17. Mai 2008 Erstmals nimmt ein Spitzenbanker Stellung zu den Vorwürfen von Bundespräsident Horst Köhler, Finanzmärkte seien Monster, die in ihre Schranken gewiesen werden müssten. Es wäre schädlich für unser künftiges Wirtschaftswachstum und unseren Wohlstand, Finanzinnovationen generell zu dämonisieren, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: Nur ein kleiner Teil des Finanzsystems hat den Markttest nicht bestanden, fügte Ackermann hinzu.
Der Schweizer Banker lehnte es ab, das von Köhler geforderte Schuldbekenntnis (Köhler: Ein klar vernehmbares Mea Culpa vermisse ich noch immer) zu geben: Ich fühle mich da nicht angesprochen, sagte Ackermann: Schon im vergangenen Sommer habe ich gesagt, dass die Banken Fehler gemacht haben - inklusive wir selbst. Ackermann bestreitet zudem die Aussage Köhlers, im Verlauf der Krise habe die Gefahr des Zusammenbruchs der Weltfinanzmärkte bestanden: Davon kann keine Rede sein. Und er ergänzte: Ich sehe keine Anzeichen für eine neue Weltwirtschaftskrise. Die Auswirkungen der Krise auf die Realwirtschaft nannte er erträglich.
Der Deutsche-Bank-Chef plädierte dafür, auf Basis einer sauberen Ursachenanalyse gemeinsam den Schaden infolge der aktuellen Finanzkrise zu begrenzen. - Ich bin an einer Problemlösung interessiert, an nichts anderem. Anders als Köhler will er aber nicht den Internationalen Währungsfonds zu einem neuen Aufsichtsorgan für die Stabilität der Finanzmärkte machen. Stattdessen sprach Ackermann sich dafür aus, eine Art Weisen-Rat zu gründen, der systematisch nach möglichen Übertreibungen forschen und rechtzeitig Alarm schlagen kann.
Das vollständige Interview: Ackermann: Ich sehe keine Indizien für eine neue Weltwirtschaftskrise
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP
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