
ALGII-Empfänger bekommen zu wenig zum Leben, aber zu viel zu einem Darben, das unserem nach Geldwert messenden Mitgefühl als „ehrlich“ erscheinen möchte. Doch haben sie etwas davon, daß um ihrer Versorgung willen andere – nämlich hart Arbeitende, deren Leistung im Wirtschaftssystem (wert-)freier Märkte unzureichend nachgefragt wird, – im Verteilungssystem des von der (anti-keynesianischen) Wirtschaftspolitik im Stich gelassenen Sozialstaates zu Recht sich ausgenutzt vorkommen? Hartz IV mag „kalt“ sein oder auch nicht, aber aber es IST ein Schritt weiter in den Abgrund des sozialen Nihilismus. Es sendet die Botschaft an jeden der „Überflüssigen“, daß er (a) so oder so nichts nütze ist (Arbeitslohn 1-2 Euro), (b) trotzdem „arbeiten“ soll (sich wie ein Sisyphos bewerben oder verzweifelte „Existenzen“ aufbauen) und (c) in existentieller Abhängigkeit (aus)gehalten wird (Sparvorsorge muß verhökert werden; soziale Sicherheit – selbst für Kinder – ist „Besitzstandsdenken“).
Vielerorts herrscht wieder Unterbeschäftigung wie am Ende von „Weimar“, nur die Armut ist geringer (wir sind ja auch noch vor der großen Krise des internationalen (Neo-)Liberalismus). Meine Hoffnung ist, daß die Nettozahler und –empfänger aller Solidarsysteme einfach einmal vergessen, scheel aufeinander zu blicken, um gemeinsam nach dem Weg zu suchen, um ohne working poor das Lohnabstandsgebot durch mehr familiäre und ökologische Nachfrage wieder einhaltbar zu machen.
Mit besten Wünschen,
Martin Bauer

Der Beitrag gehört wohl zur Rubrik übelster Manipulationen.
Hartz IV ist von Anfang an ein neoliberales Projekt gewesen, das von interessierten Kreisen massiv gefordert und gefördert wurde. Für sein Scheitern die Betroffenen verantwortlich zu machen ist nicht nur zynisch, sondern auch entlarvend feige. Das Kausalitätsprinzip wird umgekehrt. Besonders verwerflich ist jedoch, dass das grundsätzliche Scheitern dieser so genannten Reform jetzt von den gleichen interessierten Kreisen dazu benutzt wird, um den von ihnen gewollten Sozial-, Demokratie- und Zivilisationsabbau zu forcieren. Denn, Eines ist sicher: Solche Radikalität wird nicht ruhen, ehe der letzte Rest sozialstaatlicher Zivilisation beseitigt worden ist.
Dem interessierten und geneigten Leser erlaube ich mir daher auf die Gegendarstellungen auf den nachdenkseiten hinzuweisen und allgemein daran zu erinnern, dass der Mächtigen Wahrheit stets eine ganz andere ist als die der Ohnmächtigen.
http://www.nachdenkseiten.de/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idcat=5&idart=1305

An und für sich könnte man sich den vorherigen Beiträgen kommentarlos anschliessen, allerdings muss ich der Redaktion im Punkt "keine Anreize für junge Arbeitslose" zustimmen.
Sicherlich kann ein 45 jähriger mitten im Leben, Auto, Private Rentenvorsorge usw. schlecht mit 345 euro leben, aber beim Vergleich "junger Arbeitsuchender" contra "Student" muss ich sagen trifft der Artikel sehr wohl zu.
Selbst beim Bafög Höchstbetrag (528 eur) bleiben dem Studenten nach Abzug von Miete, Studiengebühren, Strom und Heizkosten vielleicht noch 150 bis 200 eur, wenn man bedenkt das, daß Bafög ein Darlehen ist und später zum großen Teil zurück gezahlt werden muss sieht das sehr wohl anders aus.
Hinzu kommt das, daß Studentenleben längst nicht mehr so lässig ist wie manche meinen, weshalb wenig Zeit für Nebenjob und änliches bleibt. Weiterhin kommt noch ein erheblicher Aufwand für Material, Bücher und änliches.
Ich denke man sollte differenzieren zwischen Alt und Jung.
Selbst beim vergleich Azubi & "junger Arbeitsloser" schlagen sich schon enorme Differenzen auf.

Dieser Artikel ist der blanke Hohn! Sie wollen die Menschen wohl glauben machen, dass man sich mit Hartz IV Millionen zusammen sparen kann?! Versuchen Sie mal, mit 345 Euro im Monat zurecht zu kommen. Sie haben 11,50 Euro pro Tag zum Leben zur Verfügung. Davon ziehen Sie noch Ihre Autoversicherung ab (so Sie sich überhaupt noch einen Pkw leisten können), Ihr Telefon, Ihren Strom, Ihre Warmwasserkosten (denn die werden nur anteilig übernommen), Ihre Bewerbungskosten etc. So, und jetzt rechnen Sie mal aus, was Ihnen dann noch für tägliches Essen zur Verfügung steht!
Dass Hartz IV-Empfänger, die einen 165 Euro-Job haben, dann auch noch aus der Statistik genommen werden, ist für mich logisch nicht nachvollziehbar. Schließlich wird man dann immer noch vom Staat finanziert, aber statistisch zählt man nicht mehr zu den Arbeitslosen. Diese Art der Statistik ist absurd!
Wenn Hartz IV durch so viel Schönfärberei weiterhin mit derartigen Artikeln entstellt wird, ist es verständlich, dass die noch arbeitende Bevölkerung dem mit Unmut gegenüber steht.
Ich habe allerdings noch von keinem Arbeitnehmer gehört, der freiwillig in Hartz IV gegangen wäre, um sich damit ein gutes Leben zu gestalten.
Als Hartz IV-Empfängerin bin ich selbst durch die Hölle gegangen und kann nur sagen, dass ich das ganze unwissende Geschreibe und Gequatsche in Presse und Rundfunk mittlerweile unerträglich finde.
"Schwarze Schafe", auf die solche Artikel abzielen, wird es in jedem System geben.

ist die Tatsache, daß diese "Reform" junge Menschen nicht motiviert, sich durch Arbeit und Leistung die eigene Existenz aufzubauen, sondern Sozialhilfekarrieren von der Jugend bis zur Rente fördert.
Statt die Symptome unserer strukturellen Probleme zu kaschieren sollten wir sie an der Wurzel packen und so manche soziale "Errungenschaft" mal auf dem Prüfstein stellen, ob sie nicht dazu führt, daß immer mehr Menschen perspektivlos bleiben. Nur tut das niemand, da so mancher Sozialpolitiker und Gewerkschaftsfunktionär dabei sein Gesicht verlieren würde.
Mit der Zeit wird immer klarer, warum Schröder angesichts des sich abzeichnenden Scherbenhaufens das Handtuch geschmissen hat. Die alte Bundesregierung hat diese Konsequenzen ihrer Politik mit Sicherheit schon viel eher bemerkt.