Der dritte Arbeitsmarkt ist das falsche Mittel gegen die Langzeitarbeitslosigkeit

Dritter Arbeitsmarkt

Auf dem Abstellgleis

Fast stillschweigend hat die Koalition ein zweifelhaftes Projekt abgesegnet: Die Schaffung eines „dritten Arbeitsmarktes“. Nicht vermittelbare Arbeitslose sollen unbefristete Ein-Euro-Jobs erhalten. Eine solche Stigmatisierung würde aber die Probleme nur noch schlimmer machen. Von Sven Astheimer.

Lesermeinungen zum Beitrag

26. Januar 2007 15:18

@ asklepion

Ralf Henrichs (nimreem)

"leider beantwortet der Artikel genau diese Frage nicht, denn der öffentliche Sektor, in dem diese Stellen besetzt werden sollen ist de facto bereits seit jahrzehnten vom 1. Arbeitsmarkt isoliert und funktioniert nach eigenen Regeln."

Das war vielleicht früher so. Mittlerweile gliedern Kommunen vor allem aus Finanznot immer mehr Bereiche aus und lassen sie von der Privatindustrie ausführen. Auch viele früher klar öffentliche Einrichtungen sind mittlerweile halböffentlich oder werden wie ein private Unternehmen geführt.

"Das die Effektivität dieser Maßnahmen, je nach Organisation und Ausgestaltung der Rahmenbedingungen äußerst variabel sein kann, besteht jedoch kein Zweifel."

Vor allem wenn man bedenkt, dass laut IAB-Studie ca. 50% der Ein-Euro-Jobs nicht den Kriterien entsprechen, da sich Unternehmen nicht an die Regeln (gemeinnützig, zusätzlich) halten. Dabei war dies bislang noch einfach, da es ja noch relativ viele Stellen geben müsste, die diesen Kriterien entsprechen. Je mehr man das Instrument einsetzt, desto weniger dementsprechende Stellen gibt es.

Daher: Ersten Arbeitsmarkt durch Stärkung der Binnennachfrage ist der viel intelligentere (und marktwirtschaftlichere) Weg.

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26. Januar 2007 12:43

@henrichs

harald schneider (asklepion)

leider beantwortet der Artikel genau diese Frage nicht, denn der öffentliche Sektor, in dem diese Stellen besetzt werden sollen ist de facto bereits seit jahrzehnten vom 1. Arbeitsmarkt isoliert und funktioniert nach eigenen Regeln. Die Wartungsarbeiten in dem von Ihnen genannten Beispiel sind vermutlich früher nicht entfallen, dafür wurde vermutlich das Wartungsintervall angepasst. Außerdem entfällt über eine Marktbereinigung nicht die Notwendigkeit, (Langzeit)arbeitslose wieder in einen geregelten Tagesablauf mit Arbeit zu integrieren.
Das die Effektivität dieser Maßnahmen, je nach Organisation und Ausgestaltung der Rahmenbedingungen äußerst variabel sein kann, besteht jedoch kein Zweifel.

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26. Januar 2007 10:13

@ asklepion

Ralf Henrichs (nimreem)

Ihre Frage wird eigentlich durch den Artikel eindrucksvoll beantwortet: "Warum sollte unser Staat (das sind schließlich wir alle)eigentlich nicht Gegen-Leistungen einfordern." U.a. nämlich, weil hierdurch reguläre Stelle vernichtet werden. Denn wie viele Stellen gibt es denn, die sinnvoll sind, aber nicht in Konkurrenz mit dem ersten Arbeitsmarkt stehen?

In "Plusminus" wurde jemand gezeigt, der nun die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr wartet. Man fragt sich unwillkürlich:
1. wurden die Fahrzeuge vorher nicht gewartet?
2. Reicht dies wirklich für einen 8-Stunden Tag (oder kommt man nicht später auf die Idee, dass er doch auch die Räume putzen könnte und verdrängt damit weitere Arbeitsplätze)?
3. hat die Person wirklich die Fähigkeit hierzu (oder nur den Willen) und was passiert bei einem Unfall aufgrund mangelhafter Wartung?

Sinnvoller wäre es doch mittels Ankurbelung der Binnennachfrage für mehr Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt zu sorgen.

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25. Januar 2007 13:46

warum eigentlich nicht?

harald schneider (asklepion)

Warum sollte unser Staat (das sind schließlich wir alle)eigentlich nicht Gegen-Leistungen einfordern. Ob man das als 3. Markt bezeichnet oder nicht ist doch nur eine Definitionsfrage. Fakt bleibt das der Steuerzahler eine immer größer werdende Zahl mitversorgt, die nichts aktiv zu dem wirtschaftlichen Weiterkommen beitragen (können?).
Das die Zunahme dieser Gruppe nicht zuletzt dadurch erklärbar ist, das dies in der Vergangenheit den Betroffenen leicht gemacht und eine Umkehr schwer gemacht wurde ist durch alle Parteien inzwischen anerkannt. Das klingt je nach Parteibuchfarbe zwar anders, bleibt unterm Strich aber dasselbe.
Denn mit dem Abgewöhnen regelmäßiger Tagesabläufe über teils längere Zeiträume muß irgendwann begonen werden. Das Selbstverständnis von Hr. Wowereit (Berlin ist arm aber sexy) ist ein bedenkliches Zeichen in wieweit Deutschland von Leistung soll sich lohnen weg ist und ein Schlag ins Gesicht jedes Steuerzahler, der Berlins Party mit finanziert.

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25. Januar 2007 11:44

"All politics are local"

Fionn Huber (fionn)

pflegte Tip O'Neil, der ehemalige, sehr respektierte Sprecher des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, zu sagen.

Und das grösste "local" Problem der deutschen Innenpolitik ist seit der Wiedervereinigung die Arbeitslosigkeit. Aussenpolitik auf der Weltbühne zu betreiben mag aufregend sein, wer aber innenpolitisch versagt wird später an der Urne bestraft.

Der Arbeitsmarkt ist leider alles anders als homogen, sondern sehr fragmentiert. Hat der FAZ-Redakteur noch einige detaillierte erfolgsversprechende Vorschläge parat?

F. Huber

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