Finanzkrise

Bernanke zeichnet ein düsteres Bild

Von Daniel Mohr und Roland Lindner

15. Juli 2008 Die Kreditkrise hat die Finanzmärkte wieder fest im Griff. Der Deutsche Aktienindex Dax sank am Dienstag um 1,9 Prozent auf 6082 Punkte. Zwischenzeitlich war er bis auf 6007 Punkte gefallen und markierte damit den tiefsten Stand seit Oktober 2006. Auch an den anderen Börsen in Europa und Asien ging es kräftig bergab. Die amerikanischen Börsen eröffneten knapp 2 Prozent im Minus.

Die Börsianer trieb vor allem die Sorge vor weiteren Schwierigkeiten der Finanzkonzerne um. Studien, nach denen mindestens 100 amerikanische Banken von Zahlungsunfähigkeit bedroht seien, beunruhigten die Märkte. Der amerikanische Präsident George W. Bush rief den Kongress dazu auf, den Plänen zur Stabilisierung der Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae zügig zuzustimmen. Es müsse sichergestellt werden, dass in diesen Zeiten finanzieller Spannungen den Unternehmen weiterhin der Zugang zu Immobilienkrediten gewährt werde.

Notenbank in Wartestellung?

Der Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, Ben Bernanke, bezeichnete es bei einer Anhörung vor dem amerikanischen Senat als oberste Priorität, die Stabilität der Finanzmärkte wiederherzustellen. Gleichzeitig zeichnete er ein düsteres Bild der amerikanischen Wirtschaft und warnte vor erhöhter Inflationsgefahr. Bernanke sprach von „signifikanten Gefahren“ für das Wachstum in Amerika.

Damit schlug er einen anderen Ton an, als noch im Juni. Damals sagte er, diese Gefahr scheine sich zu verringern. Bernanke nannte höhere Energiepreise, eine weitere Abschwächung im Häusermarkt und ein strengeres Kreditumfeld als Risiken.

Den Ausblick auf die Entwicklung der Inflation nannte Bernanke „ungewöhnlich unsicher“. Bernanke kündigte an, die Fed werde die weitere Entwicklung wachsam beobachten. Dies wurde im Markt als Signal gewertet, dass die Notenbank keine baldige Anhebung der Leitzinsen plant, sondern sich zunächst einmal in Wartestellung begibt.

Der Ölpreis rutschte nach den Aussagen Bernankes kräftig ab. Am Mittag notierte ein Barrel (159 Liter) amerikanischen Leichtöls noch nahe seines Rekordhochs von 147 Dollar. Am frühen Abend fiel der Preis dann jedoch angesichts des pessimistischeren Wachstumsausblicks binnen weniger Minuten auf 136 Dollar. Der Dollar fiel am Dienstag auf ein neues Rekordtief gegenüber dem Euro. Erstmals mussten 1,6038 Dollar für einen Euro gezahlt werden, fast zwei Cent mehr als am Montag.

Finanzaktien unter Druck

An den Börsen gerieten vor allem Finanzaktien unter Druck. Besonders stark abwärts ging es für den niederländisch-belgischen Finanzkonzern Fortis, dessen Aktienkurs um 18 Prozent nachgab. Die jüngsten Maßnahmen zur Beschaffung von Kapital haben die niederländische Börsenaufsicht auf den Plan gerufen, die über Ermittlungen nachdenkt. Zudem gab es Gerüchte, dass Kunden ihr Gespartes abziehen würden.

Video in voller Größe

Auch die Immobilienkrise in Spanien erreichte einen neuen Höhepunkt. Die Immobiliengruppe Martinsa Fadesa musste nach gescheiterten Kreditverhandlungen mit Banken Insolvenz beantragen. Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen von Analysten fiel mit minus 64 Punkten auf den tiefsten Stand seit seiner Einführung im Jahr 1991. In der nervösen Situation an den Börsen war Gold gesucht. Der Preis für die Feinunze kletterte auf 988 Dollar und näherte sich damit wieder seinem Rekordhoch von 1033 Dollar im März.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, F.A.Z.

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 4.865,54 +7,07
TecDax 571,62 +10,62
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.573,18 +6,25
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 9,30 +5,32
Euro/Dollar 1,36 -0,04
Bund Future 114,67 +0,00
Gold 852,95 +0,65
Öl 76,65 -7,49
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche