Schwarzmarkt

Hier gibt es noch EM-Tickets

Von Patrick Bernau

21. Mai 2008 Würde ein Arzt das EM-Fieber der Deutschen messen, er käme zur Diagnose "erhöhte Temperatur". Und das Fieber steigt immer weiter. Nur noch drei Wochen bleiben bis zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz, am Freitag hat Bundestrainer Jogi Löw die EM-Mannschaft vorgestellt, die bereits bestellten Eintrittskarten zu den Spielen kommen dieser Tage bei ihren Empfängern an - und viele Leute fragen sich jetzt: Kann ich noch irgendwo an ein Ticket kommen?

Die Antwort ist klar: nicht auf offiziellem Weg. Die Fußballverbände Uefa und DFB haben all ihre Tickets verteilt und sogar noch einige mehr. Denn einige Fans haben Ticketoptionen für die Finalspiele bekommen. Wenn die Deutschen schon vorher ausscheiden, verfallen die Optionen, und die Fans bekommen ihr Geld zurück. Wer aber jetzt noch nicht mal eine Option hat, der geht nach dem Willen der EM-Organisatoren leer aus.

Gruppenspiele der Deutschen: Plätze ab rund 400 Euro

Das muss aber nicht so bleiben. Denn für jedes EM-Spiel gibt es zumindest noch einige Tickets auf dem Schwarzmarkt. Auf Handelsplattformen wie Ebay und Viagogo treffen sich Kartenbesitzer und Kartenlose bis drei Tage vor dem Spiel und tauschen Tickets gegen Geld. Die Käufer müssen sich den Fußballspaß allerdings einiges kosten lassen. Teils kosten die Eintrittskarten das Zehnfache des offiziellen Preises, der bei mindestens 45 Euro lag.

Zwar sind die günstigsten Schwarzmarkttickets für etwas weniger als 250 Euro zu haben. Mit den Tickets aus dieser Preisklasse kommen die Fans aber nur zu Spielen wie Rumänien gegen Frankreich auf die Tribüne. Bei Gruppenspielen der Deutschen gibt es Plätze ab rund 400 Euro - teils im Fanblock der Gegner. Die teuersten Tickets fürs Finale kosten auch mal 5000 Euro.

Tickets sind mit Namen versehen

In jedem Fall ist aber die Zitterpartie im Preis enthalten: Komme ich mit meinem teuren Ticket überhaupt ins Stadion? Wenn es nach den Veranstaltern geht, dann nicht. Denn die Uefa will den Schwarzmarkt eindämmen. Zwei Dinge ärgern den Europäischen Fußballverband besonders: Menschen, die sich bei der offiziellen Ticketzuteilung mehr Karten erschlichen haben, als vorgesehen war. Und Tickets, die im Wiederverkauf mehr gekostet haben als den Ursprungspreis - in der Praxis sind das so gut wie alle Schwarzmarkttickets. Darum hat die Uefa auf jedes Ticket den Namen desjenigen geschrieben, der diese Karte bestellt hat. Und wer dann vor dem Spiel ohne denjenigen an die Stadiontür kommt, der die Tickets bestellt hat, dem wird die Tür möglicherweise vor der Nase zugeschlagen. Es sei denn, der alte Besitzer hatte eine schriftliche Erlaubnis der Uefa, das Ticket weiterzugeben.

Das zumindest sind die Drohungen der Uefa, und um die Fans vom Schwarzmarkt abzuhalten, rasselt sie laut mit den Säbeln: 20.000 erfolgreiche Ticket-Bestellungen seien schon storniert, sagt EM-Organisationschef Martin Kallen. Diese Tickets werden erst gar nicht mehr ausgeliefert.

Ein kleines Risiko bleibt

Trotzdem könnten die Fußballfans auch Tickets von Handelsplattformen weitgehend unbesorgt nutzen - das sagen zumindest die Betreiber der Handelsplattformen. Und der Kölner Rechtsanwalt Karl Hamacher aus der Kanzlei Jonas, Sportrechtler im Deutschen Anwaltverein, pflichtet ihnen bei: "Mein Rechtsgefühl sagt mir, dass es die Uefa damit nicht leicht haben wird." Außerdem könne die Uefa vor Ort gar nicht alle Karten kontrollieren, allenfalls Stichproben seien möglich. In der Kontrolle sieht auch Hamachers Münchener Kollege Thomas Summerer, Partner der Kanzlei CMS Hasche Sigle, das Problem. Er hält zwar die Uefa-Bedingungen eigentlich für rechtmäßig. Doch wenn ein Kartenbesitzer vor dem Stadion behauptet, er habe die Tickets zum Normalpreis bekommen, werde er am Ende wahrscheinlich zum Spiel gelassen.

Ganz sicher ist das allerdings nicht. Wer ein Ticket auf dem Schwarzmarkt kauft, behält auf jeden Fall ein kleines Risiko. Die Internet-Handelsplattform Viagogo übernimmt darum eine Garantie: "Wenn ein Käufer mit dem Ticket nicht ins Stadion kommt, erstatten wir ihm den Kaufpreis", sagt Daniel Nathrath, der Chef für den deutschsprachigen Raum.

Fanmeile in Berlin öffnet erst zum Halbfinale

Wer ein bisschen weiter sucht, der findet möglicherweise auch anderswo noch günstigere Tickets - auf Seatwave zum Beispiel. Wer ein Spiel der deutschen Mannschaft besuchen will, sucht am besten in Ländern, die sich für dieses Spiel kaum interessieren, wie auf dem französischen oder britischen Ebay. Dort ist zwar das Ticket-Angebot für die Spiele der Deutschen kleiner, aber mangels Nachfrage steigen die Preise dort in vielen Fällen trotzdem nicht so hoch wie auf den deutschen Seiten. Wichtig ist nur, dass die Websites Tickets von vielen unterschiedlichen Anbietern vermitteln. Reine Schwarzmarkthändler, die die Tickets auf eigene Rechnung verkaufen, verlangen meist viel zu viel, oft vierstellige Beträge für schlechte Plätze.

Wer trotz allem kein Ticket mehr findet, der muss mit Public Viewing vorliebnehmen. Doch in Deutschland wird das Angebot kleiner als zur Fußball-WM. Die große Fanmeile in Berlin etwa öffnet erst zum Halbfinale. Andere Großstädte wie Hamburg, Dortmund und Dresden fangen schon früher an. Viele weitere Städte machen dafür gar nichts. Wenigstens bleibt noch die Kneipe. Oder ein Grillabend mit Fernseher und Freunden.

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Der kleine Reiseführer zur Europameisterschaft

So kommen Sie hin.

Sowohl die Lufthansa als auch Billigairlines wie Tuifly fliegen während der Europameisterschaft häufiger nach Österreich und in die Schweiz als sonst. Tuifly bietet sogar nach den ersten beiden Spielen der deutschen Mannschaft noch einen Rückflug nach Köln an. Zwar sind bei beiden Airlines schon viele von den billigsten Tickets weg, aber es gibt noch Plätze. Bei der Deutschen Bahn gilt das Sonderangebot von rund 40 Euro pro Strecke, dafür gibt es auch noch Tickets.

So finden Sie ein Bett.

Es gibt noch Betten, aber EM-Besucher müssen suchen. Die Internetseite der Uefa hilft dabei nicht viel, denn die Zahl der dort angebotenen Unterkünfte ist klein. Mehr bieten die EM-Seite des „Hotel-Reservierungssystem“ HRS und die wichtigen Zimmervermittlungen der Gastgeberländer, etwa Switzerland.com. In der Rubrik „Unterkunft“ findet man dort Hotels, private Zimmer, Bed & Breakfast und Campingplätze. Wer nach Österreich fährt, guckt bei Austria.info. Eine andere interessante Besonderheit sind Fancamps zum Zelten. Private Inserate für beide Länder gibt's auf www.sleep-in.ch.

So fahren Sie durch die Alpen.

EM-Tickets gelten als Bus- und Bahnfahrkarten am Spieltag und am Tag danach bis zwölf Uhr mittags. Für die anderen Tage bietet die Schweizer Bahn zudem für 300 Euro eine Karte an, mit der EM-Gäste den ganzen Juni durch die Schweiz fahren können. Mit einer Karte für 40 Euro zahlen Bahnfahrer in der Schweiz und Österreich nur den halben Preis.

So telefonieren Sie am günstigsten.

Das Handy ist im Ausland teuer, schließlich zahlt man sogar Auslandsgebühren, wenn man angerufen wird. Österreich profitiert dabei vom relativ günstigen EU-Tarif, die Schweiz ist noch teurer. Dagegen helfen Angebote wie die von Cellity oder Sparruf. Sie installieren kleine Programme auf dem Handy, die das Telefonieren vergünstigen. Teuer bleiben Anrufe trotzdem - wie viel sie genau kosten, das hängt vom eigenen Handytarif ab. (nokr./bern.)



Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa

 
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