-Dickie-Gruppe, die gerade durch Beteiligungen an chinesischen Werken die Qualität sichern will.

Sicherheit hat aber auch ihren Preis. Der Verbraucher wird daher in diesem Jahr mehr ausgeben müssen. Wegen der Sicherheit, aber auch wegen höherer Frachten und teurerer Rohstoffe werden die Preise steigen. Der Handel geht von 3 bis 4 Prozent, die Industrie von bis zu 10 Prozent aus. Auch hier wird die Messe zeigen, wer sich durchsetzt. Die Erfahrung der vergangenen Jahre lehrt, dass gerade im Weihnachtsgeschäft, auf das 40 Prozent des gesamten Jahresumsatzes entfallen, die Preise purzeln. Hier machen die branchenfremden Vertriebsformen (Supermärkte, Discounter) mit ihren einmaligen Saisonangeboten dem Fachhandel zu schaffen.

Nur ein Teil des Marktes

Der Fachhandel wird sich zusammenschließen müssen, wenn er seine Stellung halten will. Auch die überraschende Trennung der Einzelhandelsverbände Vedes und Idee + Spiel widerspricht dieser Erkenntnis nicht. Nachdem sie die vor eineinhalb Jahren gegründete Toy Alliance aufgekündigt hatten, startete Vedes sofort eine neue Zusammenarbeit mit der Einkaufskooperation Duo Schreib & Spiel. Einschließlich der Geschäfte des neuen Partners kommt Vedes (inklusive Spielzeug-Ring und Ardek) auf einen Außenumsatz von 1,1 Milliarden Euro. Nicht wenige in der Branche können sich vorstellen, dass auch die Bielefelder Gruppe Spiel & Spass mittelfristig zur Vedes stößt.

Die Nürnberger Vedes-Gruppe ist mit mehr als einhundert Jahren nicht nur die älteste und bekannteste Marke im Spielwarenhandel, sie hat die Krise der vergangenen Jahre auch gut genutzt, um sich zukunftsfähige Strukturen zu schaffen. Was ihr allerdings fehlt, ist die Elektronik. Das steht fast exemplarisch für die Nürnberger Messe insgesamt: Sie zeigt eine große Vielfalt an traditionellen Spielwaren – aber damit eben auch nur einen Teil des Marktes.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

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Hubschrauber flieg!Ganz klassisch: Ein hölzernes Spielsortiment zum Legen Bauen und BalancierenDer Klimawandel geht auch an den Kleinsten nicht vorbei: Demnächst sollen sie mit diesem wasserstoffbetriebenen Spielzeugauto spielenGanz traditionell: Modelleisenbahn von FleischmannGanz klein: Modelleisenbahn eines japanischen HerstellersOtto E. Umbach, Geschäftsführer von Idee + Spiel mit einer Pyramiede von Playmobil Auch ein Hubschrauber - mit etwas anderem DesignGesellschaftsspiele sind wieder sehr beliebtZum Austoben: Das “Moov“-SchiebeautoDas Ganze in modern: Elektrolok der Piko Spielwaren GmbH SonnebergDarf in Nürnberg natürlich nicht fehlen: Eisbärin FlockeKein Karnevalshut, sondern ein Quizspiel. Die Spieler müssen durch Nicken und Kopfschütteln Fragen beantworten.